Info WBS 4, August 2015
Lisa Oberholzer, Leiterin Bibliothek (Text); FHS St. Gallen, Barbara Frehner (Fotos)
Im neuen Fachhochschulzentrum in St. Gallen sind vier bisher unabhängige Bibliotheken vereinigt worden. Der neue Standort stellt das Bibliothekspersonal vor einige Herausforderungen. Er ermöglicht es der neuen Bibliothek jedoch auch, sich als moderne Dienstleisterin zu präsentieren.
Im Februar 2013 bezog die FHS St.Gallen das neue Fachhochschulzentrum am Bahnhof Nord in St.Gallen, das die bis anhin auf acht Standorte in St.Gallen und Rorschach verteilte Fachhochschule vereint. Das markante Gebäude mit einem fünfgeschossigen Sockelbau und einem emporragenden Turm ist ein weithin sichtbares Zeichen der Bildungsstadt St.Gallen. Insgesamt ist das Gebäude 19 Stockwerke hoch und wird nur noch vom weiter östlich gelegenen Kantonsspital um zwei Stockwerke übertroffen. Zusammen mit den Türmen des Rathauses und der Hauptpost, die sich auf der anderen Seite des Bahnhofs befinden, bildet der Turm des Fachhochschulgebäudes laut den Architekten Giuliani & Hönger einen „städtebaulichen Dreiklang“.
Die vier bisherigen Fachbereichsbibliotheken bezogen im Sockel des Fachhochschulzentrums gemeinsam eine neue, grosszügige Bibliothek. Der offene Raum erstreckt sich über drei Galeriegeschosse. In Anlehnung an die weltberühmte Stiftsbibliothek im Kloster St.Gallen werden die Bücher in Türmen statt in Regalen untergebracht. Diese Büchertürme sind tragende Elemente im Gebäude. Überdacht wird die Bibliothek von einer Glasdecke, wobei das in die Bibliothek strömende Licht durch Oberlichter, die von Sitzbänken umgeben sind, in die unter der Bibliothek liegende Aula gelangt.
Probleme mit Akustik und Beleuchtung
Auf die Gestaltung des Bibliothekraums konnte das Bibliotheksteam kaum Einfluss nehmen. Zu unserem Bedauern sind die Bücherregale statisch und erlauben keine flexible Raumaufteilung. In zwei wichtigen Punkten konnten wir uns glücklicherweise trotzdem einbringen: Um störende Lärmquellen möglichst einzudämmen, wurde auf unseren Wunsch anstelle eines harten Bodenbelags ein Teppich verlegt. Nach unserem Einzug in die Bibliothek wurde dieser Teppich zusätzlich auch noch auf den hölzernen Stufen der Wendeltreppen angebracht, über die man zu den einzelnen Galeriegeschossen gelangt.
Obschon im ursprünglichen Plan ein vom Publikumsbereich abgetrenntes Bibliotheksbüro nicht vorgesehen war, sind wir sehr froh, dass wir dank der tatkräftigen Unterstützung unserer Hochschulleitung ein separates Büro mit sechs Arbeitsplätzen erhielten. Dieses befindet sich an idealer Lage direkt gegenüber dem Eingang der Bibliothek.
Der hohe offene Bibliotheksraum hat eine sehr gute Akustik, so wird die Bibliothek gerne für kulturelle Anlässe wie zum Beispiel Konzerte genutzt. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass auch ruhig geführte Gespräche am Bibliotheksschalter im ganzen Raum mitgehört werden können. Deshalb benutzen viele Studierende, die an den Arbeitsplätzen in der Bibliothek lernen, Kopfhörer, um sich vor Aussengeräuschen zu schützen. Nichtsdestotrotz sind die Lernplätze in der FHS-Bibliothek sehr beliebt und zu Prüfungszeiten findet sich bereits kurz nach der morgendlichen Öffnung der Bibliothek kein freier Platz mehr.
