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Auf zwei Beinen: die Kantonsbibliothek Thurgau

5. April 2016 ·

Info WBS Info WBS 06, 2016

Bernhard Bertelmann, Leiter der Kantonsbibliothek Thurgau, schlägt den Bogen von den 1860-er Jahren bis zur heutigen Citizen-Science-Bewegung.

Im Jahr 1864 wurde der Bestand der aufgelösten Stadtbibliothek Frauenfeld mit vielen belletristischen Werken in die Kantonsbibliothek Thurgau integriert. Seither hat die Kantonsbibliothek zwei Standbeine: Sie ist gleichzeitig öffentliche Bibliothek und Studienbibliothek (oder auch wissenschaftliche Bibliothek).

Dass es nicht immer ganz einfach ist, die beiden Bereiche unter einen Hut zu bringen, zeigte sich schon in den ersten Jahren. Die Eingliederung der Stadtbibliothek führte nämlich zu einer starken Zunahme der Benutzung und brachte neue Leserinnen und Leser in die bis anhin wohl eher beschauliche Kantonsbibliothek.

Bernhard Bertelmann
Bernhard Bertelmann

Unerwünschter Zudrang

Der damalige Kantonsbibliothekar und bekannte Thurgauer Geschichtsschreiber Johann Adam Pupikofer berichtete in seinen Rechenschaftsbericht von 1868 von stark zunehmenden Benutzungszahlen.

An diesem „Zudrang“ zur Bibliothek hatte er gar keine Freude, denn er machte die Beobachtung, dass die Bibliothek stark von jungen Lesern und von Frauen genutzt wurde, die lieber belletristische als wissenschaftliche Werke ausliehen.

In den folgenden Jahren leitete er daher verschiedene Massnahmen ein, um die Bibliothek wieder ihrem „ursprünglichen Zwecke, der Hebung des wissenschaftlichen Lebens“, zuzuführen.

Die wichtigsten Massnahmen waren „die Beseitigung der leichteren Unterhaltungsschriften, meistens von Damen für Damen verfasst“, die „Einführung einer Lesetaxe“ sowie „Beschränkung der Benutzung der Bibliothek auf Erwachsene und auf diejenigen Kantonsschüler, die spezielle Erlaubnisscheine mitbringen“.

Nach einigen Jahren hatte er es geschafft. Die Benutzungszahlen waren um mehr als die Hälfte gesunken. In die Bibliothek war wieder Ruhe eingekehrt. Pupikofer stellte das Gesuch, für die Umarbeitung seiner Geschichte des Kantons Thurgau „seine Arbeitszeit in vorwiegenden Masse zu nutzen“. Dies wurde bewilligt.

Bedürfnis nach schöner Literatur

Pupikofers Nachfolger, Johannes Meyer, kaufte wieder vermehrt belletristische Werke ein und schlug 1886 einen ganz anderen Ton an: „Die Frequenzstatistik der Kantonsbibliothek zeigt – und es ist dies auch ohnehin konstatirt – dass das Lesen von Unterhaltungsliteratur ein Bedürfniss nicht bloss der weniger gebildeten Kreise ist. Warum sollte nun eine für die Einwohnerschaft des ganzen Kantons bestimmte Bibliothek, neben den vielen Werken gelehrten und belehrenden Inhalts, nicht auch solche der sogenannten schönen Literatur enthalten?“

Das Bibliothekskonzept der Kantonsbibliothek aus dem Jahr 2013 steht in der Tradition von Johannes Meyer und baut bewusst auf beiden Standbeinen auf. Die Kantonsbibliothek ist einerseits ein Begegnungsort für alle Bevölkerungsschichten im Sinne einer modernen öffentlichen Bibliothek, auf der anderen Seite pflegt sie aber auch ihre Sammlungen und historischen Bestände und versteht sich als Dienstleisterin für Forschung, Wissenschaft, Aus- und Weiterbildung.

Die Bibliothek als Teil der Citizen-Science-Bewegung

Besonders wichtig ist mir als Leiter, dass sich die Kantonsbibliothek als „Teil der Wissensgesellschaft“ versteht. Am Bibliothekartag in Leipzig 2016 wurde die Forderung laut, dass sich Bibliotheken weg vom Wissensspeicher hin zum Community Builder entwickeln sollten. Ich bin der Meinung, dass gerade der „Wissensspeicher“ sinnvoll genutzt werden kann, um „Communities“ zu bilden. Warum nicht ein „Makerspace“ mit Hilfe unserer Sammlungen durchführen?

Vor diesem Hintergrund führten wir im Jahr 2015 Wikipedia-Ateliers durch. Diese Ateliers lehnen sich in ihrem Konzept an die Citizen-Science-Bewegung an, indem versucht wird, Laienwissen einzubeziehen, beziehungsweise Experten und Laien zusammenzubringen. Die Bibliothek als Teil der Citizen-Science-Bewegung ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern freien Zugang zu Wissen und versetzt sie in die Lage, sich verantwortungsvoll einzubringen und unsere Gesellschaft mitzugestalten.

Faszination Original

Das Interesse für die eigene kulturelle Identität hat in unserer von Migration geprägten Gesellschaft eine neue Bedeutung bekommen. Zusätzlich bekommt in einer Zeit, in der alles reproduzierbar ist, auch das Original eine noch grössere Bedeutung. Eine Handschrift auf E-Codices zu betrachten ist faszinierend, weckt aber auch den Wunsch, das Original sehen zu können.

Aus diesem Grund arbeiten wir an einem Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf unsere historischen Bestände und Sammlungen, das sich an die breite Öffentlichkeit und besonders an Jugendliche richtet. Hier können wir von Museen lernen, die ihre wertvollen Bestände schon längst niederschwellig vermitteln.

Überhaupt können wir als kleine Institution unsere Aufgabe nur erfüllen, wenn wir mit anderen Institutionen zusammenarbeiten und uns vernetzen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das Netzwerk der IG WBS für uns äusserst wertvoll ist.

Fast schon am Ziel

Ich bin überzeugt, dass sich die Kantonsbibliothek Thurgau mit ihren historischen Beständen und Sammlungen und mit ihrer Nähe zur Bevölkerung auf einem spannenden und zukunftsträchtigen Weg befindet. An manchen Tagen, wenn sich Studierende im Lesesaal auf ihre Prüfung vorbereiten, sich Mütter mit ihren Kleinkindern zum Buchstart treffen, eine Schulklasse mit iPads die Bibliothek erforscht, ein Wissenschaftler nach Spuren der Dadaisten im Thurgau sucht, ein Arbeitsloser seine Stellenbewerbung ausdruckt und am Abend der Zukkihund dem Publikum erklärt, wie wichtig Bildung ist, dann habe ich das Gefühl, dass wir schon am Ziel sind.

Webseite der Kantonsbibliothek Thurgau

Management und Leitung Kantonsbibliothek, Öffentliche Bibliothek

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