Info WBS 4, August 2015
Anne-Lise Hilty, Kommunikation und Fundraising GGG Stadtbibliothek Basel (ahilty@stadtbibliothekbasel.ch)
Öffentliche Bibliotheken stehen vor grossen Herausforderungen. Ein Umbau ist nicht nur die Gelegenheit, sich diesen zu stellen, sondern wird durch sie oft geradezu erzwungen. In diesem Beitrag soll dies am Beispiel der GGG Stadtbibliothek Basel veranschaulicht werden.
Im historischen Zentrum Basels befindet sich die Bibliothek Schmiedenhof, die Hauptbibliothek der GGG Stadtbibliothek Basel. Trotz bester Lage zwischen Marktplatz und Barfüsserplatz war sie vor dem Umbau kaum sichtbar, da sie nur in einer versteckten Passage über zwei Lifte zugänglich war. Zudem platzte die in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts letztmals umfassend renovierte Bibliothek aus allen Nähten.
Innerhalb dreier Jahrzehnte hatte sich die Zahl der Ausleihen praktisch verdreifacht, jene der Besuchenden und der Medien verdoppelt. Die Besucherinnen und Besucher kamen zwischen den Gestellen kaum mehr aneinander vorbei. Die wenigen ruhigen Arbeits- und Leseplätze waren entweder belegt oder unattraktiv.
Langjährige Planung und Suche

Seit Jahren hatte die GGG Stadtbibliothek nach einer Lösung für die grösste und wichtigste ihrer Bibliotheken gesucht – keine einfache Aufgabe im historischen Zentrum der Stadt an begehrter und entsprechend teurer Lage. Die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG), Gründerin und Trägerin der Bibliothek seit 1807, bot Hand und stellte der Bibliothek ihre gesamten Liegenschaften rund um den Schmiedenhof zur Verfügung. Damit ist die Bibliothek nun mit rund 2000 m2 doppelt so gross wie vor dem Umbau und sie verteilt sich auf fünf – bisher zwei – Stockwerke.
Die lange Suche und Planung hatte den Vorteil, dass sich die Leitung und die Trägerin der Bibliothek tiefgreifend mit den Herausforderungen, die sich heute an solche Institutionen stellen, auseinandersetzen konnten und mussten. Schon bald wurde klar, dass die Verdoppelung der Fläche nicht zu einer Verdoppelung der Anzahl Medien führen durfte.
Mehr Platz für die Menschen
Heute will die Kundschaft nicht mehr nur Medien abholen, stöbern und schmökern, sie hält sich auch immer mehr in der Bibliothek auf. Es braucht Platz, technische Infrastruktur, Übersicht, einfache Orientierung und professionellen Service. Die Kundschaft greift bei der Recherche sowohl auf Medien wie auch auf PC-Arbeitsplätze zurück. Filme und CDs werden an Ort und Stelle angeschaut beziehungsweise angehört.
Die Besucherinnen und Besucher wollen ungestört lesen und auch auf ihren eigenen Laptops oder Tablets arbeiten, wofür ein leistungsfähiges WLAN zur Verfügung stehen muss. Andere möchten sich bei einem Kaffee mit Freunden unterhalten. Schnell und unkompliziert sollen neuste Bestseller ausgeliehen und Fragen sofort und kompetent beantwortet werden können. Lange Wartezeiten nimmt niemand gern in Kauf. Die Stadtbibliothek hat deshalb ein Konzept entwickelt, das all diesen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird.
Während anderthalb Jahren wurden die Liegenschaften aus drei Jahrhunderten rund um den Schmiedenhof umgebaut und heutigen Bedürfnissen angepasst. Vorbilder hatte die Stadtbibliothek im Ausland, insbesondere in Holland und Skandinavien, aber auch im Buchhandel gefunden.
Übersicht und Orientierung

