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Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

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Tagungsbericht UKSG – Wie OA sich in UK etabliert (Harrogate, 14.-16. April 2014)

9. Mai 2014 ·

Info WBS 2, Oktober 2014
Christian Gutknecht (Text)

Soviele Teilnehmer wie noch nie

Mit über 1000 Besucher brach die diesjährige Konferenz der UK Serials Group in Harrogate alle bisherigen Rekorde. Mit der gemeinsam stafffindender Austellungen verschiedener Verlage und Anbieter im Bereich wissenschaftlicher Information scheint sich die UKSG zum kleinen Bruder der Frankfurter Buchmesse zu mausern. Nicht wenige Konferenzbesucher aus den nordischen Länder (Schweden, Dänemark, Niederlande) gaben im persönlichen Gespräch zu bekennen, dass sie auch wegen konkreten Verhandlungen mit Verlagen an die UKSG angereist sind.

Mich lockte das Thema Open Access, dass dieses Jahr wie zu erwarten das Thema Nr. 1 an der Konferenz war. Wie kein anderes Land auf der Welt hat UK in den lezten zwei Jahren den Kurs radikal auf Open Access getrimmt. Nach dem wegweisenden Finch-Report, stellte der Research Council UK den britschen Universitäten zusätzliche 37 Millionen Pfund für zwei Jahre zu Verfügung. Mit diesem Geld müssen die Universitäten dafür sorgen, dass mindestens die Hälfte der jährlich zu erwartenden Artikel mit Open Access publiziert werden. Dieser Geldsegen, welcher von vielen langjährigen Open Access-Vertretern als ein kostspieliges Geschenk an die Verlage empfunden wird, sorgt natürlich für ganz pragmatischen Handlungsbedarf bei nahezu allen Universitäten in Grossbritannien.

APC-Management am University College London

So berichtete beispielsweise Catherine Sharp, Open Access Funding Manager des University College London (UCL), dass ihr neu geschaffenes Team, bestehend aus zwei Open Access Funding Assistants und einem Open Access Compliance Officer, seit August 2013 gegen 1150 RCUK und Wellcome Trust finanzierte Open Access Artikel verwaltet hat. Dazu habe die UCL bei verschiedenen Grossverlagen Preipaid-Pläne eingerichtet, was die Abrechnung gemäss Sharp sehr erleichtert hat. Forschende der UCL können die Kosten für Open Access über ein Formular oder per E-Mail (häufiger) an die Bibliothek melden. Das Open Access Funding Team überprüft die Situation, vervollständigt Daten, und klärt mit Verlagen bzw. AutorInnen Unklarheiten.

APC-Management in Manchester

Ebenfalls berichtete Helen Dobsen von Manchester, wie dort das bestehende OA/Repository Team mit Spezialisten von verschiedenen Abteilungen (Finance, Research Service, eScholar, Academic Engagement, Marketing, Acquisitions) ergänzt wurde. Für Manchester war es wichtig, eine möglichst einfache Botschaft an die Forschenden zu richten. Die Frage nach der richtigen CC Lizenz war beispielsweise untergeordnet. Dazu wurde ein Factsheet erstellt, das die RCUK/Wellcome Trust-Anforderungen in den lokalen Kontext mit Repository und bestehender OA-Policy setzte. Wie an der UCL wurde ein Formular erstellt, wobei AutorInnen die Übernahme von Publikationskosten beantragen konnten. Durch das bestehende Campus-Login, sowie einer Anbindung an die lokale Projekt/Grant Datenbank, konnten so schon einige Daten automatisch übernommen werden.

Intermediaries: OAK, Swets, EBSCO, JISC APC

Bereits im Oktober 2012 wurde ein Report über die mögliche Rolle von Zwischenhändlern veröffentlicht, geklärt hat sich aber deren Rolle immer noch nicht. OAK gehörte zu den Ersten, die sich mit APC-Management beschäftigten, die aber bislang kaum Kunden hatten. Einiges später und erst nach den grünen Licht der Politik für Gold OA in UK, kündigten Swets und EBSCO Lösungen für APC-Management an. OAK ist inzwischen mit JISC Collections (britisches Konsortium) eine Partnerschaft eingegangen und untersucht im Projekt JISC APC verschiedene Szenarien des APC-Managements.

Bei Swets liess ich mir am Messestand die vorhandene Lösung demonstrieren. Sie erinnerte mich stark an mein E-Banking-Frontend. Als Universität kann man verschiedene Konten (z.B. RCUK oder Wellcome Trust) anlegen und da Geld einzahlen. Danach trägt man manuell die Details einer Publikationskostenzahlung ein (Artikeldaten, Verlag, Autoren, DOI, Link zu Repository, Lizenz, ORCID) und kann dann die Zahlung aktivieren. Über die eingegeben Daten lassen sich dann verschiedene Reports und Statistiken abrufen. Wirklich gewinnbringende Funktionen, wie automatische Übernahme von Zahlungsdaten durch Verlage, automatische Verfahren durch Business Rules oder Abrechnungen der bezahlten APC von Subkriptionskosten sind noch nicht implementiert.

