Einrichtung: UB Basel
Funktion: Fachreferent Basler Bibliographie und Bildersammlungen
Bibliothekarische Ausbildung: Master für Bibliotheks- und Informationswissenschaften an Humboldt-Universität zu Berlin (Abschluss September 2018)

Wie kamen Sie ins Bibliothekswesen?
Nach dem Studium der Kunstgeschichte (Schwerpunkt Architektur und Mittelalter) und Geschichte an der Universität Basel und an der LMU in München, machte ich verschiedene Volontariate im Auktionswesen. Der Handel mit Kunst faszinierte mich und so wollte nach dem Studium bei einem Auktionshaus als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kunstschätzer beginnen.
Aufgrund einer interessanten Entdeckung im Zuge meiner Masterarbeit entschloss ich mich aber zu promovieren. Im Verlauf meiner Dissertation nahm ich verschiedene Lehraufträgen an der Uni Basel an, arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Archiven und gelangte schliesslich so in eine wissenschaftliche Bibliothek. Die Zusammenarbeit als wissenschaftlicher Bibliothekar mit der Forschung an der Uni sowie die Betreuung verschiedener Bestände finde ich eine ungemein spannende, kreative Tätigkeit.
Was sind Ihre heutigen Aufgaben?
Ich bin einerseits Fachreferent für die Basler Bibliographie. Die Basler Bibliographie erfasst alle selbstständigen und unselbstständigen Publikationen aus allen Sachgebieten mit inhaltlichem Bezug zu den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Land und bildet somit das kulturelle Gedächtnis unserer Region. Neben dem Verzeichnen und der Auswahl der Schriften, die in die Basler Bibliographie aufgenommen werden, gehören auch IK-Schulungen sowie verschiedene Projekte zu meiner Tätigkeit.
Ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt, heisst „Merian 3d“. Alle möglichen Quellen sowie bibliographischen Daten zur Stadt Basel sollen mit entsprechenden Orten auf einem digitalen 3D-Modell der Stadt Basel um 1618 verknüpft werden. Sammlungen können so virtuell zusammengeführt werden, neue Verknüpfungen entstehen. Die Vernetzung von Ort und Quelle liefert nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Sammlungsgeschichte, sondern dient zur Vernetzung des Wissens und der Information in Basel bis hin zur Gegenwart. Das Projekt soll zusammen mit den Kunsthistorikern und dem Digital Humanities Lab der Universität Basel laufen. Ich hoffe, dass wir Ende 2018 richtig damit loslegen können.
Andrerseits bin ich als Fachreferent zuständig für die Bilder-, Exlibris und Kartensammlungen der UB Basel. Dabei kuratiere, erschliesse und publiziere ich über die verschiedenen Sammlungen, die wir hier im Haus aufbewahren. Die UB Basel besitzt, was viele nicht wissen, die vielleicht bedeutendste Exlibris-Sammlung der Schweiz.
Auch unsere Kartensammlung besticht durch einen reichen Bestand mit einzigartigen Exponaten von hoher Qualität – darunter die Sonnenkarte von Sebastian Münster; das letzte erhaltenen Original.
Aktuell arbeite ich an der Aufbereitung der Ansichtensammlung LaRoche – eine Sammlung von Fotographien von Städten und Landschaften, aufgenommen zwischen 1853 und 1895. Es handelt sich also um Fotos aus der ersten Phase der kommerziellen Photographie. Darunter befinden sich zum Teil äusserst seltene Aufnahmen, etwa aus Paris, London, Rom, Jerusalem, Gizeh oder Konstantinopel. Die Aufnahmen sind von einer ungemein hohen Qualität und äusserst selten. Dazu würde ich gerne 2019 einen Bildband veröffentlichen – das ist aber im Moment nur so eine Idee.
Was ist Ihnen bei der Arbeit besonders wichtig?
Den Spagat zwischen klassischer bibliothekarischer Arbeit klug mit den neuen digitalen Möglichkeiten zu verknüpfen: Das Buch wird im „Digitalen Zeitalter“ keinesfalls obsolet, während auch nicht jeder Text automatisch als Buch erscheinen oder angeschafft werden muss. Hier die Balance zu finden ist die aktuelle Herausforderung und erscheint mir sehr wichtig und wird den Grundstein für die Bibliotheken der Zukunft legen.
Was ist das einzigartige an Ihrer derzeitigen Arbeitsstelle?
Die Aufbereitung des kulturellen Erbes einer ganzen Region und die Gestaltungsmöglichkeit, dieses Erbe neu zugänglich zu machen und über neue Tools einem breiten Publikum nahe zu bringen. Gerade das Projekt „Merian 3d“, oder die Kommunikation über diverse Social-Media-Kanäle können Bestände, Tätigkeiten wie Schulungen, Tipps und Tricks zur Recherche Studenten und Forschern bei ihrer Arbeit helfen.
Was darf an Ihrem Arbeitsplatz nie fehlen?
Da ich viel über das herzogliche Burgund und die Hofkultur im Spätmittelalter gelehrt und geforscht habe, steht auf meinem Schreibtisch immer das Porträt von Philipp dem Guten. Ein facettenreicher Herrscher, der nochmal alle politischen Register im Herbst des Mittelalters zu bespielten wusste. Ebenso sind seine opulenten, ausschweifenden Gelage, wie etwa das Fasanenfest, legendär. Und ganz abgesehen davon handelt es sich um ein grossartiges Bild aus der Schule von Rogier van der Weyden.
Was war der beste berufliche Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
Schwierige Frage, die ich so gar nicht definitiv beantworten kann. Ein wichtiger Ratschlag stammt von meinem ehemaligen Chef aus dem Wirtschaftsarchiv Novartis: Nicht jedes Angebot annehmen, sondern auf ein spezifisches Angebot hinarbeiten und dafür auch die notwendige Geduld aufbringen. Aber das mit der Geduld ist so eine Sache…
Was sind Ihre bevorzugten Informationsquellen, um auf dem Laufenden zu bleiben?
Twitter-Kanäle verschiedenster Bibliotheken bieten eine unglaublich gute Quelle, um über Tagungen, aktuelle und neue Angebote sowie über Trends auf dem Laufenden zu sein – unabhängig von Ort und Zeit.
Ebenso ist der Tratsch auf dem Flur immer gut, um über die Aktivitäten im eigenen Haus informiert zu sein. Ansonsten liefern auch verschiedene Bibliotheksblogs interessante Einblicke in ihre Sammlungen und Tätigkeiten.
Privat ist das Gespräch mit „meinem“ Buchhändler immer gut, damit man zuweilen auch wieder über den eigenen Tellerrand hinausschaut und auf Neues aufmerksam wird.
Gibt es ein Buch, einen Artikel, einen Blogbeitrag, den Sie den Mitgliedern der IG WBS empfehlen möchten?
„Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914“ von Philipp Blom – atemberaubend geschrieben und sehr klug in der Analyse.
Fachlich fand ich das kleine Essay „Die Idee der Bibliothek und ihre Zukunft“ von Michael Knoche sehr anregend, auch wenn es z.T. fast als Gedankenfragment daherkommt.
Sind in den Sozialen Netzwerken unterwegs?
Privat nutze ich keine soziale Netzwerke – beruflich bin ich für den Twitter-Kanal der UB Basel zuständig. Den kann ich daher allen empfehlen!
