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Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

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Bibliometrie – Tagungsanregungen

9. Mai 2013 ·

RB 61, Mai 2013
Brigitte Schubnell, Dirk Verdicchio und Silke Bellanger


Bibliometrie – welche Rolle sollen und können Bibliotheken in diesem Feld einnehmen? Die Frage hängt bereits seit geraumer Zeit in der Luft und verbindet sich mit verschiedenen Dienstleistungen, Themen und Entwicklungen im wissenschaftlichen Bibliothekswesen.

Mit der Lizenzierung der Datenbank Web of Science und der Journal Citation Reports von Thomson Reuters hat die Bibliometrie bereits einen festen Platz im bibliothekarischen Alltag. Die Funktionalitäten der Datenbanken werden im Rahmen von Veranstaltungen zur Informationskompetenz und Beratungen gezeigt, die bibliometrischen Funktionen und Analysen werden bislang jedoch selten mit bibliothekarischen Dienstleistungen in Verbindung gebracht. Auch haben die Diskussionen über alternative Verfahren der Messung und Analyse des Einflusses wissenschaftlicher Forschung und Kommunikation bisher kaum Eingang in das Angebot wissenschaftlicher Bibliotheken gefunden.

Bibliothekarische Neugier für Bibliometrie 

Wie problematisch ist die Nutzung des Impact Factors für die Evaluation wissenschaftlicher Aktivitäten? Funktioniert Google Scholar als alternative Datenquelle, besonders für die buchorientierten Geistes- und Sozialwissenschaften? Wie lässt sich Bibliometrie mit bibliothekarischen Themen und Angeboten wie Open Access oder Informationskompetenz verbinden? Welche (neuen) Dienstleistungen von Bibliotheken könnten mit Bibliometrie entstehen?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen zu Bibliometrie begaben sich einige IG WBS-Mitglieder im letzten Jahr zu mehreren Tagungen und Workshops zum Thema Bibliometrie.

Wen interessiert Bibliometrie?

Die Regensburger Tagung Bibliometrische Standards in den Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften: Aktueller Stand und zukünftige Trends versammelte 2012 zum ersten Mal bibliometrisch Interessierte zu einer deutschsprachigen Tagung. Die European Summer School of Scientometrics (ESSS) mit internationaler Teilnehmerliste fand dagegen bereits schon zum dritten Mal statt. Das Publikum der beiden Veranstaltungen war stark durchmischt und bestand aus (angehenden) BibliometrikerInnen, Biliothekarinnen, HochschulmanagerInnen und WissenschaftlerInnen aus allen Fachrichtungen. Diese bunte Mischung ist charakteristisch für das Thema Bibliometrie und verspricht für Bibliotheken Kooperationsmöglichkeiten mit den verschiedenen Akteuren der Hochschul- und Universitätslandschaft sowie Blicke über den bibliothekarischen Tellerrand hinaus.

Was ist Bibliometrie?

Wie an den Veranstaltungen deutlich wurde, ist die Qualitätsmessung von Forschenden und Zeitschriften nicht das zentrale Thema der Bibliometrieforschung. Vielmehr interessieren Auswertungen auf Meso- (Universitäten und Forschungsinstitutionen etc.) oder Makroebene (Länder, Forschungsgebiete etc.). Bibliometriezentren wie z.B. die Universität Leiden oder die Katholieke Universiteit Leuven beschäftigen sich mit Forschungsentwicklungen und –trends, Profil- und Schwerpunktbildungen von Instituten und Universitäten und untersuchen Fachkulturen. Zurzeit steht hier die die Untersuchung und Visualisierung von Forschungsnetzwerken im Fokus der Aufmerksamkeit.

Hingegen werden die häufig erhobenen Ansprüche, man könne mit Hilfe von bibliometrischen Indikatoren wie Impact Factor, h-Index oder der Zitierhäufigkeit die Qualität von Forschung messen von BibliometrieexpertInnen zurückgewiesen und kritisiert.

Kritik an Web of Science aber keine Alternativen?

Besonders von der Tagung der UB Regensburg konnten sich BibliothekarInnen kritische Einschätzungen für den Umgang mit dem Impact Factor und dessen Alternativen mitnehmen.

Ein durchgängiges Thema der Vorträge und Diskussionen war die Frage nach geeigneten Datenquellen für bibliometrische Analysen. Gegenwärtig bildet Web of Science die zentrale Datenbasis für die Bibliometrie und es gibt kaum BibliometrikerInnen, die nicht auf die geographischen, sprachlichen und fachlichen Begrenzungen und Verzerrungen hinweisen. Das „Non-WoS-Universe“, das aus den Forschungskontexten besteht, die nicht vorrangig in Zeitschriften publizieren, nicht englischsprachig sind, nicht aus dem euroamerikanischen Raum stammen oder zu den Geistes- und Sozialwissenschaften zählen, wird in bibliometrischen Analysen, die auf den Web of Science-Daten beruhen, nicht sichtbar. Unterschiedliche fachliche Publikations- und Rezeptionskonventionen oder fachspezifische Anerkennungsmodalitäten können von den etablierten bibliometrischen Verfahren kaum berücksichtigt werden.

