Open Access, Open Data, Open Science, Open Innovation oder kurz zusammengefasst „Openness“ ist in aller Munde. Doch meist ist von den Forschenden die Rede, wenn es darum geht, „open“ zu sein. Eine offene Arbeitsgruppe der HSLU-Bibliotheken beschäftigt sich damit, was das Thema „Openness“ für die Bibliotheken bedeutet.
Trotz der Coronavirus-Gefahr fanden am Dienstag, 10. März 2020 28 Personen den Weg in die Mediothek Soziale Arbeit der Hochschule Luzern. Nach den in diesen Zeiten üblichen Hinweisen zur Ansteckungsgefahr stiegen wir mit einer Einführung von Annika Henrizi, Fachreferentin für Soziale Arbeit und Soziologie der Hochschule Luzern, und Ursula Baumann, Leiterin der Mediothek Soziale Arbeit, ins Thema Openness in Bibliotheken ein (Folien der Präsentation).
Was bedeutet Openness?
Ganz allgemein bedeutet Openness zum einen die Fähigkeit, kreativ zu sein und sich für neue Ideen zu öffnen, und zum anderen die Transparenz des eigenen Handelns sowie im Bezug auf Institutionen die Öffnung für alle. In Bibliotheken lässt sich Openness in vielen Bereichen verfolgen. Die Luzerner Hochschulbibliotheken (folgend: HSLU-Bibliotheken) öffneten sich in den vergangenen Jahren für dieses Thema und versuchen, es in ihrem Arbeitsalltag umzusetzen.
Prozesse an den HSLU-Bibliotheken
Aus Diskussionen zu Open Access ergaben sich an den HSLU-Bibliotheken vor einiger Zeit allgemeine Fragen zu Openness, einer offenen Wissens- und Informationskultur. Nicht allein der Zugang zu Medien, sondern auch Tätigkeitsbereiche wie Medienerwerb, Schulungen, Personalentwicklung und vieles mehr kann von Openness beeinflusst sein. Dazu stellte sich die Arbeitsgruppe der HSLU-Bibliotheken die Frage, mit welchen Zielen und Tools Openness in den Bibliotheken verbreitet und gelebt werden könnte.
Die Arbeitsgruppe orientierte sich dabei an der Openness-Definition von Don Tapscott und einer von Felix Lohmeier erstellten Checkliste von Empfehlungen zur Umsetzung der Ziele. Einen Anreiz für alle Bibliotheken zur Arbeit an der Openness-Durchsetzung sollte die Initiative Open Library Badge bieten.
Open Library Badge
Erfüllt eine Bibliothek 5 der 15 Kriterien für eine Open Library, dann kann sie sich für einen Badge, eine Auszeichnung bewerben. Die Webseite der Open Library Badge bietet dazu Tipps und Unterlagen. Bisher hat sich noch keine Schweizer Bibliothek für den Badge beworben.
Die Arbeitsgruppe der HSLU-Bibliotheken glich ihre Openness-Arbeit mit den Kriterien des Open Library Badge ab, hielt fest, was schon erreicht war, in welchen Bereichen mehr betrieben werden könnte und holte sich Inspiration für weitere Vorhaben. So deckten die HSLU-Bibliotheken bereits das Open-Access-Potenzial ab und banden ihre Nutzer in die Entwicklung der Bibliothek ein. Über den Blog der HSLU-Bibliotheken versuchte die Arbeitsgruppe mehr Transparenz zu schaffen.
Doch wie es im Arbeitsalltag so ist, wurden zwar einige praktische Dinge umgesetzt, doch das Thema Openness geriet aufgrund anderer Aufgaben in den Hintergrund. Daher ist neben der Definition von Zielen und Strategien zur Umsetzung von Openness besonders die Planung einer längerfristigen Verankerung von Openness im Berufsalltag wichtig.
