• Skip to primary navigation
  • Skip to main content
IG WBS

IG WBS

Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

  • Über uns
    • Mitglied werden
    • Statuten
    • Vorstand
  • Aus- und Weiterbildung
  • Veranstaltungen
  • Intern
    • Berichte
    • Mitglieder im Fokus
    • Aus dem Vorstand
    • Info WBS
    • Mitgliederverzeichnis
  • Anmelden
  • Show Search
Hide Search

Wie kann ein „Infomarkt“ die Erwerbung von Informationskompetenz unterstützen?

23. Mai 2011 ·

RB 54, Mai 2011
Beatrice Krause

Ein Recherchekurs mit über 40 Studierenden kann eine grosse Herausforderung für die Kursleitung darstellen. Besonders, wenn die Teilnehmenden aus einem Masterstudiengang mit unterschiedlichen Studienschwerpunkten, Rechercheerfahrungen und aus verschiedenen Nationen kommen. Gelöst kann dies nur werden, wenn diese Heterogenität nicht als Problem, sondern als Potenzial gesehen wird.

Im Fall des Masterstudiengangs Design an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) liegt das Po­tenzial gerade in der Verschiedenheit der einzelnen Studienschwerpunkte wie Produktdesign, Editorial Design, Game Design oder Trendforschung. Die Studierenden kommen direkt vom Bachelor-Studium oder aus der Praxis. Die bisherigen Rechercheerfahrungen können sich gegenseitig bereichern. Zudem sind es die Studierenden gewohnt, ihre Arbeitsergebnisse zu präsentierten. Was liegt da nicht näher, als diese Fähigkeiten auch für einen Recherchekurs zu nutzen?

Ungünstige Rahmenbedingungen fördern die Kreativität

Oft werden Studierende in einem Recherchekurs in einem Computerraum geschult und können so die Datenbankrecherche direkt üben. Der ZHdK steht allerdings kein geeigneter Computerraum für eine solch grosse Gruppe zur Verfügung. Die straffen Abläufe im Minor Forschung (= vertiefungsübergrei­fende Theorieveranstaltung mit Schwerpunkt Forschung im Masterstudiengang Design), in welcher der Recherchekurs integriert wurde, liessen es zudem nicht zu, dass die Masterklasse in zwei Gruppen aufgeteilt werden konnte. Dem Minor-Verantwortlichen war es trotzdem sehr wichtig, die Studieren­den möglichst umfassend und nachhaltig in der Literaturrecherche schulen zu lassen. In enger Zusam­menarbeit mit ihm wurde deshalb ein spezielles Lehrkonzept erarbeitet, in das auch die sechs Schwei­zer Standards der Informationskompetenz (Stalder, 2010) integriert wurden. Als Kursumfang wurden sechs Lektionen auf zwei Kurstage verteilt festgelegt.

Entwicklung eines „Infomarktes“

Der Kursleiterin war durch einen früheren Besuch der Majors Internationale Landwirtschaft an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL) das Lehrkonzept des problembasierten Ler­nens bekannt. Dieser Besuch inspirierte zur Idee, dass die Studierenden in Gruppen themenbezogene Rechercheaufgaben selbst organisiert lösen sollten.

 Der erste, dreistündige Teil des Lehrkonzeptes bestand aus einem Vortrag der Kursleiterin mit Kurz­übungen ohne Computer zur Literaturrecherche und -verwaltung. Ausserdem wurden die Recherche­aufgaben verteilt, für deren Lösung die aus maximal 6 Personen bestehenden Arbeitsgruppen mehrere Tage Zeit erhielten. Die Herausforderung lag nun darin, eine geeignete Präsentationsform zu finden. Bei über 40 Studierenden kommen rasch einige Vorträge zusammen, welche nacheinander ziemlich ein­schläfernd wären. Hier half ein Blick in Fachbücher zu Seminarmethoden. Jörg Knoll regt für Präsenta­tionen von Arbeitsergebnissen in grossen Gruppen die Methode Marktplatz an (Knoll, 2007, S. 229). Dabei präsentiert jede Arbeitsgruppe ihr Ergebnis als Marktstand. Die jeweilige Gruppe spal­tet sich dazu auf, die eine Hälfte wandert und informiert sich an den anderen Ständen, dann wird ge­tauscht. Je nach Gesamtgrösse der Klasse kann es zu ein bis zwei Wechseln kommen. Die Studieren­den können so die eigenen Erkenntnisse präsentieren, bekommen darauf direkte Reaktionen der ande­ren Teilnehmenden und lernen deren Arbeitsergebnisse kennen.

Die Idee des „Infomarktes“ als Kern des Konzeptes, das sich am problembasierten Lernen orientiert, war so im Frühlingssemester 2010 geboren. Die Rechercheaufgaben wurden in Rücksprache mit dem Minor-Verantwortlichen aus den bisherigen Masterthemen abgeleitet. So entstanden Recherchethemen wie „Visuelle Beipackzettel für Hilfswerke in Afrika“, „Sportkleidung aus PET-Flaschen“, „eBook-Reader vs Tablet-PCs“ oder „Mit den Augen sprechen – Interaktive Technologien, die helfen, mit Au­gensteuerung zu kommunizieren“. Die Masterstudierenden bekamen zudem eine Vorgabe, wie in etwa der „Marktstand“ auszusehen hatte und welche Punkte sie am Stand erklären sollten. Dazu gehörten ihre Recherchestrategie und die genutzten Recherchequellen. Bei der zweiten Durchführung des Kurses im Frühlingssemester 2011 wurde zudem eine geteilte Literatursammlung im kollaborativen Literaturverwaltungsprogramm Mendeley (www.mendeley.com) gefordert.

