RB 53, Januar 2011
Weiterbildungskurs an der Zentralbibliothek Zürich
Felix Hangartner, René Schurte, Andrea Sommaruga, Brigitta Storchenegger
Am letzen Oktoberwochenende fand an der Zentralbibliothek Zürich ein zweitägiger Kurs zum Thema Informationskompetenz an Hochschulen statt. Der Kurs wurde in Kooperation mit der Universität Zürich angeboten und von 26 TeilnehmerInnen aus der ganzen Deutschschweiz besucht. Am Freitag, 22.10., bestritt Oliver Kohl-Frey (UB Konstanz) mit Unterstützung von Oliver Thiele (ZB Zürich) einen theoretischen Block zum Thema Informationskompetenz. Am Samstag, 23.10., boten Ulrike Hanke und Wilfried Sühl-Strohmenger (Universität bzw. UB Freiburg/Br.) eine Veranstaltung mit praktischen Übungen zur Vermittlung von Informationskompetenz.
Theorieblock (22.10.)
Der theoretische Block umfasste vier Themenbereiche: Inhalte von Informationskompetenz, best practice, Gedanken zu Kosten, Nutzen und Marketing sowie einen Überblick über aktuelle Entwicklungen.
Der Block begann mit einer Diskussion darüber, ob die Vermittlung von Informationskompetenz in Zukunft angesichts der nachrückenden digital natives als Studierenden überhaupt noch gebraucht wird. Die Mehrheit der Teilnehmenden bezweifelte dies nicht, da Technikkompetenz und Informationskompetenz im umfassenden Sinn völlig verschiedene Dinge sind.
Im Anschluss daran beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den Schweizer Standards für Informationskompetenz, die im Rahmen von e-lib.ch entwickelt werden. Diese umfassen sechs Standards mit drei Niveaustufen. Die Diskussion der Standards ergab, dass diese teils abstrakt formuliert und zudem sehr umfassend sind und in ihren Ansprüchen in manchen Bereichen darüber hinausgehen, was von Bibliotheken an Vermittlung von Informationskompetenz geleistet werden kann und vielmehr in den Bereich der universitären Lehre gehört (z. B. Standard 6: verantwortlicher Umgang mit Informationen).
Zum Thema best practice berichteten die Referenten über Angebote, die an der ZB Zürich und an der UB Konstanz für SchülerInnen-Gruppen sowie für Studierende im Rahmen von universitären Veranstaltungen durchgeführt werden.
Zum dritten Themenbereich referierte Oliver Thiele über einen Marketing-orientierten Ansatz zur Vermittlung von Informationskompetenz. Er plädierte dafür, von der Betriebssicht der Anbieter wegzukommen hin zur Orientierung an den Kundenbedürfnissen und darauf einzugehen, welche Angebote die BenutzerInnen (die KundInnen) der Bibliotheken wünschen. Er erläuterte dieses Vorgehen an der ZB Zürich, die versucht, ein junges Publikum etwa durch einen Auftritt in Facebook oder durch Wikipedia-Workshops zu erreichen oder die zukünftig Studierenden bereits als Maturanden abzufangen. Eine Orientierung an den Kundenbedürfnissen setzt eine stetige didaktische und fachliche Weiterbildung im Bereich Informationskompetenz des Fachpersonals voraus und wird unterstützt u.a. durch Strategiediskussionen der Lehrenden und durch die in einem Materialpool zur Verfügung gestellten erarbeiteten Materialien für die Kurse.
Ein weiteres Thema waren die Kosten und Nutzen der Teaching Library (oder je nach Ansatz „learning library“) in der Vermittlung von Informationskompetenz. Kosten werden etwa verursacht in Form von Arbeitszeit der Bibliotheksmitarbeitenden, wobei sich gerade bei den FachreferentInnen die Frage der Gestaltung des Pflichtenheftes stellt. Aber es entsteht auch vielfältiger Nutzen, sowohl für die Benutzer wie für die Bibliothek.
Der Theorieblock schloss mit einer Kurzübersicht über aktuelle Entwicklungen im Bereich Informationskompetenz, die insbesondere durch technischen Wandel geprägt ist (Stichworte: neue, intuitiv verstehbare Suchoberflächen, Web 2.0, mobile learning).
Praxisblock (23.10.)
Den zweiten Kurstag gestalteten Ulrike Hanke und Wilfried Sühl-Strohmenger mit einem abwechslungsreichen Methodenmix. Der Tag begann mit einem Block mit Lernstationen, die dem Kennenlernen von Schulungsmethoden und Planungsstrategien diente. Weitere Methoden und Methodenelemente lernten die Teilnehmenden in theoretischer oder praktischer Form kennen, so dass für die praktische Übung ein breiter Fächer von Gestaltungselementen zur Verfügung stand. Als Abschluss des Tages gestalteten die TeilnehmerInnen in Gruppen Planungen für Schulungen in Informationskompetenz anhand von unterschiedlichen, aus der eigenen Praxiserfahrung gewählten Szenarien.
Fazit, weiterführende Überlegungen
Die Veranstaltung war sehr informationsreich und anregend. Es zeigte sich, dass Vermittlung von Informationskompetenz weit mehr bedeutet als Einführungen in die Bibliotheksbenutzung oder in die Literaturrecherche. Bibliotheken, die sich als teaching library verstehen, können Schulungen anbieten, die über die reinen Bibliotheksdienstleistungen hinausgehen und als ausführliche Schulungen/Kurse u.U. auch Literaturverwaltung, wissenschaftliches Zitieren und eigenes Publizieren umfassen. Dabei wäre eine Einbindung ins Curriculum nicht nur aus Statusgründen unbedingt anzustreben, da für die Studienplanung das Vorlesungsverzeichnis vorrangig ist.
