Einrichtung: Universitätsbibliothek Zürich
Funktion: Liaison Librarian Ethnologie & Soziologie
Bibliothekarische Ausbildung: MAS ALIS der Universitäten Bern und Lausanne, CAS DMIT der Universität und Zentralbibliothek Zürich
Wie kamst du ins Bibliothekswesen?

Über einen länger andauernden Veredlungsprozess, in der vielleicht dritten Runde, mich selber neu zu erfinden. Nach Identitäten als Pöstler, Student, Musiker, Rundfunkredakteur, Lehrer, Buchhändler, Hausmann, Samichlaus, Musikalienverkäufer und Verlagsredakteur – diverse vermeintliche Brüche lassen sich leicht in Kontinuitäten umdeuten – erlag ich dem Sog der Archive und Bibliotheken. Nach einem MAS an den Universitäten Bern und Lausanne und verschiedenen temporären Stellen kam ich 2013 in die Institutsbibliothek der Ethnologie an der Universität Zürich, die ich bis Ende 2021 geleitet habe.
Was sind deine heutigen Aufgaben?
Als Liaison Librarian bin ich das Bindeglied zwischen zwei vielgestaltigen Organismen: der Bibliothek und der wissenschaftlichen Disziplin (Ethnologie und Soziologie) mit Lehre und Forschung. Neben Fachreferatsarbeiten wie Buchauswahl und Beschlagwortung bin ich auch mit Schulung und Vermittlung von Informationskompetenz beschäftigt. Hier Schulungen und Dienstleistungen anzubieten, die den Bedürfnissen der jeweiligen Nutzendengruppen angepasst sind, ist ein wesentliches Ziel meiner Arbeit; sei es für die Phase des Studienbeginns, für spätere Semester oder für Forschung und Lehre.
An der Universitätsbibliothek bestehen und entstehen auf unterschiedlichen Ebenen zahlreiche verschiedene Dienste. Unsere Institution kann auf eine lange Tradition und Erfahrung zurückgreifen. Da sie sich am 1. Januar 2022 einen neuen institutionellen Rahmen gegeben hat, können wir unsere Dienstleistungen teilweise auch neugestalten. Eine Stärkung der Angebote im Umfeld von «Digital Scholarship» ist sicherlich auch angestrebt. Hier müssen wir dafür Sorge tragen, dass solche digital skills nicht nur an separate Studiengänge delegiert werden, die erneut ein Spezialistentum erzeugen. Dieses brauchen wir unbestritten – auch. Aber als Bibliothekar sehe ich meine Aufgabe darin, zu einer soliden Grundausbildung mit einem guten Standard auch im Umgang mit Digitalität für alle Studierenden beizutragen, sei es durch Vermittlung bestehender Angebote oder durch eigene Schulungen. Daneben sitze ich auch immer mal hinter der Theke und arbeite im Nutzendendienst.
Was ist dir bei der Arbeit besonders wichtig?
Liaison Librarian ist meine neue Jobbezeichnung seit Januar 2022. Die vielleicht etwas sperrig bis artifiziell anmutende Benennung weist aber genau darauf hin, was immer schon eine zentrale Aufgabe von Bibliotheken und deren Mitarbeitenden gewesen ist: in eine Beziehung treten. Das bedeutet eine Arbeit zu Anderen hin und erschöpft sich nicht in der Verwaltung des eigenen Tuns.
Was ist das Einzigartige an deiner derzeitigen Arbeitsstelle?
Mein gegenwärtiges Arbeitsumfeld ist geprägt vom eben erst vollzogenen institutionellen Neubeginn der Universitätsbibliothek Zürich. Neue Strukturen und neue Arbeitsabläufe sowie zusätzliche neue Arbeitsfelder ergeben vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Besonders stark ausgeprägt ist die bibliothekarische Scharnierfunktion, zwischen verschiedenen Gruppen und Personen zu vermitteln, Bedürfnisse zu identifizieren und mit den entsprechenden Services zu verbinden – oder allenfalls auch umgekehrt. Persönlich finde ich es ziemlich cool, in der gegenwärtigen Aufbauphase Dinge neu oder anders denken zu können und anschliessend zu versuchen, daraus umsetzbare Handlungen abzuleiten.
Was darf an deinem Arbeitsplatz nie fehlen?
Corona und der allgemeine Trend hin zu mobilem Arbeiten haben uns alle sehr flexibel gehalten. Ich wechsle regelmässig von einer Abteilung in die andere, wechsle Ort, Computer und die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Wirklich konstant scheint mir eigentlich nur – der Kaffee.
Was war der beste berufliche Ratschlag, den du je bekommen hast?
