Im Workshop «The Art of Using Space» des Berliner Theaterpädagogen Jörn Becker (theatre-for-change.com) wurde uns die Möglichkeit geboten, in Bibliotheksräumlichkeiten – konkret: in den Publikumsräumen der Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin-Kreuzberg – einmal nicht, wie sonst üblich, geschriebene und ungeschriebene Verhaltensregeln zu RESPEKTIEREN (bzw. als Bibliotheksmitarbeitende auch DURCHZUSETZEN), sondern diese vielmehr lustvoll und kreativ zu BRECHEN.

Nachdem wir, noch im «geschützten Rahmen» des Workshop-Raums, durch Inputs von Jörn und durch einige praktische Performance-Übungen in der Gruppe mit der Idee vertraut gemacht worden waren, begaben wir uns hinunter in die Bibliothek.
Dort sollten wir, so die Vorgabe, herausfinden, wie wir den Raum anders als vorgesehen bespielen, die verschiedenen Objekte, Möbel und sonstigen Dinge im Raum einmal anders nutzen könnten, als das vorgesehen ist.
Es war uns überlassen, ob wir alleine für uns «performten», oder in kleinen oder grösseren Gruppen interagierten und uns formierten. Einzige Bedingung: wir sollten alles schweigend tun und möglichst nicht mit den Bibliotheksnutzenden oder den Mitarbeitenden in Kontakt treten.

Unter den interessierten, belustigten und manchmal etwas befremdeten Blicken der Bibliothekskundschaft und der Mitarbeitenden verhielten wir uns also nach Lust und Laune einfach «daneben».
Was dabei herauskam, ist zum Teil auf den Bildern zu sehen: der Kehrichtkessel wurde zum KehrichtSessel, das Treppengeländer zur Gymnastikstange, man sah jemanden ein Bücherregal hochklettern, eine andere sass eine ganze Weile lang auf der Informationstheke und liess die Beine baumeln, Bücher wurden auf dem Kopf balanciert, ein Sperrseil zum Absperren eines Durchgangs wurde für Klimmzüge genutzt…
Spontan entstanden aus der Verschmelzung des Raums mit den darin «performenden» Menschen interessante und manchmal fast poetisch anmutende «Bilder».

Insgesamt war dieser Theater-Workshop für mich eine interessante und lustvolle Erfahrung, die uns Teilnehmenden vielleicht auch in unserem Bibliotheksalltag helfen wird, auf kreative Ideen zu kommen: Wie könnten wir, wie könnte unsere Kundschaft die Bibliotheksräumlichkeiten auf andere als die (ursprünglich) vorgesehene Weise nutzen? Und nicht zuletzt: Ein Theaterprojekt in der Bibliothek – das wär doch auch mal was!
Oktober 2018
Chantal Wyssmüller, Universitätsbibliothek Bern
Zurück zum Überblicksartikel zur Next Library Conference 2018
