Info WBS Info WBS 3, März 2015
Julia Bergmann (Die Website von Julia Bergmann: the-librarian.de)
Julia Bergmann ist freiberufliche Trainerin für Informationskompetenz und Gründungsmitglied des Vereins Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. Sie ist national und international als Trainerin, Vortragende und Beraterin im Bereich Bibliotheken und Bildungseinrichtungen tätig.

Ihre Themenschwerpunkte sind Informationskompetenz und Informationsvermittlung, Recherchekompetenz, Arbeitsorganisation und -techniken, kollaboratives Arbeiten und Lernen sowie Mobiles Internet.
Zusammen mit Patrick Danowski gab sie 2010 das „Handbuch Bibliothek 2.0“ heraus. Im November 2012 erschien ihr zweites Buch “Arbeitsorganisation 2.0 – Tools für den Arbeitsalltag in Kultur- und Bildungseinrichtungen”, das sie gemeinsam mit Dr. Jürgen Plieninger schrieb.
Gemeinsam mit Christoph Deeg entwickelte sie das Bergmann-Deeg-Modell, welches Bibliotheken ein nachhaltiges, einjähriges Coaching- und Schulungsprogramm anbietet, um den Übergang in die digitale Gesellschaft gut zu meistern. Dieses Programm wurde bereits in über 30 Bibliotheken erfolgreich umgesetzt.
Seit Juni 2008 engagiert sie sich als Gründungsmitglied in der Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung zu Zukunftsthemen und Trends im Umfeld von Bibliotheken, Museen und Archiven. Seit 2014 ist sie Mitglied des EU Think Tanks Library Avengers.
Interview von Claudius Lüthi mit Julia Bergmann
Frau Bergmann, wie sind Sie ins Bibliothekswesen gekommen? Wie sieht Ihre bibliothekarische Laufbahn aus?
Da bereits mein Vater Bibliothekar war, lag die Berufswahl nahe – auch wenn sich das Berufsbild meines Vaters stark von meinem Berufsbild heute unterscheidet. Ich absolvierte mein Studium an der HAW Hamburg und begann meine beruflich Laufbahn zunächst in der Bibliothek der Bertelsmann-Stiftung. Ein Berufseinstieg, der mich mit den Themen Wissensmanagement und professioneller Recherche vertraut machte. Sicher ist ein Berufsstart in der Bertelsmann-Stiftung ein sehr privilegierter Start, da ich viele Möglichkeiten zur Weiterbildung erhielt und mich an neuen Aufgaben auszuprobieren und wachsen konnte. Danach fürhte mich mein Weg nach Bremen an die Jacobs University. Die junge Hochschule und damit die junge Bibliothek befanden sich in der Aufbauphase und gaben erneut Raum für Projektarbeit und eigene Ideen.
Wann haben Sie den Entscheid getroffen, sich selbständig zu machen? Was hat Sie dazu bewogen?
2003 begann ich, nebenberuflich erste Kurse zu geben. Zunächst mit Dr. Jürgen Plieninger gemeinsam, später dann allein. Diese Tätigkeit machte mir zusehends Freude und die Resonanz der Teilnehmer war die Ermutigung, mich ganz auf diese Tätigkeit zu konzentrieren. So machte ich mich dann 2007 selbständig als Trainerin und Beraterin.
Gab es Anfangsschwierigkeiten?
Da ich langsam in dieses Feld hereingewachsen war und mein Name bereits etwas bekannt war, fiel es mir nicht allzu schwer im Markt Fuss zu fassen.
Was würden Sie Bibliothekarinnen und Bibliothekaren raten, die sich ausserhalb der Bibliothek selbständig machen wollen?
Zunächst sollte man prüfen, ob einem das Arbeiten allein, ohne rahmengebende Organisation, grundsätzlich liegt. Insgesamt arbeiteten Selbständige immer ein wenig mehr als Personen in einem Angestelltenverhältnis. Auch Risikobereitschaft und Organisationstalent sind erforderlich. Wer wie ich als Trainerin und Beraterin unterwegs ist, muss gerne aus dem Koffer leben. Diese Tätigkeit ist schwer mit Familie und Kindern in Einklang zu bringen. Dann braucht es natürlich noch eine solide Geschäftsidee. Wenn dies alles kein Hinderungsgrund darstellt, dann ist die Selbständigkeit sicher keine falsche Entscheidung.
Was vermissen Sie am alten „Job“?
Vielleicht den Luxus, jeden Abend im eigenen Zuhause sein zu dürfen. Aber sonst mache ich schon sehr gern, was ich tue.
Was ist das Schönste an der Selbständigkeit?
Sein eigener Herr zu sein, sich seine Ziele selbst stecken und seine Themen selbst aussuchen zu können.
Welches bibliothekarische Know-how können Sie auch in der Selbstständigkeit gut gebrauchen?
Ich profitiere bis heute sehr von allem, was ich in der täglichen Arbeit in Bibliotheken gelernt habe. Jede Schulung und jede Beratung lebt von der Praxisnähe und der Praxiserfahrung.