All die guten Ratschläge, auf die ich nicht gehört habe, kann ich daher nicht wörtlich wiedergeben. Ich fasse aber gerne zusammen. Wer sich übrigens bei den zwei ersten Versen an Christian Morgensterns «Galgenlieder» erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch:
Als Gott den lieben Mensch erschuf
gab ER ihm folgenden Beruf:
Pastorin, Sekretär, Barbier,
mit Polizist:in sind’s schon vier.
Plus Hausfrau, Hausmann, Personal
für alles And’re – welche Qual
der menschlichen Berufsauswahl!
«Ach ja, sind etwas viele Hüte»
sprach er. «Drum, in meiner Güte
gebe ich das Höchste eben
her für euch und euer Streben.
Den Job hatt’ ich von Anbeginn
zwar ganz allein für mich im Sinn.
Nun denn, obwohl ich’ s selbst gern bin:
werd’ Bibliothekar-Stern-in!»
Was sind deine bevorzugten Informationsquellen, um auf dem Laufenden zu bleiben?
Wahrscheinlich nutzen wir alle etwa ähnliche Informationsquellen und wussten daher auch schon vor der News-Sendung «Echo der Zeit», dass uns die neue OpenAI Anwendung ChatGPT verblüffend schnell und gut Texte zu beliebigen Fragen schreibt. Allerdings dürfen wir nicht nach ihren eigenen Ansichten fragen. Da erhalten wir die Antwort:
„Ich bin ein künstlicher Intelligenz-Assistant und habe keine eigenen Vorlieben oder bevorzugten Informationsquellen. Ich bin darauf programmiert, alle Fragen zu beantworten, die mir gestellt werden, und dafür verwende ich verschiedene Informationsquellen. Dazu gehören zum Beispiel wissenschaftliche Publikationen, Online-Ressourcen und Datenbanken. Ich bin darauf ausgelegt, möglichst umfassende und aktuelle Informationen zu liefern und dafür möglichst viele verschiedene Informationsquellen zu nutzen.„
Ins Allgemeine gewendet erhalten wir auf die Frage nach guten, einschlägigen Informationsquellen die folgende Antwort, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:
„Einige bekannte und gute Informationsquellen in der Bibliothekswissenschaft sind:
- „Library & Information Science Research“ ist eine renommierte Fachzeitschrift, die Artikel und Aufsätze zu verschiedenen Themen der Bibliothekswissenschaft veröffentlicht.
- „The Journal of Academic Librarianship“ ist ebenfalls eine wichtige Fachzeitschrift, die sich mit Fragen der Bibliotheksbenutzung und -dienste befasst.
- Die „International Federation of Library Associations and Institutions“ (IFLA) ist eine internationale Organisation, die sich für die Belange von Bibliotheken weltweit einsetzt und regelmäßig Veranstaltungen und Konferenzen zu verschiedenen Themen der Bibliothekswissenschaft veranstaltet.
- Die „American Library Association“ (ALA) ist eine US-amerikanische Organisation, die sich für die Belange von Bibliotheken in den USA einsetzt und regelmäßig Veranstaltungen und Konferenzen zu verschiedenen Themen der Bibliothekswissenschaft veranstaltet.
- „Library Journal“ ist ein bekanntes Fachmagazin, das sich mit aktuellen Entwicklungen und Trends in der Bibliothekswissenschaft befasst.
- „Information Today“ ist ein Fachmagazin, das sich mit aktuellen Entwicklungen und Trends im Bereich der Informationsverarbeitung und -beschaffung befasst.
Es gibt noch viele weitere gute Informationsquellen in der Bibliothekswissenschaft. Es empfiehlt sich, sich auch über lokale und regionale Fachzeitschriften und -organisationen zu informieren, um sich über aktuelle Entwicklungen und Trends in der Bibliothekswissenschaft zu informieren.“
Bist du in den Sozialen Netzwerken unterwegs?
Wenig. Als Kommunikation innerhalb von Fach-Communities finde ich es toll. Soziale Netzwerke aber als grosses Ganzes betrachtet – im Hinblick auf die enormen und realen Möglichkeiten der Manipulation, Desinformation und Verunglimpfung scheinen mir die Risiken und Kosten, die wir gerade als Informationsgesellschaft dafür zahlen, in einem krassen Missverhältnis zum Nutzen zu stehen.
Gibt es ein Buch, einen Artikel, einen Blogbeitrag, den du den Mitgliedern der IG WBS empfehlen möchtest?

Eingedenk des eben Gesagten verweise ich gerne auf eine Vorläufer-Variante von Blogs – ein Cartoon aus dem Abreisskalender Caricartoon von Elefantenpress, irgendwann aus dem Jahr 2020. Und wie so oft bei Blogs, ist der Inhalt geklaut (aber hier sind wir ja in einer geschlossenen Community):