Um die Übersicht zu gewährleisten sind alle frei stehenden Gestelle mit wenigen Ausnahmen nicht höher als 140 cm, während sie an den Wänden höher sein dürfen. Die Zahl der Medien ist ungefähr gleich wie vor dem Umbau. Hellgraue Gestelle und weisse Wände auf dem dunklen Eichenparkett schaffen eine freundliche, ruhige Atmosphäre. Nur in der Kinderabteilung sind einige Wände farbig gestrichen. Auch im Dachgeschoss, wo die Fenster klein sind, wirkt der Raum angenehm hell. Die Beleuchtung ist auf die Medien gerichtet, wobei Lese- und Arbeitsplätze individuell beleuchtet werden können.
Die übersichtliche Gestaltung dient auch der Orientierung, die zusätzlich unterstützt wird durch eine ausgeklügelte Signaletik. Jedes Stockwerk hat einen eigenen Farbcode, die Informationstafeln sind gross, gut sichtbar und auf allen Stockwerken an identischen Orten angebracht.
Obwohl das Gebäude sehr verwinkelt ist, finden sich die Leute gut zurecht. Dabei hilft die transparente Gestaltung. Das Treppenauge ist über alle Stockwerke durchgehend offen. Zwischen den Treppenstufen bleiben die dahinter liegenden Räume sichtbar. Die Kinderabteilung lässt sich mit einer Glastüre schliessen und verschiedene Öffnungen gewähren Einblick in andere Abteilungen. So ergeben sich immer wieder neue und überraschende Sichten.
Angebot für Eilige und Gemütliche

Die fünf Stockwerke à je zwei Flügel ermöglichen Räume für jede Benutzer- und Bedürfnisgruppe. Kinder finden ausser Medien einen Kuschelpool und die Nachbildung des beliebtesten Basler „Drämmlis“, der „Dante Schuggi“. Sie wurde sofort zur grossen Attraktion – nicht nur für die Kinder.
Jugendliche können Hausaufgaben machen, gruppenweise an der Wii-Station spielen oder auf den Sofas fläzen. Auch wenn sie einmal laut werden, bleiben die andern Besucher unbehelligt, weil die Räume sehr schallabsorbierend eingerichtet sind. Zu gewissen Zeiten sind Jugendarbeitende anwesend mit einem offenen Ohr für Sorgen und Nöte der Jugendlichen sowie Unterstützung bei Projekten.
Erwachsenen steht im obersten Stock eine ruhige Leseoase mit Zeitschriften, Belletristik und einem Kaffeeautomaten zur Verfügung, während sich das Erdgeschoss am Pronto-Shop-Konzept orientiert. Die eilige Kundschaft findet hier Krimis und Bestseller, Kassen- und Rückgabeautomaten – Ausleihstationen gibt es auf allen Stockwerken – sowie ein Laufband, auf dem zu sehen ist, was soeben zurückgebracht wurde.

Die „Sushi-Bar“ ist nicht nur eine witzige Attraktion, sondern auch eine Arbeitserleichterung für das Personal: Viele Medien werden gleich wieder ausgeliehen und müssen deshalb nicht versorgt werden. Die Mitarbeitenden gewinnen dadurch Zeit für Beratung und Vermittlung, die Kernaufgaben heutiger Bibliotheken. Um Ratsuchenden gleich an Ort und Stelle weiterzuhelfen, ist mit iPad ausgerüstetes Personal in der Bibliothek Schmiedenhof unterwegs. Nicht zuletzt deswegen genügte eine Aufstockung um 1,5 Personalstellen (s. Kasten).
Begeistertes Publikum
Dank der grosszügigen Raumaufteilung können Veranstaltungen an verschiedenen Orten für verschiedene Zielgruppen gleichzeitig stattfinden, ohne dass sich diese in die Quere kommen. Insgesamt zeichnet sich die Bibliothek durch eine hohe Aufenthaltsqualität aus, zu der auch das Restaurant 1777 im Wiener Kaffeehausstil im Erdgeschoss beiträgt. Das Publikum, das an der Eröffnung am 8. Mai 2015 zu Tausenden in die Bibliothek strömte, war jedenfalls begeistert.