Bsp. Marktstand Thema eBooks vs. Tablet-PCs im FS 2010
Bsp. Marktstand Thema eBooks vs. Tablet-PCs im FS 2010

Marktplatzbesuch

Der zweite, ebenfalls dreistündige Teil des Kurses besteht aus dem Austausch auf dem „Infomarkt“, der jeweils sehr lebhaft ist. Die Kursleitung muss dabei die Zeit gut im Griff haben und klare Spiel­regeln vorgeben. Ein akustisches Signal, z.B. eine Glocke, kann helfen, die Studierenden etwas zu bändigen. Die Rechercheergebnisse selbst fielen sehr unterschiedlich aus. Manche legten dabei etwas mehr Wert auf die Gestaltung des Marktstandes, andere brachten gezielte Erkenntnisse zur Literatur­recherche mit.

Thema: Visuelle Beipackzettel für Hilfswerk in Afrika im FS 2010
Thema: Visuelle Beipackzettel für Hilfswerk in Afrika im FS 2010

Im Plenum wurden anschliessend die Ergebnisse nochmals von der Kursleitung zusammengefasst und gegebenenfalls mit Demos in Fachdatenbanken ergänzt. Die Ergebnisse an den „Marktständen“ wur-den mit Fotoprotokollen festgehalten. Im Frühlingssemester 2011 wurden zudem die von den Studie-renden freiwillig angefertigten Rechercheprotokolle und Mindmaps zusammen mit Tipps zu Daten-bankquellen auf die kostenlose eLearning Plattform LiveBinders (www.livebinders.com) gestellt. Dies kann im Nachhinein auch leistungsschwächere Studierende unterstützen, die mit diesem Lehrkonzept nicht so gut abgeholt werden können.

Fazit

Die Gestaltung des problembasierten Kurskonzeptes „Infomarkt“ erforderte beim ersten Mal mit ca. 25 Vorbereitungsstunden einen etwas höheren Aufwand als eine bisherige vertiefte IK-Lehrveranstaltung des MIZ. Generell ist es wichtig, IK-Lehrkonzepte zielgruppenorientiert zu gestalten. Beim hier be­schriebenen Konzept half die enge Abstimmung mit dem Minor-Verantwortlichen. Für den Studien­gang Master Design passte die Idee der Recherchepräsentation mit einem „Infomarkt“ gut, da die Studierenden es gewohnt sind, ihre Arbeiten als konkrete Modelle (z.B. ein Schuh oder ein Computer­spiel) vorzu­stellen. Zudem sind die Studierenden im Master meist etwas selbständiger als Bachelor-Studierende und bringen teilweise schon Rechercheerfahrungen mit, die ausgetauscht werden können. Trotzdem ist die Evaluation der Rechercheprotokolle und der geforderten Literaturverzeichnisse sowie der Kursfeedbacks sehr wichtig.

Bei den Studierenden kam dieser Kurs überwiegend gut an. Einige schätzen vor allem die Zusammen­arbeit aller Vertiefungsrichtungen und den Austausch am „Infomarkt“. Für die Kursleitung war es während des „Marktbesuches“ ausserdem sehr spannend zu beobachten, dass manche Studierenden zu einem ihnen vertiefungsfremden Thema recherchiert hatten. Sie konnten so einen Blick über den Tellerrand werfen und unabhängig von ihrem eigenen Fachgebiet Informationskompetenz erwerben.

Weiterführende Literatur:

  • Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft (SHL): Was ist PBL? Umsetzung von Problem-Based Learning (PBL) im Major Internationale Landwirtschaft. Berner Fachhochschule. Online unter http://www.shl.bfh.ch/fileadmin/docs/Studium/BScAgronomie/Was_ist_PBL_de.pdf [zuletzt abgerufen am 4.4.2011]
  • Knoll, Jörg (2007): Kurs- und Seminarmethoden – ein Trainingsbuch zur Gestaltung von Kursen und Seminaren, Arbeits- und Gesprächskreisen. 11., vollst. überarb. u. erw. Aufl. – Weinheim: Beltz, 2007.
  • Stalder, Philipp (2010): Schweizer Standards der Informationskompetenz. Online unter http://www.informationskompetenz.ch/documents/SILS_DE.pdf [zuletzt abgerufen am 20.4.2011]

Wissenschaft und Forschung Informationskompetenz, Weiterbildung

About IG WBS Administrator

IG WBS

Copyright © 2026 · Interessengruppe Wissenschaftliche BibliothekarInnen Schweiz
eine Vereinssektion von Bibliosuisse

  • Impressum
  • Datenschutz
Diese Website benutzt Cookies. Wenn du die Website weiter nutzt, gehen wir von deinem Einverständnis aus.