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Internationales und Bibliotheken

4. Februar 2020 ·

Was ist «Internationales» überhaupt und was bedeutet es für Bibliothekarinnen und Bibliothekaren? In diesem Artikel werden ein paar Überlegungen angestellt sowie Themen zur “Internationalen Bibliothekswissenschaft” angedeutet, mit dem Ziel, als Anregung für eine weitere Auseinandersetzung zu dienen.

Versuch einer Definition

So wie es meistens ist, benutzt man ein Wort intuitiv, vielleicht benutzt man es sogar oft, und man kennt dessen Bedeutung. Wenn man sich aber die Zeit für eine genaue Definition nimmt, merkt man sofort, welche Sicherheiten und Unsicherheiten, welche angenommene Werte und welche grauen Zonen in Zusammenhang mit einem einzigen benutzten Wort stehen. Dann merkt man, dass die persönliche Definition vielleicht Nuancen und Facetten enthält, deren man selber nicht bewusst war oder aber von der eigenen Erfahrung, Vorlieben oder Zielsetzung gefärbt sind.

Internationales – was über die nationalen Grenzen geht und sie verbindet. So lautet für mich die erste, aus der Semantik des Wortes ableitende Definition. Es heisst, sich nicht nur mit sich selbst zu beschäftigen, sondern auch mit dem, was ausserhalb ist, was vielleicht ähnlich oder anders ist, es heisst, den Horizont zu erweitern und eine andere Perspektive auf das Eigene einzunehmen. Sich Zeit für den Austausch zu nehmen, Gemeinsamkeiten und Lücken zu entdecken.

Wie können Bibliothekarinnen und Bibliothekare international tätig sein?

Nun, ganz pragmatisch: Was können wir tun? Viele Antworten liegen auf der Hand: Konferenzen besuchen, reisen, Bibliotheken im Ausland besuchen, Kontakte knüpfen. Das ist schon ganz viel. Ist aber das Reisen eine Voraussetzung, um international tätig zu sein?

Man kann sich auch zu Hause mit internationalen Themen beschäftigen, Literatur zum Bibliothekswesen in verschiedenen Ländern lesen, Gäste einladen und Gästen aus dem Ausland empfangen, offen für den Austausch mit Personen mit internationaler Erfahrung oder mit Migrationshintergrund sein – seien es eigene Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen oder Benutzerinnen und Benutzer unserer Bibliotheken. Man kann Anlässe oder Ausstellungen besuchen oder solche in der eigenen Bibliothek veranstalten. Es ist das Bewusstsein und das Engagement sowie die Bereitschaft zum Austausch, die uns – meiner Meinung nach – zu international tätigen Menschen macht.

Networking – über die nationalen Grenzen hinaus

Ein wichtiger Bestandteil der internationalen Arbeit ist das Networking – die Pflege der Vernetzungen, der Kontakte. Mir gefällt es zu denken, dass wir uns als globale Gesellschaft post-national reorganisieren und funktionieren können. Dies spielt zumindest da eine Rolle, wo die Grenzen nicht mehr national gezogen werden können und es Regeln für die globale Gesellschaft braucht. So wie oft beim Digitalen.

Nationale Grenzen sind schlussendlich Konstrukte, die vor allem dort problematisch werden können, wo künstliche Grenzen über die existierende Organisation der Völkergruppen hinweg gezogen und imponiert worden sind, wie es in postkolonialen Kontexten passiert ist. Auch innerhalb der nationalen Grenzen kann man ausserdem interkulturell tätig sein, die Schweiz ist ein wunderbares Beispiel dafür. Es passiert bei jedem Projekt, das die verschiedenen Sprachregionen berücksichtigt.

Beim Networking ist es auch so. Hier muss man nicht zwischen nationalen oder internationalen Kontakten unterscheiden. Networking ist die Verbindung selbst, die von gelegentlichen – aber wertvollen –Kontakten reicht (“ich weiss, dass du da bist und ich bin da, falls du Fragen hast”) zu einem tieferen Austausch, der ständig wächst, Vergleiche erlaubt, Werte und Verhaltensweisen hinterfragt und zu einem nicht mehr internationalem, sondern interkulturellem Austausch führt.

Übergang zum Interkulturellem

Ich glaube, dass der Übergang von einem “internationalen Kontakt” zu einem “interkulturellem Austausch” in der Tiefe und dem Bewusstsein der Auseinandersetzung liegt. Interkulturell wird es, wenn über die persönlichen Kontakte hinaus man sich des Kontextes bewusst ist, der Gepflogenheiten einer Kultur, der unterschiedlichen Bedeutungen einer gemeinsam benutzten Sprache.

Soll Englisch die Lingua franca sein, werden nicht-Englisch Sprechende ausgeschlossen. Was, wenn Chinesisch die Lingua franca wird, und welche Werte und welche Nuancen spielen in der gemeinsam benutzten Sprache eine Rolle? Wieso finden wir Präsentationen aus einem gewissen Kulturkreis eher gut und andere eher schlecht, sind wir auch hier von unserer Vorbildung beeinflusst? Ähnliche Fragen entstehen, wenn man einen Kongress der IFLA besucht. Es ist ein Zusammenkommen von verschiedenen Welten, die gemeinsame Interessen und Werten vertreten: die der Informationswissenschaft und des Bibliothekswesens.

Pro & Contra

Die Contra kennen wir schon allzu gut: Es braucht Zeit, Geld, Ressourcen, und manchmal vielleicht auch zusätzliche Nerven, man muss sich anpassen, umstellen, um international tätig zu sein.  Der Aufwand ist also klar zu messen, aber der Ertrag? Der lässt sich nicht so konkret messen, aber es ist genau das: dass man sich die Zeit nimmt und die Ressourcen einsetzt, um sich neu zu fokussieren, um sich mit den Themen auseinanderzusetzen, die durch die tägliche Arbeit entstehen, aber oft ignoriert werden.

Es geht darum, die Trends in der (Bibliotheks-)Welt zu kennen und zu erfassen, damit wir bessere Entscheidungen treffen können. Unsere Kontakte werden uns in den richtigen Momenten helfen, und es ist grossartig zu realisieren, Teil einer globalen Gemeinschaft zu sein, die in den unterschiedlichsten Kontexten ähnliche Ziele folgt.

Förderung internationaler Aktivitäten in der Schweiz:

  • Kommission Internationales von Bibliosuisse
  • I + D Mobility
  • SBD-Stipendium
  • IFLA-Newcomer-Programm 2020

Vergleichende internationale Bibliothekswissenschaft:

  • Meinhardt, Haike. “Vergleichende internationale Bibliothekswissenschaft: Eine Annäherung”. In: BuB, 63 (2011) 5
  • Bordonaro, Karen. International Librarianship at Home and Abroad. Chandos Information Professional Series. Cambridge MA United States: Chandos Publishing, 2017.
  • Lor, Peter Johan. International and Comparative Librarianship: Concepts and Methods for Global Studies. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2019.

Februar 2020
Debora Martarelli, Lic. Phil. I, MAS IS
I+D Spezialistin bei der PH FHNW Solothurn und Bibliothekarin bei Bibliomedia

Management und Leitung International, Vernetzung

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