Info WBS 1, März 2014
Sibylle Rudin (Text)
MAS Educational Technology – nicht gerade ein Lehrgang den man im Curriculum der Bibliothekarin einer öffentlichen Bibliothek erwarten würde. Ausgelöst wurde die Teilnahme durch unsere Nutzerinnen und Nutzer.
Es war nicht das erste Mal, dass mich das Nutzerverhalten zu einer Ausbildung veranlasste. Mein Interesse fürs Internet wurde während des Aufbaus einer Bibliothek für die Sek I und Sek II-Stufe in den Neunzigerjahren geweckt. Wir stellten den Schülerinnen und Schülern in einer neuen Bibliothek auch Internet zur Verfügung und ich bildete mich deshalb weiter. Als ich 2000 den Webmaster IKFH abschloss, suchte die Kantonsbibliothek Baselland eine “Leiterin Kompetenzzentrum“ von der erwartet wurde, dass sie „Internetabfragestationen“ betreuen und etwas von „Windows NT und Client-Server-Netzwerken“ verstehen sollte.
Ich designte und programmierte die erste Webseite der Kantonsbibliothek, die uns von ineffizienten Vorgaben und Update-Praxis der Kantonswebseite erlöste, installierte weitere Internetcomputer im Lesesaal und führte in Zusammenarbeit mit der Bibliothekssoftware-Firma den „Google-Suchschlitz“, im Katalog ein, was damals noch nicht selbstverständlich war.
Mit dem Umzug in eine neue Bibliothek 2005 bekamen unsere Nutzerinnen und Nutzer rund 30 Internet-Computer zur Verfügung gestellt. Die vorwiegend jugendlichen Nutzerinnen und Nutzer trieben Dinge an den Computern, die ich nicht mehr verstand. Die Vorgängerin von Facebook in unserer Region, „Festzeit“, hatte Einzug gehalten, Handys waren überall. Meine Kenntnisse zum Web waren veraltet, die eigenhändig programmierte Webseite längst von einem CMS abgelöst worden. Ich bildete mich an Internetkongressen, Bibliothekartagen und auf dem Internet (z.B. mit dem Online-Kurs „Lernen 2.0“ von Christian Hauschke und Edlef Stabenau) weiter, versuchte mich in den verschiedensten Web2.0 Anwendungen und publizierte dazu.
Nach über zehn Jahren Selbststudium entschloss ich mich 2010, die Weiterbildung auf diesem Gebiet professionell anzugehen. Einen Ausbildungsgang zu finden, der auf neue Medien ausgerichtet ist, war in der Schweiz nicht einfach. Der CAS Medienpädagogik in St. Gallen priorisierte zwar neue Medien, wurde aber damals mangels genügender Anmeldungen abgesagt. Die Alternative fand sich an der PH Zentralschweiz im MAS Educational Technology. Der Untertitel dieses Masterstudienganges zeigt, wo das Schwergewicht liegt: „Lehren und Lernen mit neuen Medien“. In zwei CAS und einem Wahlmodul lernten wir, wie neue Medien zur Vermittlung eingesetzt werden können. Einerseits wurden technische Kompetenzen im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien gefördert: Wir befassten uns mit den Eigenheiten und der didaktischen Anwendung von Lernplattformen, E-Collaboration, SocialMedia, Games, Filmen, E-Books, mobilen Geräten und Apps. Andererseits beschäftigten wir uns mit den organisationalen Rahmenbedingungen, das heisst mit den spezifischen didaktisch-methodischen Planungs-, Durchführungs- und Evaluationskompetenzen.
Der Präsenzunterricht wurde in ganztägigen Unterrichtsblöcken erteilt, ergänzt wurde er durch zahlreiche Online-Unterrichtseinheiten. Mit einem solchen Blended Learning-Ansatz konnte das erworbene Wissen direkt praktisch umgesetzt und trainiert werden.
