Susanne Schaub

Zum Semesterabschluss Ende dieses Monats feiern wir an der Theogischen Fakultät Basel ein Bibliotheksfest. Die Beendigung der Rekatalogisierung, das Erreichen eines Bestandes von über 50’000 Medien, die langjährige Mitarbeit von uns drei Bibliothekarinnen und nicht zuletzt das schöne Ambiente unserer Bibliothek in einem Basler Altstadthaus aus dem 13. Jh. sind Anlass genug, die Bibliothek und unsere Arbeit im Rahmen eines Festes zu würdigen.
Aus mehreren Gründen passt der Zeitpunkt auch für mich persönlich. Ich bin seit genau zehn Jahren die Leiterin und Fachreferentin dieser Bibliothek, und vor wenigen Tagen habe ich den Weiterbildungsstudiengang Master of Advanced Studies „Bibliotheks- und Informationswissenschaften“ in Zürich abgeschlossen.
Meine Masterarbeit[1] hatte die Informationskompetenzvermittlung in den religionsbezogenen Fächern zum Thema. Die Theologische Fakultät bietet im laufenden Semester zum ersten Mal eine IK-Lehrveranstaltung für StudienanfängerInnen an, mit deren Planung und Umsetzung ich beauftragt wurde. Um einen Überblick über das schweizweite Schulungsangebot an Theologiebibliotheken zu gewinnen, habe ich eine Befragung durchgeführt und statistisch ausgewertet. Hilfreich für die Umfrage war, dass ich auf das Adressverzeichnis und die persönlichen Kontakte der informellen Gruppierung „Vereinigung der BibliothekarInnen theologischer Institutionen der Schweiz“ (VEBTIS) zurückgreifen konnte, welcher auch unsere Bibliothek angehört. Es zeigte sich, dass in der Schweiz fünf fachspezifische Semesterlehrveranstaltungen für IK angeboten werden, wobei Westschweizer Universitätsbibliotheken eine Vorreiterrolle spielten. Die Lehrveranstaltung an der Basler Theologischen Fakultät indessen verfolgt ein einzigartiges Konzept: als Dozierende sind sowohl wissenschaftliche Bibliothekarinnen und Bibliothekare der Projektgruppe für Informationskompetenz der Universitätsbibliothek Basel (Vgl. Mitglied im Fokus-Porträt von Andreas Ledl im Rundbrief Nr. 53) und der Fachreferent für Theologie beteiligt, als auch die wissenschaftlichen Assistierenden unserer Fakultät und schliesslich ich selber. So reduziert sich der Vorbereitungsaufwand für die Einzelnen erheblich, und der Lehrkörper ist bei der Vermittlung des umstrittenen IK-Lernziels „Bewertung von Information“ (IK Standard 3) miteinbezogen. Das Unterrichten in dieser Übung ist für mich eine gewinnbringende, positive Erfahrung.
Während ich also heute mit einer gewissen Genugtuung auf Erreichtes zurückblicken darf und Freude an meiner Arbeit habe, brauchte es einige Umwege, bis ich mich in den Bibliothekarinnenberuf eingefunden hatte. Nach der Matur und einem Englandaufenthalt trat ich 1987 die Lehre zur Diplombibliothekarin an der Universitätsbibliothek Basel an, was mir dank des bescheidenen Lehrlingslohns ermöglichte, von zu Hause auszuziehen. In den zweieinhalb Lehrjahren haderte ich mit dieser Berufswahl, unter anderem weil ich mich in dieser Ausbildung zu wenig ernst genommen und unterfordert fühlte. An der Phonothek des Radiostudios Basel konnte ich meine Diplomarbeit über die Archivierung historischer Tondokumente schreiben, was mir besser gefiel. Nach dem Lehrabschluss versuchte ich mich in kulturellen Projekten und – als die Kasse knapp wurde – arbeitete wieder als Bibliothekarin am Schweizerischen Tropeninstitut. Neben dieser Teilzeitstelle nahm ich 1991 das Studium an der Universität Basel auf.
