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Was ist Bibliometrie?

9. Mai 2013 ·

RB 61, Mai 2013
Irene Friesenhahn

Ursprünge der Bibliometrie

Die Ursprünge der quantitativen Analysen von Bibliografien liegen in den 1920er Jahren (Hulme 1923), noch lange bevor die Bezeichnung Bibliometrie verwendet wurde. Der eigentliche Begriff „Bibliometrie“ existiert erst seit 1969 und geht auf Alan Pritchard zurück. Sie bezieht sich auf die Anwendung mathematischer und statistischer Methoden, um die Prozesse der schriftlichen, wissenschaftlichen Kommunikation erklären zu können (vgl. Ball et al. 2005).

Eine der ersten Arbeiten auf diesem Gebiet ist „The frequency distribution of scientific productivity“ von Alfred Lotka aus dem Jahr 1926. Sie besagt, dass die Anzahl der AutorInnen mit n Beiträgen etwa 1/n2 derer ist, die einen einzigen Beitrag veröffentlichen: Der Anteil der AutorInnen eines beliebigen Forschungsgebiets, die einen einzigen Beitrag veröffentlichen, liegt bei ca. 60%. 15% haben zwei Veröffentlichungen (1/22 mal 60) und sieben % der AutorInnen haben drei ihrer Arbeiten veröffentlicht (1/32 mal 60) usw. (Lotka 1926). Lotkas Gesetz wird auch heute noch auf dem Gebiet der Bibliometrie als Daumenregel angesehen, beinahe 90 Jahre nach der ersten Veröffentlichung. Weitere zentrale Arbeiten aus der Anfangszeit der Bibliometrie stammen von Gross und Gross (1927) und von Bradford (1934). Gross und Gross versuchten in ihrer Studie zu ermitteln welche fachwissenschaftlichen Zeitschriften für das Studium der Chemie unverzichtbar sind. Sie waren damit die ersten, die Zitate als bibliometrische Informationen nutzten und eine Zitationsanalyse durchführten. Samuel Bradfords Studie hingegen befasste sich mit der Verteilung von Literatur zu einem wissenschaftlichen Thema über verschiedene Fachzeitschriften hinweg. Anhand von Bradfords Gesetz lässt sich ermitteln, ob Bedarf für die Neugründung einer Zeitschrift in einer Disziplin besteht.

Die Studien der Anfangszeit zeigen, dass die Bibliometrie zu Beginn noch kein definiertes und Forschungsgebiet mit kohärenten Aufgabenbereichen war. Erst mit der Zeit wurden quantitative Verfahren eingesetzt, um vergleichbare Informationen über die Wissenschaft als solches zu generieren. Der bislang wahrscheinlich bekannteste Beitrag zur modernen Bibliometrie stammt von Derek De Solla Price. Er entwickelte in seinem Werk „Little Science – Big Science“ (1963) den ersten systematischen, bibliometrischen Ansatz. Darin beschrieb er Phänomene in der modernen wissenschaftlichen Kommunikation, die bis heute beobachtet werden, wie z.B. die Halbwertszeit von Publikationen sowie den exponentiellen Anstieg an wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Die Halbwertszeit von Publikationen beschreibt die Zeit, nach welcher die Hälfte aller Publikationen nicht mehr für die Scientific Community von Interesse ist und nicht mehr zitiert wird. Es lassen sich von Disziplin zu Disziplin erhebliche Unterschiede in der Halbwertszeit von Publikationen feststellen.

Die heutige Bibliometrie

Die Bibliometrie, wie wir sie gegenwärtig kennen, ist eine Forschungsrichtung der Informationswissenschaft, die sich mit der quantitativen Analyse von Bibliografien und Literatursammlungen befasst. Inhaltlich geht es dabei vor allem um das Zählen und Analysieren der veröffentlichten, wissenschaftlichen Kommunikation. Grundlage für die Analyse wissenschaftlicher Publikationen sind die bekannten Publikationsdatenbanken, wie z.B. das Web of Science und Scopus. Diese multidisziplinären Datenbanken erfassen zwar die bibliografischen Informationen der veröffentlichten Texte zusammen mit den zugehörigen Zitationen, dennoch geht ihre Verwendung auch mit gewissen Begrenzungen einher.