Gemeinsam auf Ideensuche
Sechs der Kriterien für den Open Library Badge wurden von Ursula Baumann und Annika Henrizi für die Gruppenarbeiten im IG-WBS-Workshop ausgesucht. Die Teilnehmenden schlossen in fünf Gruppen zusammen und arbeiteten für ihr Kriterium an den beiden Fragen:
- Wie lässt sich das ausgewählte Kriterium in einer Bibliothek umsetzen?
- Wie lässt es sich längerfristig am Leben erhalten?
Anschliessend wurden die Ergebnisse dem Plenum präsentiert. Die Diskussionen waren damit aber noch nicht abgeschlossen und wurden zum Teil beim Apéro weitergeführt.
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Openness in der Personalentwicklung
Openness muss dabei in erster Linie von der Leitung gelebt werden. Es braucht eine Vertrauens- und Feedbackkultur, die über die ein Mal pro Jahr stattfindenden Mitarbeitergespräche hinaus reicht, die das Führungspersonal miteinbezieht und im Team umgesetzt wird.
Einbindung interner und externer Bibliotheksnutzenden
Die gesamte Bibliothek muss eine offene Haltung entwickeln, besonders für neue Bedürfnisse der Nutzenden. Die Bibliothek kann Räume und Infrastruktur zur Verfügung stellen (à la Coworking Space) und die Bibliotheksräume einladend und gemütlich gestalten. Im Vorfeld muss jedoch geklärt werden, wer die Nutzer sind bzw. welche Nutzergruppe man erreichen möchte. Je nach Gruppe ändern sich die Bedürfnisse und damit der Auftrag und die Ansatzweisen zur Umsetzung dieser.
Fotos der Bibliothek nachnutzbar machen
Bei Fotos ist zwischen Abbildungen des Gebäudes, des Bestandes und selbst produzierten Fotografien zu unterscheiden, denn mit den einzelnen Objekten sind unterschiedliche Rechte verbunden, die abgeklärt werden müssen. Ausserdem müssen die Nutzungsrechte klar deklariert werden. Schwieriger wird die freie Nutzbarkeit im Bereich Social Media. Hat das Angeben des Copyrights auf solchen Plattformen überhaupt einen Nutzen? Und wie kann hier die falsche Verwendung von Bildmaterial wirksam verfolgt werden?
Open-Access-Ressourcen sichtbar machen
An den meisten Hochschulen wird schon länger eine Open-Access-Strategie verfolgt. Die Sichtbarmachung der OA-Ressourcen innerhalb des Katalogs kann diesen aufblähen, aber ohne die Einbindung kann Wichtiges fehlen. Openness sollte zudem bei der Auswahl der Ressourcen und der im Katalog verwendeten Filter (relevance ranking) umgesetzt werden. Um dieses Kriterium des Open Library Badge auch in Zukunft verfolgen zu können, sollte das Personal verschiedener Abteilungen (IT, Fachreferate, etc.) eingebunden werden.
Weiterbildungsangebote
Wenn Openness gelebt werden will, müssen entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten und gefördert werden. Es ist wichtig das Kader einer Institution auf Openness, gerade in den Bereichen Erwerb und Budget, aber auch zu Barrierefreiheit, zu sensibilisieren.
Die Idee einen Götti/ein Gotti für Openness innerhalb der Institution einzusetzen, der/die die Aufgabe hat das Thema immer wieder anzusprechen, die definierten Ziele in Erinnerung zu rufen und bei der Umsetzung zu helfen, fand bei allen Kursteilnehmern Zustimmung. Eine Person, die sich weiter mit dem Thema Openness auseinandersetzt, Weiterbildungskurse wie diese IG WBS Veranstaltung besucht und neue Ideen in den Betrieb einbringt.
Ursula Baumann und Annika Henrizi planen einen ähnlichen Workshop auch am Informationskompetenz-Tag am 25.-26. Juni 2020 in Luzern durchzuführen und sowohl neue Inputs für ihre Arbeit mit Openness in den HSLU-Bibliotheken zu sammeln, als auch neue Göttis und Gottis zu animieren.
März 2020
Maria Solovey, Vorstandsmitglied IG WBS







