Von Lothar Schmitt
Am 5. und 6. Juni fand unter dem Titel «GLAMhack 2020» an der Fachhochschule Graubünden der sechste Schweizer Kulturdaten-Hackathon statt. Bei einem solchen Hackathon kommen für kurze Zeit Teams zusammen, um datenbasierte Lösungen für interessante Fragestellungen zu finden. Und beim GLAMhack liegt der Fokus natürlich auf den GLAM-Institutionen der «Galleries, Libraries, Archives and Museums». Die Schweizer Bibliotheken sind schon seit Jahren wichtige Partner bei der Organisation dieser Veranstaltungen. Organisiert werden sie von der Arbeitsgruppe «OpenGLAM.ch», die Teil von «OpenData.ch» ist. Im Vordergrund standen in diesem Jahr die Themen Linked Open Data, Machine Learning, Human-Computer-Interaction und Crowdsourcing.

Wirklich denkwürdig waren die besonderen Umstände der diesjährigen Ausgabe, denn der GLAMhack 2020 wurde – in Zeichen von Covid 19 – online durchgeführt. Für die IT-affinen Teilnehmenden war der Wechsel in die digitale Sphäre wohl gar nicht so ungewohnt, aber die Gastgeber in Chur stellte der Event vor eine technische Herausforderung. Um die Veranstaltung attraktiv zu gestalten, wurde eine Art «Blended Reality-Szenario» aufgebaut, als dessen Schaltzentrale die Aula der ansonsten menschenleeren FHGR diente. Mit einem kleinen, engagierten Team wurde das Rahmenprogramm in Chur durchgeführt, während sich die Teilnehmenden in virtuellen Räumen bewegen konnten. Möglich war dies dank einer ganzen Batterie von Computern, die zwei Tage auf Hochtouren liefen, und deren Aktivitäten von einem Regiepult aus angesteuert und aufgezeichnet wurden: Die Stromrechnung der FHGR wird für Juni entsprechend hoch ausfallen, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen: Fast 19 Stunden Live-Streaming, die man sich – wenn man sehr viel Zeit hat – auf dem Youtube-Kanal der FHGR ansehen kann. Für einen raschen und spannenden Einblick empfiehlt sich jedoch das Video «GLAMhack 2020 – Aftermovie», welches von Studierenden des Instituts für Multimedia Production gedreht wurde.

Überhaupt war die Beteiligung der Churer Studierenden, die beim GLAMhack selbst an einer Reihe von Kulturdatenprojekten arbeiteten, ein echtes Highlight. Genauso gilt das für das internationale Publikum, das diesmal dank des Online-Formats von überall her teilnehmen konnte. Hinzu kam ausserdem ein umfangreiches Programm von Präsentationen, Workshops und Tutorials.
Ein solcher Hackathon ist nur so gut wie die Daten, mit denen dort gearbeitet werden kann. Zu den Datenlieferanten, die in diesem Jahr neu gewonnen wurden, gehören unter anderem die Fundaziun Capauliana und das PTT-Archiv. Als eindrückliches Beispiel, was in zwei Tagen Projektarbeit erreicht werden kann, sei auf die Visualisierung von 50.000 SIK-ISEA-Datensäten zu Ausstellungen Schweizer Künstler hingewiesen, die dank der Fähigkeiten eines jungen Programmierers aus Malaysia verwirklicht werden konnte. Nur eines von 15 vielfältigen Projekten!
Der GLAMhack 2020 ist gut dokumentiert. Informationen rund um die Veranstaltung sind hier zu finden.
Auch 2021 wird es wieder einen «Swiss Open Cultural Data Hackathon» geben. Gastgeberin ist dann die ETH Zürich.