Die Publikationsdatenbanken erfassen insbesondere Artikel aus indexierten fachwissenschaftlichen Zeitschriften, jedoch keine Bücher, Aufsätze in Büchern oder andere Veröffentlichungsformate, die für WissenschaftlerInnen bestimmter Disziplinen durchaus relevante Kommunikationsformate darstellen können. Daher gilt zu berücksichtigen, dass bibliometrische Informationen in der Regel nicht über die Gesamtheit des Publikationsaufkommens Aufschluss geben, sondern sich ganz spezifisch auf den Ausschnitt der wissenschaftlichen Kommunikation beziehen, der in Form wissenschaftlicher Zeitschriftenartikel publiziert wurde.

Das Zählen von Publikationen und Auswerten von Zitationen soll zahlengestützte Erkenntnisse für folgende Zusammenhänge ermöglichen:

  1. einen Überblick über das Publikationsvolumen in Form von Zeitschriftenartikeln,
  2. Informationen über die Wahrnehmung und Wirkung von Publikationen („Impact“) auf die wissenschaftliche Gemeinschaft,
  3. Kenntnisse über die Integration von Forschungsergebnissen in den bestehenden Wissenskontext einer Disziplin,
  4. das Aufzeigen der bestehenden Forschungskooperationen einzelner Disziplinen und
  5. die Einschätzung zentraler und stark untersuchter Themen, Entwicklungen, Trends und Erkenntnisstände innerhalb eines wissenschaftlichen Gebiets zu einer bestimmten Zeit („hot topics“ und auch „research fronts“).

Im Zentrum von bibliometrischen Analysen steht dabei das Zählen von Zitaten, die einem bestimmten Aufsatz oder einer/m bestimmten Wissenschaftler/in gelten. Dabei ist die Summe der Zitate ein entscheidendes Kriterium, welches die Bedeutung einer Arbeit oder die Signifikanz eines Autors für ein wissenschaftliches Gebiet bestimmt. Das Interesse an Bibliometrie ist mittlerweile deutlich angestiegen. Durch die Verfügbarkeit grosser, digitaler Publikationsdatenbanken, befassen sich nicht mehr nur MethodikerInnen mit Bibliometrie, sondern auch verschiedene Gruppen aus den Bereichen Wissenschaftsinformation und Wissenschaftspolitik, jedoch oftmals mit unterschiedlichen Erkenntniszielen.

Literatur 

Ball, R. & Tunger, D. 2005: Bibliometrische Analysen – Daten, Fakten und Methoden. Grundwissen Bibliometrie für Wissenschaftler, Wissenschaftsmanager, Forschungseinrichtungen und Hochschulen, Schriften des Forschungszentrums Jülich, Reihe Bibliothek 12 . http://epub.uni-regensburg.de/4913/1/Biblio.Analys._Daten_Ball_Tunger.pdf Rev. 2013-02-18.

Bradford, S.C. 1934: Sources of information on specific subjects, Engineering, 23(3), S. 85-88.

Gross, P.L.K., & Gross, F.M. 1927: College libraries and chemical education, Science, 66, S.386-389.

Hulme, E.W. 1923: Statistical bibliography in relation to the growth of modern civilization, Grafton: London.

Lotka, A.J. 1926: The frequency distribution of scientific productivity, Journal of Washington Acad-emy of Sciences, 16(12), S. 317-23.

Price de Solla, D. 1963: Little Science, Big Science, Columbia University Press, New York.

Pritchard, A. 1969: Statistical bibliography or bibliometrics, J. of Documentation, 25(4), S. 348-349.

 

Kontakt

Irene Friesenhahn
Berlin Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Tel. +49 (0) 30 20370 392

friesenhahn@bbaw.de

 

Technologie und Innovation Bibliometrie, Forschung, Publizieren, Qualität

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