Der Transfer des erworbenen Wissens in eine öffentliche Bibliothek ist nicht immer eins zu eins möglich. Verschiedene Bereiche wurden und werden aber durch meine Ausbildung befruchtet. Es konnten verschiedene erlebnisreiche Schülerworkshops konzipiert werden, die moderne Medien interessant und spielerisch einsetzen. So ist beispielsweise eine Internet-Arbeitsplattform (wiki) für Schülerinnen und Schüler entstanden. In geschütztem Rahmen erhalten Schülerinnen und Schüler in der Schule, eventuell ergänzt mit Hausaufgaben, auf spielerische Weise Einblick in die Bibliothek und haben die Gelegenheit auszuprobieren, wie sie selbst auf dem Internet publizieren können und was dabei zu beachten ist. Die Aufgaben auf dem Internet sind so aufbereitet, dass sie von den Schülerinnen und Schülern selbständig bearbeitet werden können.
Daneben werden in der Kantonsbibliothek Wii-Spiele gespielt, StopMotion-Filme gedreht oder Fotostories auf dem Tablet montiert. Ein Blog steht als Instrument für Rezensionen zur Verfügung. Das seit 2008 als Instrument für teaminterne Kommunikation und Wissens-Sammlung verwendete Wiki wird immer noch rege benutzt und ist inzwischen ergänzt durch ein Lehrlingswiki, das den Auszubildenden das Thema Internet-Technologien auf aktive Weise näher bringt.
Die Masterarbeit widmete ich einem Projekt auf Gymnasiums-Stufe, das es mir erlaubte, verschiedenste Lehrszenarien auszutesten: „Moodle, Facebook, Wiki und Co.: Einsatz von Open Source und Web 2.0 in der Praxis. Ein Blended-Learning-Projekt am Gymnasium Oberwil“. Zusammen mit den Erfahrungen aus der Bibliothek erwarb ich mir pädagogisches Knowhow, das mir nun in Kursen für Bibliothekarinnen und Bibliothekare zu „digitalen Kompetenzen“ zustatten kommt. Während mein laufend aufdatiertes Wissen zu Trends in der digitalen Welt garantiert, dass das Thema in unserer Bibliothek präsent bleibt, sorgt das technische Knowhow dafür, dass ich Projekte im Online-Bereich kompetenter betreuen kann, wie etwa das Programmieren einer Bibliotheks-App oder einer mobilen Webseite für die Kantonsbibliothek Baselland.
Für alle, die mehr zur Ausbildung und Anwendung im Bibliotheksalltag erfahren möchte, hier eine Reihe weiterführender Links:
Links zu ähnlichen Ausbildungsgängen in Luzern.
(Der MAS Educational Technology wird im Moment an der PH Luzern nicht angeboten):
MAS eLearning & Wissensmanagement
CAS eLearning
CAS eLearning Design
Online-Selbstlernkurse zum Themenfeld Bibliotheken und Web 2.0
Bibliotheksportal des Deutschen Bibliotheksverbandes
Präsentationen zum Thema von Sibylle Rudin:
Digital unterwegs in der Kantonsbibliothek Baselland (2012)
Erlebnis Bibliothek: Ein Wiki für die Schule (2012)
Web 2.0 und Opensourcetools im gymnasialen Unterricht (2012)
Pilotprojekt Erlebnis Bibliothek: Wiki für die Schule (2011)
web 2.0 und knappe Ressourcen: Dilemma in öffentlichen Bibliotheken (2009)
Publikationen zum Thema von Sibylle Rudin:
Sibylle Rudin und Caroline Ruosch: Zwischen Anonymität und Beziehung: Die Kinder-und Jugendabteilung der Kantonsbibliothek. Arbido 3/2013.
Sibylle Rudin: Tuben, Festzeiten und Gesichtsbücher: Die Wahrnehmung einer neuen Informationswelt in einer öffentlichen Bibliothek. In: Handbuch Bibliothek 2.0. Hrsg. von Julia Bergmann und Patrick Danowski. Berlin, New York (DE GRUYTER SAUR) 2010, S. 245–260.
Webseite
Autorin
Sibylle Rudin (sibylle.rudin@bl.ch)
Kantonsbibliothek Baselland
