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Organisation von Hochschulbibliotheken und digitaler Wandel – Strukturveränderungen gestalten (24. März 2017)

6. April 2017 ·

Im IG-WBS-Workshop mit Konstanze Söllner (Leitende Bibliotheksdirektorin, Erlangen-Nürnberg) und Dr. Wilfried Sühl-Strohmenger (Freiburg im Breisgau) ging es um die Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Organisation von Hochschulbibliotheken. Nach einem intensiven Input folgten spannende Gruppendiskussionen.

Deutschsprachige Hochschulbibliotheken sind in der Regel sehr dezentral ausgerichtet und verfügen über verschiedene Standorte und zahlreiche kleinere Bibliotheken. Mit der Zunahme des Stellenwerts und der steigenden Nutzung von digitalen Medien tendieren Hochschulbibliotheken dazu, Aufgaben sowie finanzielle Mittel rund um digitale Medien vermehrt an grossen Standorten zu konzentrieren, um ein grösseres Angebot an Medien und Services gewährleisten zu können.

In diesem Zusammenhang stellt sich entsprechend die Frage nach der Zukunft dezentraler Standorte. Welche Aufgaben werden wo wahrgenommen, welche Services wo angeboten? Hierbei lässt sich eine Diskrepanz feststellen zwischen der Fachnähe des wissenschaftlichen Personals (vor Ort ansprechbar sein, Kontakte zum Institut pflegen) und immer wichtiger werdenden fachunabhängigen digitalen Services.

Folgende Punkte standen nicht nur beim Input der Referierenden zu den Strukturveränderungen und den damit verbundenen Herausforderungen sondern auch in den anschliessenden Gruppendiskussionen mit Fokus auf die eigenen Institutionen im Vordergrund:

Die Referierenden hängen die Inputs aus den Zweierdiskussionen auf.
  • Bibliotheksorganisation
  • Lehr-Lernort
  • Nutzerorientierung
  • Forschungsorientierung
  • Fachinformation/Fachreferat
  • Digitale Services
  • Verhältnis von zentral zu dezentral erbrachten Diensten
  • Personalbedarf
  • Flächenbedarf
  • Rahmenbedingungen

Diskussionspunkte

Spannend war, in welcher Verbindung Organisationsstruktur von Hochschulbibliotheken und Digitalisierung zueinander stehen und wie sich diese manifestieren kann. Ebenfalls für viel Gesprächsstoff sorgte neben den räumlichen neuen Anforderungen auch der Gegensatz Zentralität vs. Dezentralität, d.h. das Angebot zentraler Services (Informationsversorgung) im Kontrast zu klientenbasierten dezentralen Services (Fachnähe, Forschungsnähe, direkte Kontakte).

Im Anschluss an die Diskussionen werden die Plakate aufgehängt und die Resultate im Plenum besprochen.

Besonders die Dringlichkeit von übergreifenden organisatorischen Strukturen und Zielen wurde in diesem Zusammenhang häufig hervorgehoben. Auch über die vorhandenen und benötigten personellen Ressourcen wurde debattiert. So wurde häufig als Hindernis für nötige Entwicklungen das fehlende nötige oder falsch ausgebildete Personal genannt. Zudem stellte sich die Frage: Ist weniger (aber dafür besser ausgebildetes) oder mehr Personal nötig? Sollte dieses vermehrt über Managementfähigkeiten oder Fachkompetenzen verfügen?

Auch in der Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Bibliothekspersonals sollte den laufenden Entwicklungen Rechnung getragen werden, damit gewährleistet ist, dass das richtig ausgebildete Personal verfügbar ist (und bleibt). So sollten in Zukunft die Ausbildungsmöglichkeiten in anderen Bereichen wie bspw. Information Engineering auch von wissenschaftlichen BibliothekarInnen aktiver genutzt werden und die Ausbildung von wissenschaftlichem Bibliothekspersonal könnte mit einer stärkeren Fokussierung auf eben solche Bereiche enorm verbessert werden. In diesem Zusammenhang wurde zudem bemängelt, dass die Weiterbildung im Bibliothekswesen tendenziell einen zu geringen Stellenwert hat und häufig eine betriebliche Gesamtstrategie in Bezug auf die Weiterbildung des Personals fehlt, mit welcher gewisse fachliche Defizite für die ganze Bibliothek aufgefüllt werden könnten.

Fazit/Blick in die Zukunft

Folgende Punkte wurden den Workshopteilnehmenden im Anschluss an die angeregten Gruppendiskussionen von den Referierenden auf den Weg gegeben:

  1. Strukturveränderungen sind nicht optional, sondern notwendig.
  2. Die Bibliothek kann man heute mehr ex negativo bestimmen (eine Bibliothek ist keine reine Papiersammlung mehr!).
  3. Es gibt keine Gewissheit, was eine Bibliothek in der digitalen Welt ist. Wir können aber die Bibliothek weiterhin einfach  Bibliothek nennen (vgl. dazu die verschiedenen gängigen englischen Bezeichnungen für Bibliotheken wie library, Information Commons o.ä.).
  4. Eine Bibliothek ist technisch offen und interoperabel  sie ist nutzerorientiert.
  5. Die Vermittlerfunktion verliert an Bedeutung, nicht der Content, den die Bibliothek anbietet. Dieser ist weiterhin zentral.
  6. Ungleichzeitigkeiten der verschiedenen Fachgebiete müssen berücksichtigt werden. Nicht alle Fächer entwickeln sich im gleichen Tempo in dieselbe Richtung. Diesen Unterschieden muss Rechnung getragen werden.

Die Diskussion ist also noch längst nicht abgeschlossen. Der Workshop und die hier generierten Inputs haben vielmehr ein Bedürfnis aufgezeigt, im Anschluss an die Veranstaltung den Kontakt weiterhin zu pflegen und verschiedene Themenkomplexe gemeinsam auszuarbeiten und sich über die doch an den meisten Hochschulbilbiotheken in der Schweiz relativ ähnlichen Situationen und Entwicklungen auszutauschen und gemeinsam Lösungen und Ideen zu erarbeiten.

Susanna Truniger, März 2017

Management und Leitung Bibliotheksorganisation, Digitaler Wandel, IGWBS-Veranstaltung

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