Meinen Interessen folgend studierte ich Germanistik, Vergleichende Religionswissenschaft und Philosophie, wählte also ein Phil. I Studium mit schlechten Berufsaussichten. Die Studienzeit, für die ich unter anderem wegen Auslandreisen und der Geburt unserer beiden Kinder etwas länger brauchte, schloss ich 1998 mit dem Lizentiat ab. Anschliessend hängte ich gleich noch ein Jahr am Pädagogischen Institut an und wurde Oberlehrerin. Ein halbes Jahr Berufspraxis als Deutschlehrerin am Gymnasium verdeutlichte mir aber, dass mir der Lehrerberuf nicht liegt, auch wenn ich die Unterrichtsplanung und den Kontakt zu den Schülern schätzte.
Wieder auf Stellensuche, erhielt ich die Möglichkeit, am Deutschen Seminar der Universität Basel als erste professionelle Bibliothekarin die Bibliothek zu reorganisieren. Schon bald darauf, am 1. Mai 2001, wechselte ich jedoch an die benachbarte Theologische Fakultät, wo sich mir als Abteilungsleiterin bezüglich Teamarbeit und Verantwortung mehr Möglichkeiten boten.
In den ersten Jahren an der Theologischen Fakultät hatte ich die Stelle einer Leiterin zentrale Dienste (Bibliothek, Informatik und Administration) inne. Die sehr unterschiedlichen Anforderungen im bisweilen hektischen universitären Umfeld waren eine Herausforderung, bei der ich enorm viel lernte. Vielseitige Fähigkeiten wurden mir abverlangt, von der Gebäudeverantwortung über die Budgetierung der IT Infrastruktur bis zur Personalführung. Am nächsten aber liegt mir die Bibliothek, für deren Betrieb und Aufbau ich verantwortlich bin. Neben verwaltungsadministrativen Aufgaben, Verfassen von Anträgen und Jahresberichten, der Standortvergabe und Beschlagwortung der Neuzugänge usf., heisst es in unserer kleinen Bibliothek bisweilen auch selber mit anzupacken, zum Beispiel bei Bestandesverschiebungen.
Gegen Ende 2008 wurde ich Fachreferentin / Bibliotheksleiterin und reduzierte mein Arbeitspensum zugunsten der berufsbegleitenden Weiterbildung zur wissenschaftlichen Bibliothekarin in Zürich, die ich im Herbst 2009, zwanzig Jahre nach meinem Abschluss als Diplombibliothekarin, begann. Ich hatte das Bedürfnis, meine praktische Bibliothekserfahrung theoretisch zu vertiefen und vor allem ein besseres Verständnis der aktuellen informationstechnologischen Entwicklungen in unserem Beruf zu gewinnen. Während der MAS diese Erwartungen weitgehend erfüllte, erlebte ich andererseits den Unterricht einiger weniger Dozierender als enttäuschend. So frisch nach Abschluss denke ich pragmatisch, dass ich die gewinnbringenden Erkenntnisse der vergangenen zwei Jahre in meinen Berufsalltag einzubringen versuche; die fachspezifische Lehrveranstaltung zur Informationskompetenz ist ein anschauliches Beispiel dafür.
Das mir entgegengebrachte Vertrauen an der Theologischen Fakultät sowie das gute Arbeitsklima im engagierten Bibliotheksteam sind die Voraussetzungen dafür, dass ich mich an meiner Stelle sehr wohl fühle und mit unserer Bibliothek noch viel vorhabe – aber zuerst wird gefeiert!
Weiterführende Links:
- Bibliothek der theologischen Fakultät der Universität Basel: https://theologie.unibas.ch/de/services/
- VEBTIS (Vereinigung der BibliothekarInnen theologischer Institutionen der Schweiz / Groupe des bibliothéquaires suisses en théologie): https://bibliosuisse.ch/Sektionen/Bibrel.ch
[1] Verfügbar in der Bibliothek der theologischen Fakultät der Universität Basel (Link zum Katalogeintrag IDS Basel Bern)