Weil das Tageslicht nur von oben in die Bibliothek fällt, sind wir ganztägig auf zusätzliche künstliche Beleuchtung angewiesen. Zudem müssen die Storen an den Oberlichtern ab einer bestimmten Intensität der Sonneneinstrahlung geschlossen werden, damit der Raum nicht überhitzt.
Zusammenschluss von unterschiedlichen Bibliotheken
Bei der Zusammenlegung präsentierten sich die vier Bibliotheken der Fachbereiche Gesundheit, Soziale Arbeit, Technik und Wirtschaft in höchst unterschiedlichem Zustand. Dieser reichte von einigen Bücherschachteln, die im Keller ihr Dasein fristeten, bis zu einer professionell geführten, automatisierten Bibliothek. Die Herausforderung beim Umzug ins Fachhochschulzentrum war, aus diesen sehr verschiedenen Bibliotheken eine neue Bibliothek „aus einem Guss“ zu machen.
Vor dem Umzug musste der gesamte Medienbestand gesichtet, teilweise neu katalogisiert und auf die neue Systematik, die Regesnburger Verbundklassifikation (RVK) umsigniert werden. Für die Ausleihe und Mediensicherung wurden sämtliche Medien zudem mit RFID ausgestattet. Diesen grossen Effort leistete das Bibliotheksteam mit der Hilfe von zusätzlichen Fachkräften innerhalb eines halben Jahres. Insgesamt wurden rund 25‘000 Einheiten bearbeitet.
Gut ausgerüstete Arbeitsplätze und moderne Dienstleistungen
Beim Einzug in die neue Bibliothek mussten die Medien sinnvoll auf die einzelnen Etagen und Büchertürme verteilt werden. Im ersten Stockwerk werden die Neuerwerbungen ausgestellt. Bequeme Sessel laden zum Lesen von Schweizer und internationalen Tages- und Wochenzeitungen sowie zahlreichen Fachzeitschriften ein. Je zwei Abfragestationen für den Bibliothekskatalog befinden sich im ersten und im dritten Geschoss. Entlang der Brüstung im zweiten und dritten Obergeschoss befinden sich Einzelarbeitsplätze, die mit individueller Beleuchtung und Steckdosen ausgestattet sind. Zusammen mit weiteren Arbeitsplätzen auf den Etagen sowie im Eingangsbereich der Bibliothek stehen insgesamt über 100 Plätze fürs Lesen und Studieren zur Verfügung. Kostenloses WLAN und die Möglichkeit, in der Bibliothek zu drucken, scannen und kopieren, gehören zu den angebotenen Dienstleistungen.
Für die Ausleihe der Medien steht neben dem mit Fachpersonal besetzten Schalter eine Selbstausleihstation bereit. Die Rückgabe der Medien erfolgt entweder persönlich am Schalter oder über eine Bücherklappe ausserhalb der Bibliothek. Am Schalter haben die Benutzerinnen und Benutzer die Möglichkeit, sich bezüglich Literaturrecherche und Informationssuche beraten zu lassen. Ausserdem bieten wir zweimal wöchentlich kurze öffentliche Einführungen in die Bibliotheksbenutzung an. Ergänzt wird dieses Angebot mit Einführungen in die Informationskompetenz für die Bachelor- und Master-Studierenden sowie die Studierenden der Weiterbildung.
Gadgeothek: technische Geräte ausprobieren
Die FHS-Bibliothek ist öffentlich und ihre Benutzung sowie die Ausleihe von Medien kostenlos. Inhaltlich richtet sich das Medienangebot an den Schwerpunkten der Fachbereiche der FHS St.Gallen aus: Betriebsökonomie, Gesundheit, Pflege, Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen. Dazu kommen ausgewählte Sammlungen von Spielfilmen auf DVD und von deutsch-, englisch- und italienischsprachiger Belletristik, die seit Anfang dieses Jahres mit Hörbüchern ergänzt wird. Ein spezielles Angebot ist die Gadgeothek. Hier können innovative und ungewohnte technische Geräte wie zum Beispiel ein Roboterball ausgeliehen und ausprobiert werden.

