Die UNO hat in der Agenda 2030 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung definiert. Dabei sollen auch Bibliotheken eine Rolle spielen. Eine Arbeitsgruppe des BIS will die Arbeit der Schweizer Bibliotheken zur Erreichung dieser Ziele sichtbar machen und zu weiteren Anstrengungen anregen.
«Bibliotheken verändern die Welt»: Unter diesem Motto arbeitet die Arbeitsgruppe Biblio2030 – gegründet 2017 durch den BIS. Sie ist aus dem International Advocacy Programme der IFLA (International Federation of Library Associations) entstanden, welche sich für die Interessen von Bibliotheken sowie für die Ziele der Agenda 2030 einsetzt.
Die Agenda 2030
Die Agenda 2030 der UNO sieht 17 Ziele vor, die bis 2030 erreicht werden sollen. Diese Ziele, auch Sustainable Development Goals genannt (SDGs, Ziele zur nachhaltigen Entwicklung), wurden 2015 durch die UNO-Mitgliedsstaaten verabschiedet. Sie sind die Nachfolgeziele der Millennium Development Goals (MDGs). Neu betreffen sie nicht mehr nur die sogenannten Entwicklungsländer, jeder Staat soll zur Erreichung der Ziele eigene länderspezifische Prioritäten setzten.
Die Strategie zur nachhaltigen Entwicklung der Schweiz
Die Strategie Nachhaltigen Entwicklung wird vom Bund bereits seit 1997 und unabhängig von der Agenda der UNO verfolgt. Seit 2016 wird sie mit den Zielen der Agenda 2030 abgeglichen.
Die Rolle der Bibliotheken
Die IFLA konnte sicherstellen, dass Zielvorgabe 16.10 in die Agenda 2039 aufgenommen wurde: «Den öffentlichen Zugang zu Information gewährleisten und die Grundfreiheiten schützen, im Einklang mit den nationalen Rechtsvorschriften und völkerrechtlichen Übereinkünften». Ausserdem erhielt sie die Unterstützung der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung durch die Global Libraries Initiative. Dies ermöglicht es, internationale Workshops durchzuführen, aus denen verschiedene weitere Projekte auf lokaler Ebene entstanden und entstehen − so auch die Arbeitsgruppe Biblio2030 in der Schweiz.
Die IFLA hat unter anderem eine Beispielsammlung mit Aktivitäten aus verschiedenen Ländern zusammengestellt. Im Handout «Bibliotheken können die Verwirklichung der Ziele für eine Nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 auf allen Gebieten unterstützen» wird übersichtlich dargestellt, wie Bibliotheken bei jedem einzelnen Ziel einen Beitrag leisten.
Die Arbeitsgruppe Biblio 2030
Auch in der Schweiz gilt es, die wertvolle Arbeit von Bibliotheken und deren Beitrag zur Erreichung der Ziele besser bekannt zu machen. Zum einen sollen die Bibliotheken die Bevölkerung über die Agenda 2030 informieren. Ein Projekt der Arbeitsgruppe Biblio2030 sieht vor, den Bibliotheken Sitzwürfel zu einem vorteilhaften Preis anzubieten. Die Sitzwürfel sollen aus Holz sein, nachhaltig produziert, mit ansprechendem Design und mit den einzelnen Zielen auf den Seiten abgebildet.
Anderseits möchten Bibliotheken ihre eigene Sichtbarkeit erhöhen und zeigen, welche Arbeit sie bereits leisten. Deshalb ist ein Portal geplant, auf dem Beispiele, Checklisten, Ideen und «Best Practices» gesammelt und präsentiert werden.
Die DEZA stellt ebenfalls Material zur Verfügung, wie das vor kurzem herausgegebene Spiel «sustainable development geek». Es eignet sich beispielsweise für Anlässe in der Bibliothek. Bibliomedia plant Medienkollektionen zu den einzelnen Zielen zusammenzustellen.
Die Arbeitsgruppe Biblio2030 möchte dazu anregen, weitere Ideen zu entwickeln. Idealerweise wird jede Bibliothek, je nach Funktion und Rolle, die für sie prioritäre Ziele gemäss Agenda 2030 ermitteln. Dadurch hat sie ein Instrument in der Hand, mit dem sie ihre Arbeit in den gesellschaftspolitischen Diskurs einbringen und für Stakeholdern attraktiv(er) darstellen kann.
Eine Kollegin aus Deutschland zeigt mit einem Projekt beispielhaft, wie man durch die Ziele die eigene Arbeit aufwerten kann. Das Projekt hat den Preis «Taten für Morgen» gewonnen.
Falls Sie mitmachen möchten, wenden Sie sich bitte an Halo Locher. Offizieller Start von Biblio2030 wird der Bibliothekskongress vom 29. bis 31. August 2018 in Montreux sein.
März 2018
Debora Martarelli
Bibliothekarin an der PH FHNW Solothurn, Mitglied der IG WBS und von Biblio2030
Kontakt: debora.martarelli@fhnw.ch
Werner, Klaus Ulrich. Öffentlichen Zugang ermöglichen: Auch die Welt der Bibliotheken hat 17 Ziele. Politik und Kultur 1/2018, Seite 24