Der Aufbau eines Book Citation Index durch Thomson Reuters, in dem Buchpublikationen, die seit 2005 in ausgewählten englischsprachigen Verlagen wie Springer, Palgrave und Routledge erschienen sind, ausgewertet werden, bietet bislang noch keine Verbesserung der Problemlage. Ein Problem für solide Analysen sind augenblicklich u.a. noch die Vermischungen von analytisch unterschiedlichen Ebenen wie Buch und Buchkapitel. Zudem lassen sich die institutionellen Anbindungen der AutorInnen nicht durchgehend erfassen und eine eindeutige Zuordnung von Publikationen zu AutorInnen ist momentan noch nicht zuverlässig möglich. Hier deutet sich allerdings insgesamt mit der Open Researcher and Contributer ID (ORCID) eine Lösung an. Bei ORCID handelt es sich um ein nicht-proprietäres System der Autorenidentifikation, das auf dem Weg ist, zum Standard für die Zuordnung von wissenschaftlichen Texten zu AutorInnen zu werden.

Auch Google Scholar erfüllt nur bedingt die Hoffnungen auf eine bessere Datengrundlage für ausgewogene Messungen von Forschungs- und Publikationsaktivitäten, wie in einem Projekt der RWTH Aachen deutlich wurde. Marcel Clemont und Harald Dyckhoff untersuchten die Abdeckung betriebswirtschaftlicher Artikel durch Google Scholar für das Jahr 2007. Ihre Referenz war dabei Jourqual, das Ranking betriebswirtschaftlicher Zeitschriften durch den Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft. Zum Vergleich erhoben sie die Abdeckung dieser Zeitschriften in Google Scholar, in Fachdatenbanken wie EconBiz und in den beiden grossen Datenbanken Web of Science und Scopus. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass weder Google Scholar noch eine der anderen Datenquellen alleine eine gute und vollständige Abdeckung der Forschungspublikationen ihres Faches garantierte.

Bibliometrie, Informationskompetenz und andere Dienstleistungen

Neben vielen kritischen Einschätzungen, boten die Veranstaltungen zu Bibliometrie zahlreiche Anregungen für den Aus- und Aufbau bibliothekarischer Dienstleistungen. Insgesamt befassen sich Bibliotheken bislang vielleicht zu wenig mit den weitergehenden Potentialen, die die von ihnen lizenzierten Datenbanken, die verschiedenen bibliometrischen Indizes und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten bibliothekarischer Dienstleistungen bieten. Aber die Kombinationsmöglichkeiten mit bestehenden Angeboten und die Anknüpfungspunkte für zukünftige Arbeits- und Aufgabenfelder, die sich aus der Beschäftigung mit der Bibliomerie ergeben, liegen auf der Hand: Vermittlungs- und Beratungstätigkeiten in Zusammenhang mit Lehr- und Forschungsprozessen, Aus- und Aufbau der Infrastrukturen für Open Access Publikationen, Forschungsdatenmanagement etc.

Die Universitätsbibliothek Wien hat bereits bibliometrische Supportdienste etabliert. Sie bietet neben einem Schulungs- und Beratungsangebot auch bibliometrische Analysen und Expertisen an (siehe dazu auch ihre Publikation in Library Management 2012: 33(3), 174-183). An der Tagung in Regensburg stellten sie z.B. eine Studie zum Impact von Open Access Zeitschriften vor, die sie im Auftrag ihrer Hochschulleitung für Diskussionen zur Förderung von Open Access Publikationen an der Uni Wien gemacht hatten.

Bibliometrie bietet die Chance, in Austausch mit WissenschaftlerInnen zu kommen und in Kooperation mit ihnen, inhaltliche und infrastrukturelle Angebote zu entwickeln. Ob und wie Bibliotheken im Bereich Bibliometrie mit dem Hochschulmanagement und der Forschungsevaluation kooperieren können und wollen, bleibt eine spannende offene Frage.

Mehr dazu: 

  • Die Tagungsbeiträge der Regensburger-Tagung sind in der neu gegründeten Open Access Zeitschrift Bibliometrie – Praxis und Forschung erschienen: http://www.bibliometrie-pf.de/index
  • Die European Summer Schools for Scientometrics sind als Einstieg in das Themenfeld sehr zu empfehlen. Die nächste findet vom 8.-13. September 2013 in Berlin statt: http://www.scientometrics-school.eu/index.html.

Ab Ende Mai kann man sich anmelden – und die Plätze sind immer schnell belegt!

  • Ein ausführliches Portal mit Glossar, Informationen und Publikationen bietet der Bibliometrische Service der Uni Wien: http://bibliometrie.univie.ac.at/

Wissenschaft und Forschung Bibliometrie, Forschung, Publizieren, Qualität

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