Gregor Stork
Im Theaterstück „Kabale und Liebe“ legt Friedrich Schiller seiner Figur Ferdinand folgende Worte in den Mund: „Ewiges Einerlei widersteht, Veränderung nur ist das Salz des Vergnügens“. Genau so könnte man meine Motivation beschreiben, als ich mich entschloss, mich für den Workshop „Change Management“ anzumelden. Allerdings war es nicht nur die reine Lust nach Veränderung, sondern das bei uns im Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie angelaufene Reorganisationsprojekt, das zum Ziel hat, bestehende Strukturen zu durchleuchten und gegebenenfalls zu optimieren. Dieses Projekt sieht auch einen Standortwechsel vor. Am neuen Standort Flughafen Zürich-Kloten wird die Bibliothek nicht mehr die gleiche Form und Funktion haben. Ein entsprechendes Konzept wird derzeit erarbeitet. Dies bedeutet für mich als Bibliotheksleiter, dass die Veränderung gleichsam Programm ist und ich mich ihr nicht einfach entziehen kann.
Angeboten wurde der eintägige Workshop von der Firma Trialog AG unter der Leitung von Hanspeter Quenzer. Die Teilnehmenden stammten aus der Deutsch- wie Westschweiz und sind sowohl in Bundes- wie kantonalen Institutionen tätig. Alle sind am Arbeitsplatz mit Veränderungen konfrontiert oder stehen kurz davor. So sind in einem Fall die Arbeitsbedingungen in der Ausleihe anders geworden, weil es Veränderungen gab im Bereich des Magazins, bedingt durch einen Neu- und Umbau der Bibliothek. In einem anderen Fall gab es neue Zuständigkeiten innerhalb einer Abteilung, auch dies als Folge einer Neuorganisation innerhalb der Institution.
Nach einer Vorstellungsrunde gab es die Gelegenheit, die eigenen Erwartungen zum Kurs zu formulieren. Bereits im Vorfeld des Workshops war eine kurze Frageliste verteilt worden zu Erwartungen und persönlicher Motivation der Workshop-Teilnehmenden. Anhand dieser Rückmeldungen erstellte die Workshop-Leitung ein spannendes und vielfältiges Kurs-Programm.
Zunächst konnten sich die einzelnen Teilnehmenden zur aktuellen Lage am Arbeitsplatz äussern und bekamen Feedbacks aus der Runde. Dabei kristallisieren sich erste Hilfestellungen zur Bewältigung der persönlichen Situation heraus. Die Kursbesucher wurden danach in einer ersten Übung aufgefordert, anhand einer einfachen Handskizze ihre persönliche Befindlichkeit zu Papier bringen. Bei der anschliessenden Präsentation der Zeichnungen samt den Kommentaren dazu war die Runde auch schon mitten im Thema: die persönliche Wahrnehmung von Veränderungen! Eine angeregte und engagierte Diskussion war das Ergebnis dieser Einstiegsübung.
In einem nächsten Schritt galt es festzuhalten, wo Veränderungen möglich sind und welcher Handlungsbedarf besteht. Je nach Situation kann dieser grösser oder kleiner ausfallen. Beispielsweise wird eine Tätigkeit wie das Sichten, Sammeln und Indexieren von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln zu einem bestimmten Thema an eine Drittfirma vergeben, was eine Reduktion des bisherigen Stellenumfangs zur Folge haben kann. Zum Glück eröffnen sich in vielen Fällen neue Möglichkeiten, etwa dann, wenn neue Dienstleistungen im Benutzungsdienst geschaffen werden. Es kommt dann auf die betroffene Person an, wie sie mit solchen neuen Gegebenheiten umzugehen weiss.
Ist-Zustand und Analyse nahmen verständlicherweise breiten Raum ein. In einem guten Mix aus Gruppen-Aufgaben und Präsentationen im Plenum konnte so eine gute Übersicht über die aktuelle Situation der Kursteilnehmenden erstellt werden.
Ausführlich behandelt wurden auch Handlungsalternativen, die anvisiert werden können, wenn es gilt, Zielformulierungen für den persönlichen Wechsel zu finden. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Entscheidungsvielfalt hingewiesen. Diese beginnt mit einer positiven Neueinschätzung der persönlichen Lage: Bin ich willens, die anstehende Veränderung mitzutragen, oder will ich an einem anderen Ort einen Neubeginn wagen? Dieser Neubeginn kann auch ein Bewerbungsprozess sein, den man aktiv startet und bei dem man auf ein erfreuliches Ergebnis hofft. Aber auch Abhängigkeiten, die Entscheidungen für die Zukunft einschränken können, wurden thematisiert. Jemand mit Familie kann nicht gleich agieren wie ein Alleinstehender. Auch hier wurde eine schöne Zahl an Erkenntnissen zu-sammengetragen, die sich für die Kursbesucher als sehr hilfreiche Impulse auf ihrem Weg in die Ver-änderung herausstellten.
Eine Haupterkenntnis dürfte sicher sein, dass man sich den Lebens- und Arbeitsbereichen zuwenden sollte, wo ein hohes Mass an Eigenbestimmung vorhanden ist. Da gehört der Freundeskreis, das Hobby, der Sport ebenso dazu wie die Weiterbildung oder die Ausschau nach einer neuen Tätigkeit. Wichtig ist, dass man sich persönliche „Kraftquellen“ sucht und findet, die dafür sorgen, dass man über genügend Energie und Ausdauer verfügt, um auch in Zeiten von Veränderungen das „Salz des Vergnügens“ geniessen zu können.
Die wichtigsten Merkpunkte für die Teilnehmerrunde lauten zusammengefasst:
- Die eigene Standortbestimmung mit der Auflistung aller Stärken, Schwächen und Erfolgen vornehmen
- Das Formulieren von persönlichen Zielen
- Das Erkennen von möglichen Alternativen zum Bisherigen
- Das Einbinden von Gegebenheiten bei der Ausformulierung des persönlichen Handlungsspielraumes
- Die Massnahmen, die zur Zielerreichung nötig sind
- Nach einer gewissen Zeit: die Überprüfung der selbstgesetzten Ziele. Und allenfalls die Massnahmen, die zur Korrektur ergriffen werden müssen.
Der Kurs war fordernd und anstrengend, aber in seinem Ergebnis ein echter Mehrwert für alle Kursteilnehmenden. Er hat gut aufgezeigt, welche Strategien zur optimalen Bewältigung eines solchen Change-Prozesses möglich sind. Die Runde der Teilnehmenden war der Meinung, dass der Kurs einen guten Überblick zum Thema geboten hat. Er war zudem hilfreich im Aufzeigen von persönlichen Möglichkeiten, wie man am besten mit Veränderungen und ihren Prozessen verfährt.
Der Schreibende jedenfalls begab sich leicht und beschwingt auf den Nachhauseweg, um sich mit den Erkenntnissen aus dem Workshop wesentlich gelassener den vielen Ungewissheiten, die ein Veränderungsprozess mit sich bringt, zu stellen.
