Info WBS 4, August 2015
Jan Melissen, Leiter Medien- und Informationszentrum MIZ (jan.melissen@zhdk.ch) (Text); Betty Fleck, ZHdK (Fotos)
Ein Um- oder Neubau bedeutet für eine Bibliothek, nicht nur über die architektonische Hülle, sondern auch innovativ über Fragen der betrieblichen Organisation, des Dienstleistungsangebotes und der Bestandesbewirtschaftung nachzudenken. Sieben Jahre beschäftigte sich die Leitung des Medien- und Informationszentrums MIZ der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) intensiv mit diesen Themen. Ein Rückblick nach dem ersten Betriebsjahr.
Im Sommer 2014 bezog die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ihren neuen Campus im vom Architekturbüro EM2N umgebauten ehemaligen Toni-Milchverarbeitungsbetrieb in Zürich West. Mit 2‘500 Studierenden und einem vielfältigen Studien- und Forschungsprogramm in den Bereichen Design, Film, Bildende und Mediale Künste, Musik, Tanz, Theater, Vermittlung der Künste und Transdisziplinarität gehört die ZHdK zu den führenden Kunsthochschulen Europas.
Diese Fachbereiche prägen den Kern des rund 320‘000 Medien umfassenden Bestandes des MIZ, der darüber hinaus weit in Bereiche der angewandten Kunst, von Textil und Mode, der Trendforschung und Soziologie ausgreift.
Die knapp 4‘000 m2 Betriebsfläche verteilen sich auf drei Etagen, die einer Prämisse der Bauherrschaft folgend in einer betrieblichen Zusammenarbeit mit den Bereichsbibliotheken Angewandte Psychologie und Soziale Arbeit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW genutzt werden.

Selbständige Ausleihe dank RFID
Im Bereich des hochgeschossigen und lichtdurchfluteten ehemaligen Zentrallabors der Toni-Molkerei wurde eine Galerie eingebaut, die durch eine weit ausschwingende Wendeltreppe erschlossen ist. Nach der Idee eines Wissenspeichers sind die Medien so aufgestellt, dass sie von den 130 Arbeitsplätzen aus bequem und schnell erreicht werden können.
Im Untergeschoss befinden sich neben dem grossen Freihandmagazin mehrere der Öffentlichkeit nicht zugängliche Archivdepots. Dank RFID-Technologie können Ausleihe, Rückgabe und Abholung durch die Benutzenden autonom ausgeführt werden. Ein an den Bibliothekskatalog NEBIS gekoppeltes Rauminformationssystem hilft bei der Orientierung und gibt über das Dienstleistungsangebot Auskunft.
Bestand an der Lehre orientiert
Fachhochschulbibliotheken zeichnen sich durch eine enge reziproke Verbindung zu den Lehrbereichen der Hochschule aus, indem sie ihre Angebote in den Bereichen Informationsversorgung und -vermittlung direkt mit den Bedürfnissen der Lehre abstimmen. Die Sammlungsprofile spiegeln die eigenständigen Positionen der Fachhochschulen wider:
Oft verlangen die angewandten Wissenschaften Literatur- und Informationsangebote, die bei den übrigen Hochschulen nicht vorhanden sind oder über die konventionellen Nutzungen hinausgehen. Die Breite und Diversität des Studienangebotes der ZHdK zeigt sich in der Vielfalt der Medienformate, die nicht nur Bücher und Zeitschriften im Print- und E-Format, sondern auch 41‘000 DVDs und Tonträger sowie 45‘000 Musikalien umfassen.
Mit der Bereitstellung der stetig wachsenden Sammlung von über 13’000 Fernsehaufzeichnungen im Streamformat (nanoo.tv) reagiert das MIZ nicht nur auf die Bedürfnisse der Studienbereiche Film und Cast/Audiovisuelle Medien, sondern bietet relevante Filme zu allen Lehr- und Forschungsgebieten der Hochschule an.
Verschiedene Archive
Ein ebenfalls grosses interdisziplinäres Interesse erfährt die Sammlung 4 des Material-Archivs mit über 800 Werkstoffmustern, einer Vielzahl von Anwendungsbeispielen und Objekten, die über RFID-Technologie mit den Einträgen in der alle Sammlungen zusammenfassenden Datenbank verknüpft sind.

Bedeutsam für die Infrastruktur der Hochschule ist das Archiv ZHdK, das organisatorisch eine Abteilung des MIZ bildet. Es bewahrt und vermittelt die Geschichte der Hochschule sowie ihrer Vorgängerinstitutionen nicht nur in Verwaltungsakten sowie in bedeutenden Quellenbeständen zur Ausbildung in angewandter, darstellender und bildender Kunst in der Schweiz seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, sondern auch mittels der aktuellen künstlerischen und wissenschaftlichen Produktion.
Um deren vielfältigen, oft auch ephemeren Erscheinungsformen Rechnung zu tragen, haben das MIZ und das Informationstechnologiezentrum der ZHdK mit dem Medienarchiv der Künste eine Plattform für gemeinschaftliches Arbeiten, Teilen und Archivieren von Medien entwickelt.
Die durchschnittlich 10‘000 Besucher pro Monat belegen, dass mit dem neuen MIZ ein attraktiver Ort zum Lernen, Forschen und Entdecken entstanden ist. Dies ist ein Ansporn, weiter auf die Wünsche der breiten Nutzerschaft einzugehen und proaktiv unsere Angebote weiterzuentwickeln.