Bei der Situation in UK stellt sich unweigerlich die Frage: Wie geht es weiter, wenn die Anschubfinanzierung ausläuft? Von vielen britischen Konferenzbesuchern, war die Antwort ein zurückhaltendes, leicht spöttisches Schulterzucken. Wirklich klar scheint das kaum jemanden zu sein, aber wirklich interessieren tut es offenbar auch niemanden, denn bislang ist das Geld ja zusätzlich. So sind zurzeit viele damit beschäftigt das Geld zu verteilen, dazu die richtigen Workflows einzurichten und dafür zu sorgen, dass die Bedingungen des Geldgebers zu Open Access lokal eingehalten werden.

Monitoring & Reporting

Derweil wurde von einer kleinen Arbeitsgruppen (inkl. Verlagsvertretern) eine Methodik für ein umfassendes, UK-weites Monitoring erarbeitet und veröffentlicht. Jährlich soll die Umsetzung und die Effekte (z.B. APC Preisentwicklung) der britischen OA-Strategie über Stichproben erfasst werden. Einzelne Universitäten, wie beispielsweise Cambridge haben bereits jetzt schon Zahlen bekannt gegeben:

Auch der Wellcome Trust hat kürzlich Zahlen zu über 2000 geförderten OA-Publikationen von 2012-2013 veröffentlicht. Eine interessante Auswertung gibt es bei researchinformation.info. Ebenfalls wurde der Datensatz durch die Community in ein Google Spreadsheet übernommen und angereichert. Die Zahlen des des Wellcome Trust lassen übrigens ein interessantes Detail erkennen: Die Kosten von Hybrid-OA sind in der Regel doppelt so teuer, wie die APC’s von reinen OA-Zeitschriften.

Leider war an der UKSG sehr wenig Kritik über die Kosten der britischen OA-Strategie zu hören. Vielleicht mag es daran gelegen haben, dass sich die Lizenzierungscommunity als traditionelles Publikum der UKSG eh schon an an die Preise und Bedingungen der Grossverlage gewöhnt hat, so dass OA gar nicht als Chance die Karten grundsätzlich neu zu mischen, sondern lediglich als ein zusätzliches Angebot der Verlage verstanden wird.

Verlage passen sich an …zumindest soweit sie müssen.

Als man sich bei den Sales & Marketing-Vertreter der Verlage nach Open Access erkundigte, wurde schnell auf das Hybrid-Modell, sowie in manchen Fällen auf das gerade neu lancierte OA Journal hingewiesen. Wenn man dann nachfasste und nach dem Zustandekommen des Hybrid-Preises, der Vermeidung von Double Dipping, der Self-Archiving-Policy und vorallem dem Grund, weshalb die Verlage nicht ihre besten Journals in ein OA-Modell überführen fragte, merkte man schon dass viele Verlage sich schon darauf verstanden haben sich so weit wie nötig auf die neuen Spielregeln in UK einzulassen, aber kaum bereit sind sich fundamental zu Open Access zu ändern.

In guter Erinnerung bleibt mir ein Gespräch mit einem Vertreter von NPG. Die Arroganz mit dem Nature seine Reputation vermarktet ist kaum zu übertreffen (z.B. $4400 APC für das British Dental Journal). Fairerweise muss man aber auch sagen, dass NPG eine sehr liberale und klar formulierte Self-Archiving Policy hat und nie einen Hehl daraus gemacht hat, wo man in der Diskussion bezüglich Open Access steht.

Bei Wiley hat man nun seit Februar 2014 eine pauschale Self-Archving Policy eingeführt. AutorInnen können bei STM Journals das akzeptierte Manuskript nach 12 Monaten, bei Journals im SSH Bereich nach 24 Monaten online stellen. Allerdings wurde im Gespräch mit der Senior Managerin von Wiley Open Access klar, dass Wiley sich nur Richtung OA bewegen wird, wenn genügend Druck aufgebaut. Auch wenn Wiley, wohl auf Initiative der Fachgesellschaften im letzten Jahr mal einige bekannte Titel nach OA transformiert hat, sind es immer noch eine Minderheit. Und nachwievor bietet Wiley keine realistische Möglichkeit Hybride APCs mit den Subkriptionskosten zu verrechnen. Zwar hat man bei Wiley von der Popularität des Modells „Gold for Gold“ der Royal Society of Chemistry gehört, ist aber genau wie Elsevier nicht bereit auf expliziten Wunsch von Kunden etwas ähnliches zu offerieren.

