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Bericht zur DACHS-Tagung 2026 in Graz

28. April 2026 ·

Am 26. und 27. Februar 2026 wurde in Graz wieder einmal die alle zwei Jahre stattfindende DACHS-Tagung organisiert. Das Thema der Tagung war, wie auch beim letzten Mal schon, «Moving Libraries: Transformationen und Potentiale». In diesem Jahr lag der Fokus bei den veränderten Bedarfen im Serviceportfolio sowie den daraus resultierenden Konsequenzen im Bereich Personal- und Berufsbildentwicklung. Nach dem Erfolg in München (2022) und St. Gallen (2024) fand dieses Format nun bereits zum dritten Mal statt.

Unsere Mitglieder, Susanna, Ladina und Karsten, schildern ihre Perspektiven auf die Tagung und berichten von Vorträgen darüber, wie man Mitarbeitende gewinnt und hält, vom Slogan «Bildet Bibliotheksbanden!» oder der Erkenntnis, dass Bibliotheken auch eine Art «Antifa» sind. Viel Spass bei der Lektüre!

Ladina Tschander, Universitätsbibliothek Zürich

Die DACHS-Tagung ist klein und fein. Man muss sich nicht zwischen 12 Sessions entscheiden. Die rund hundert Teilnehmenden sitzen anderthalb Tage zusammen und kommen ins Diskutieren. Verbündete finden sich, Ideen werden (weiter-)entwickelt oder das persönliche Netz erweitert sich.  Aufgrund des kompakten Formats und der relativ überschaubaren Teilnehmendenzahl ist die DACHS-Tagung absolut meine Lieblingstagung. Ein «Taking Home» ist jeweils dabei – so auch in Graz. Ein Wermutstropfen gibt es aber: Das Format ist so kompakt, dass ein Städtebesuch nur möglich ist, wenn man den Aufenthalt verlängert.

Mein Highlight dieses Jahr war der Vortrag von Ute Wödl, die sich mit dem Suchen, Finden und Halten von Mitarbeiter:innen auseinandergesetzt hat. Pointiert zeigte sie auf, wie das Selbstbild der Bibliotheken von der Fremdwahrnehmung auseinanderklafft. Auch müssen wir uns die Frage beantworten können, warum jemand in der Bibliothek arbeiten soll. Und hier redet sie dem Publikum ins Gewissen: Das ist keine Frage des Marketings sondern eine der Organisationsentwicklung.  Denn die Attraktivität als Arbeitgebermarke ist kein Zufall.

Schon während des Vortrags dachte ich mir, dass es interessant wäre, mit Ute Wödl in Zürich einen Workshop durchzuführen. Das Gespräch beim Pausenkaffee war ergiebig und zwei Tage nach der Tagung erhielt ich den Zugang zu einigen interessanten Unterlagen. So können wir den Faden weiterspinnen!

Susanna Truniger, Zentralbibliothek Zürich

Neben dem äusserst angenehmen Format und dem IG WBS-mässig guten Apéro (auch wenn – wie Ladina sagt – bedauerlicherweise zu wenig Zeit blieb, um die Stadt zu erkunden) sind mir die folgenden Aussagen besonders hängen geblieben:

«Bildet (Bibliotheks-)Banden» forderte der Keynote-Speaker Leonhard Dobusch die Anwesenden auf und ermunterte alle, den Aufbau und die Pflege von offenen Wissensinfrastrukturen als Bibliotheksaufgabe zu sehen und anzugehen und auf Dezentralität zu setzen, um damit die Unabhängigkeit der Bibliotheken zu erhalten.

Sybille Hermann von der VDB-Kommission für forschungsnahe Dienste berichtete von den Herausforderungen für Fachreferent:innen (FR) im Bereich forschungsnaher Dienste. Sie hob unter anderem das Spannungsfeld zwischen Innovationsprojekten und Dauerstruktur hervor, d.h. dass es häufig schwierig ist, die in Projekten aufgegleisten Dienstleistungen zu verstetigen. Auch sprach sie die Schwierigkeit an, neben laufenden Aufgaben permanent die nötige Kompetenzentwicklung voranzutreiben. Pfannenfertige Lösungen wurden nicht präsentiert, aber als Lösungsansätze nannte sie beispielsweise die Wichtigkeit, als FR gewisse Kenntnisse vom Forschungssystem zu haben, Kooperationen mit Universität und Wissenschaft aktiv zu gestalten und sich kritisch mit der eigenen Rolle auseinanderzusetzen.

Sehr zutreffend war ausserdem die Erkenntnis von Susanne List-Tretthahn vom BVÖ (Büchereiverband Österreichs), die sich wohl mit den Erfahrungen aller IG WBS-Mitglieder deckt, die schon einmal an einer Veranstaltung der IG WBS teilgenommen haben: Nicht nur die Weiterbildungsangebote vor Ort sind wichtig, sondern insbesondere auch der damit verbundene Austausch mit den Kolleg:innen. Denn damit werden nicht nur fachliche Kompetenzen gestärkt, sondern auch die Freude an den bibliothekarischen Aufgaben.

Karsten Engel, Universitätsbibliothek Basel

Im Vorfeld hatte ich einige Zweifel: Knapp 11 Stunden Zugfahrt – war das wirklich eine gute Idee? Würde sich die Reise von Basel nach Graz lohnen? Würde ich bekannte Gesichter aus der Schweiz treffen oder mich fernab unter lauter Unbekannten wiederfinden? Die positiven Erinnerungen an die DACHS-Tagung 2024 in St. Gallen gaben schliesslich den Ausschlag: Ich wagte es, schob alle Zweifel beiseite – und habe es natürlich nicht bereut.

Neben anregenden Gesprächen, spannenden Panelbeiträgen von Kolleg*innen und dem wunderbaren «steirischen Apéro» bleibt mir vor allem die Keynote des Innsbrucker Professors Leonhard Dobusch in Erinnerung. Mit Witz und Tiefgang zeichnete er ein ebenso unterhaltsames wie nachdenklich stimmendes Bild der wissenschaftspolitischen Rolle von Bibliotheken. Hättet ihr gewusst, dass Bibliotheken die beste «Antifa» sind – oder dass sie (vielleicht sogar unbewusst) oft genauer wissen, was Wissenschaftler*innen aus wissenschaftspolitischer Perspektive brauchen, als diese selbst?

Am Ende bleiben für mich nur zwei Fragen offen: Habe ich mir in der Schweiz ein allzu strenges Verständnis von Pünktlichkeit angewöhnt – oder «ticken» Tagungen anderswo einfach etwas gelassener? Und vor allem: Wo wird die nächste DACHS-Tagung stattfinden?

Diverses Berufsbild, DACHS-Tagung, Personal, Services

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