Rund 40 Mitglieder der IG WBS besuchten im September 2017 die renovierte Bibliothek Münstergasse in Bern. Sybille Brügger Foerster war an der Führung dabei und schildert ihre Eindrücke.
Beim Besuch der Bibliothek Münstergasse in Bern, einer Teilbibliothek der Universitätsbibliothek Bern, fällt etwas besonders schnell auf: Es hat fast keine Bücher in dieser Bibliothek.
Es handelt sich dabei natürlich keinesfalls um ein Versäumnis à la «Huch, uns war doch, wir hätten bei der Planung etwas vergessen», sondern es geht um einen neuen Denkansatz: Bibliothek als Lernort.

Arbeitsplätze statt Bücher
Bevor sich die Mitglieder der IG WBS im September 2017 auf die Führung durch die Bibliothek Münstergasse machten, wurden sie von Isabelle Kirgus, Leiterin der Bibliothek, und Leandra Meyer, Mitarbeiterin, begrüsst. Isabelle Kirgus blickte zuerst zurück auf die lange und wechselvolle Geschichte der Bibliothek Münstergasse – die älteste Bibliothek der UB Bern. Die letzte Veränderung an der Münstergasse ist noch nicht lange her: Im Sommer 2016 wurde die Bibliothek nach einer über zweijährigen Umbauphase wiedereröffnet.
Leandra Meyer erläuterte daraufhin das neue Konzept «Lernort Bibliothek Münstergasse» – dazu hat sie auch ihre MAS-Arbeit verfasst.
Es befinden sich tatsächlich wenig Bücher in der umgestalteten Bibliothek. Dafür sind umso mehr Arbeitsplätze für Studierende vorhanden. Damit jede und jeder sein ideales Plätzchen findet, gibt es ganz verschiedene Arten von Arbeitsplätzen, quer durch das Gebäude verteilt: die Plätze in den Lesesälen, die reservierbaren Gruppenräume, die «versteckten» Einzelarbeitsplätze etc.
Die Bücher selbst werden grösstenteils in der Bibliothek vonRoll in der Länggasse gelagert, können aber bequem in die Bibliothek Münstergasse bestellt, ausgeliehen und dort wieder zurückgegeben werden.

Obwohl die Bibliothek vor allem im Dienst der Forschung steht, richtet sie sich auch weiterhin an die interessierte Öffentlichkeit. Dies führt zu der einen oder anderen Herausforderung für das Bibliotheksteam, da die verschiedenen Benutzergruppen nicht dieselben Bedürfnisse haben.
Die einen schätzen es, endlich viele ruhige Arbeitsplätze zu haben, die anderen vermissen das Durchstreifen der Bücherregale im Freihandbereich. Da geht es jetzt darum, Lösungen und attraktive Angebote für beide Benutzergruppen zu finden bzw. weiter auszubauen. Natürlich wird auch auf die Beratung, auf Schulungen und Führungen für Benutzende sowie auf kulturelle Ausstellungen viel Gewicht gelegt. Es wird ein dementsprechend vielfältiges Angebot gepflegt.

Umbau erfolgreich
Im vergangenen Jahr konnten die Benutzenden wie auch das Bibliotheksteam bereits erste Erfahrungen mit der «neuen» Bibliothek sammeln.
Dabei wurde festgestellt, dass das eine oder andere Konzept nicht ganz so funktioniert, wie es ursprünglich geplant war. Deswegen wurden bereits erste Anpassungen vorgenommen, zum Beispiel werden im Lesesaal anstatt kaum genutzter Sessel nun mehr Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt.
Im Grossen und Ganzen scheint das Konzept aber aufgegangen zu sein und der Umbau kann bereits jetzt als Erfolg gewertet werden.
Wer bei der Besichtigung nicht dabei war, kann mit einer Führung durch die Bibliothek selbst einen Eindruck der neugestalteten Bibliothek erhalten – es lohnt sich auf jeden Fall.
Im Oktober 2017 erschien auf biblioBE.ch ein Beitrag von Leandra Meyer über die Bibliothek Münstergasse unter dem Titel «Zuverlässige Begleitung durch den Informationsdschungel».
Sybille Brügger Foerster, I+D Spezialistin FH, seit August 2017 in der Universität Freiburg, Bibliothek Pérolles 2 (BP2), tätig
November 2017