Mehr Offenheit war da bei kleineren Verlagen wie z.B. Mary Ann Libert zu spüren. Hier ist beispielsweise gerade eine Anfrage hängig, ob man die jährlichen Subkriptionskosten der Universität Bern (~20’000 CHF) mit potentiellen Hybridkosten von Forschenden die bei Journal von Mary Ann Libert publizieren verrechnen kann. Auch BMJ machte einen sehr kompetenten Eindruck, was wohl darin liegt, dass der OA Sales Manager ursprünglich bei BMC gearbeitet hat. Etwas harscher war das Gespräch mit ProQuest. ProQuest macht nachwievor ein Geschäft mit der Übernahme und dem Verkauf von Dissertationen. Etwas das mit dem Aufbau von Repositorien eigentlich überflüssig geworden ist. Auch emotionaler ging es bei IET zu und her. Da sass ich drei Sales Leuten gegenüber, die mir sehr freundlich ihre Produkte präsentierten. Dabei war auch das Produkt iet.tv, eine Datenbank mit aufgezeichneten Konferenz-Vorträgen. Als ich darauf hinwies, dass es doch wesentlich sinnvoller sei, eine Plattform finanziell zu unterstützen, die Wissen frei zugänglich macht, wie beispielsweise TED oder rivervalley.tv, entbrannte eine kleine Glaubensdebatte. Dass man ein Produkt schon nur wegen des geschlossenen Geschäftsmodells unattraktiv finden kann, schien ganz und gar nicht in das Weltbild des einen IET Verkäufers zu passen. Während er mit Leidenschaft die Vorzüge von iet.tv anpries, versuchte ich ebenso leidenschaftlich die „Open“-Idee, bzw. Creative Commons zu „verteidigen“. Einig wurden wir uns an diesem Tag nicht.

Bei PLOS war zu efahren, dass das bisherige Membership Model, welches Forschende 10% Rabatt auf die APC gewährte, aufgehoben und nun in eine Pre-Paid Mitgliedsschaft überführt wurde, um den Anforderungen nach zentraler Abrechnung besser gerecht zu werden.

Publishing & mehr

Neben den Kontakten zu den Verlagen, bot die Ausstellung auch mal wieder Anlass zur Feststellung, dass die Verlagsbranche sich stark auf Outsourcing verlässt: Angefangen beim Submission Systems (Editorial Manager von Aries), über Subkriptionsverwaltung und Verkaufsunterstützung (AdvantageCS, DataSalon), sowie Rechtemangement über das Copyright Clerance Center, bis hin zum vollständigen Sales-Outsourcing (Burgundy).

Ein lustiges Zusammentreffen hatte ich mit einem Mitarbeiter des International ISSN-Center. Lustig insofern, dass wir uns nun zufällig physisch über den Weg gelaufen sind, nach dem wir in den letzten drei Jahren ab und zu bezüglich nicht registrierter ISSNs oder falscher Daten im ISSN-Register per Mail Kontakt hatten. Zudem hatte ich kürzlich bei der Schweizer NB, sowie beim International ISSN-Center in Paris dafür plädiert, die ISSN Daten endlich öffentlich zu machen. Zurzeit ist es leider so, dass die Schweizer NB 7000 € jährliche Mitgliedschaftsgebühren zahlt und eigene Personalressourcen in das Register steckt, die Daten aber nicht frei zugänglich sind. Wie mir versichert wurde, denke man aber stark über eine Öffnung nach, insbesondere mit dem Directory of Open Access scholarly Resources (ROAD) das International ISSN-Center auch auf den Geschmack von „Open“ gekommen ist.

Pleanary Sessions

Die Plenary Sessions waren leider häufig eher entäuschend. Zu den besseren gehörten:

  • Channelling information flows: a young researcher’s approach to knowledge management
    Die Bibliothek kommt da nicht vor!
  • China Going Forward – research, scholarly communications and libraries
    China gibt Gas um seine Journals, wie aber auch seine Wissenschaftler für die internationale Bühne fit zu machen.
  • Knowledge unlatched: one year
    Bibliotheken legen Geld zusammen um Open Access Bücher zu finanzieren.

Closing Sessions

Bill Thompson erklärte rhetorisch brilliant den Wert (und die Gefahr) der Offenheit für unsere Gesellschaft und weshalb es sich lohnt dafür einzustehen.

Und Sarah Durrant berührte mit ihrer Suche nach der „resilience“ ein Thema, das mir neben den ganzen fachlichen Diskussionen sehr gut gefiel.

Fazit

Die UKSG Annual Conference gehört definitiv zu den teureren Konferenzen, die sich allein wegen den Plenumsvorträgen kaum lohnt, aber aufgrund der Breakout-Sessions, der grossen Ausstellung und den vielen Teilnehmern zum Netzwerken sehr attraktiv ist. Das nächste Jahr wird sie in Glasgow stattfinden.

Die UKSG gibt übrigens auch ein Journal heraus, das nun auch eben ganz auf OA umgestellt hat: http://uksg.metapress.com

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