Info WBS 2, Oktober 2014
Marianne Ingold (Text und Fotos)
In den letzten Jahren habe ich einige Konferenzen besucht, aber die i2c2 vom 6. bis 7. März 2014 war bisher mit Abstand die originellste und inspirierendste. Das hängt nicht nur mit dem Titel, sondern auch mit dem Konferenzort zusammen: „The Studio“ in Manchester bot den richtigen Rahmen für zwei Tage aktiven Austausch zum Thema Innovation und Kreativität in und für Bibliotheken.
Innovation
Darüber sprach Paul-Jervis Heath, Designer und Innovationsberater u.a. für die Cambridge University Library. Er plädierte für Design- statt Marktforschung als Grundlage für Innovationsprozesse. Also keine Fokusgruppen, Interviews und Umfragen, denn damit werden nur bestehende Meinungen erfasst. Entscheidend ist aber das tatsächliche menschliche Verhalten, das nur mit beobachtenden Methoden erfasst werden kann. Die zentrale Frage für Heath lautet: „How can you help people move from where they are to where they want to be?“ Innovationen brauchen sowohl divergentes wie konvergentes Denken. In der divergenten Phase unterstützt partizipatorisches Design, z. B. idea jams oder kollaboratives Mindmapping, in der konvergenten die Herstellung von Prototypen und Synthese statt (zu viel) Analyse. Heaths Präsentationen sind auf Speakerdeck zu finden.
Die Manchester University Library stellte die Eureka! Library Innovation Challenge vor, einen Innovationswettbewerb für Studierende zur Verbesserung der Bibliothek. 2013 wurden 300, 2014 200 Beiträge von Studierenden aller Fachrichtungen eingereicht. Die Finalistinnen und Finalisten müssen ihre Ideen vor einer Jury und Publikum präsentieren und verteidigen. Der Anlass wird von einer prominenten Person moderiert. Das Preisgeld für die beste Idee beträgt £1000. Zusätzlich werden sechs „Quick Wins“ – Ideen, die rasch und einfach umgesetzt werden können – mit je £50 prämiert. Mir persönlich am besten gefallen haben die „Refresh Zone“ für kurze Entspannungspausen im anstrengenden Studienalltag oder der Fitnessbereich als gesunde Alternative zu Koffein, damit Studierende nicht nur wach, sondern aufmerksam bleiben.
Inspiration…
…pur bot das Keynote-Referat von Designer und Datenzauberer Brendan Dawes. Sein künstlerischer Anspruch ist es, aus Zahlen und Fakten etwas zu machen, das Interesse weckt – und das gelingt ihm eindeutig! Was treibt ihn an? Serendipity, Muster dort finden, wo er sie gar nicht gesucht hat, und Spass beim Erkunden von Information (vgl. auch hier). Sei es die grafische Darstellung der von James Bond pro Film ins Jenseits Beförderten, seien es dreidimensionale Objekte aus Twitterdaten oder der Algorithmus „To Be Today„, der Shakespeare-Zitate als Kommentare für aktuelle Ereignisse vergibt: Dawes‘ Arbeiten faszinieren ungemein. Er verwendet dafür ausschliesslich öffentlich verfügbare Daten, oft aus dem Guardian Data Store. Und was können Bibliotheken von Brendan Dawes lernen? Erstens: „When you design something, give it a good name; otherwise no one will talk about it.“ Zweitens: Es braucht nicht viel Geld oder ein grosses Team, um Erfolg zu haben, nur den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen: „If you have something that’s a little bit different, people will love it.“ Wie zum Beispiel das von Dawes entwickelte Präsentationstool „Flip„.
Creativity
Gelegenheit, die eigene Kreativität auszuleben, gab es an der i2c2 jede Menge. Angefangen beim selbst gebastelten Namensschild über „Tiny Games„, den Fotowettbewerb „Twitter Beheading“ (trotz fragwürdiger Bezeichnung) und eine Lego Challenge bis hin zur praktischen Umsetzung von Paul-Jervis Heaths Empfehlung, wenn immer möglich mit Prototypen zu experimentieren, im Bibliotheksdesign-Workshop.
Conference
Aussergewöhnliche Keynotes, kommunikative Formate und Räume sowie eine Menge kreativer Aktivitäten machten den besonderen Reiz dieser Konferenz aus, die hoffentlich irgendwann wiederholt wird. Einen wunderschönen Kontrast dazu und den stilvollen Rahmen für den geselligen Abend bot die ehrwürdige Portico Library, deren Mitglieder „voting rights in Library matters“ haben und die Möglichkeit „to have lunch and refreshments in the Library with guests“. Wenn das nicht innovativ ist!
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Weitere Informationen:
Blogbeitrag über die Konferenz
Keine Fortsetzung, aber eine mögliche Nachfolgerin: User Experience in Libraries Conference, 17.-19.3.15, Cambridge
