RB 57, März 2012
Marianne Ingold
Gender Mainstreaming (GM) bezeichnet eine geschlechterbezogene Perspektive auf allen Ebenen und in allen Prozessen. Basis dafür ist die geschlechtsspezifische Datenerhebung und -analyse. Vgl.:
- Doblhofer, Doris; Küng, Zita (2008): Gender Mainstreaming. Gleichstellungsmanagement als Erfolgsfaktor – das Praxisbuch. Heidelberg: Springer.
- Merkblätter zum Gender Equality Management von Zita Küng: http://www.equality-consulting.ch/images/stories/strategiebuch/GEMArbeitsbltterGesamt.pdf
Verschiedene deutsche Bibliotheken aus dem allgemein-öffentlichen Bereich wenden bereits aktiv Gender-Mainstreaming-Instrumente an. Die Stadtbibliothek Bremen setzt GM z.B. bei der Konzeption von Räumen für Jugendliche ein, deren geschlechtsspezifische Unterschiede im Leseverhalten, beim Medieninteresse und in der Raumnutzung berücksichtigt wurden. Vgl.:
- Miedtke, Erwin (2010): Geschlechterspezifische Zielsetzungen – Ansätze und erste Erfahrungen der Stadtbibliothek Bremen. In: Ein neuer Blick auf Bibliotheken. 98. Deutscher Bibliothekartag in Erfurt 2009. Hg. von Ulrich Hohoff und Christiane Schmiedeknecht. Hildesheim: Olms, 225-238.
Auch an Berliner Bibliotheken, u.a. in Lichterfelde und Neukölln, werden Gender Mainstreaming-Instrumente eingesetzt. Vgl. dazu die (leider etwas sehr knappen) Berichte einer verwaltungsinternen Fachtagung:
- Müller, Evelin (2006): Bibliotheken auch für Männer? In: Verwaltung gendern – im Mainstream? Dokumentation des ersten Fachkongresses über Gender Mainstreaming/Gender Budgeting in der Berliner Verwaltung vom 19. Juni 2006. Hg. von Ute Weinmann. Berlin: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, 97-105. http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-gender/m_ller.pdf
- Schuldt, Michaela (2006): Stadtbibliothek Neukölln (Ein Projekt: Erfahrungen, Analysen). In: Verwaltung gendern – im Mainstream? Dokumentation des ersten Fachkongresses über Gender Mainstreaming/ Gender Budgeting in der Berliner Verwaltung vom 19. Juni 2006. Hg. von Ute Weinmann. Berlin: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, 197-198.
Gender Mainstreaming-Analysen und -Massnahmen von öffentlichen Bibliotheken betreffen neben der Personalstruktur v.a. Bibliotheksangebote wie Öffnungszeiten, Bestand und Veranstaltungen. Im Fokus stehen dabei oft Männer als unterrepräsentierte Gruppe. Öffnungszeiten am Abend und an Wochenenden bieten auch berufstätigen Männern die Möglichkeit, eine Bibliothek zu besuchen. In der Kantonsbibliothek Liestal z.B. sind an Sonntagen deutlich mehr Männer anzutreffen als während der Woche. Verschiedene Bibliotheken bieten Vorleseveranstaltungen für Väter an. Themenbereiche wie Sport, Informatik oder Wirtschaft sprechen ein männliches Publikum tendenziell mehr an als ein weibliches. Auch hier müssen allerdings Geschlechterstereotype vermieden werden. Nur mit einigen Hemingways und Jerry Cottons allein lässt sich wohl kein Mann in die Bibliothek locken (vgl. http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/oberland/Den-Oberlaender-Bibliotheken-fehlen-die-Maenner/story/15920644). Generell lautet das Motto sowohl beim Bibliothekspersonal wie bei den Benutzenden: „Mehr Männer in die Bibliotheken!“ (Barbara Lison).
In wissenschaftlichen Bibliotheken dagegen scheint Gender Mainstreaming noch praktisch unbekannt zu sein. Auch wenn die Rahmenbedingungen natürlich anders sind als in allgemein öffentlichen Bibliotheken, könnte es sich durchaus lohnen, ihrem Beispiel zu folgen.
