Vereinfacht werden „Digital Humanities“ als „digitale Geisteswissenschaften“ übersetzt. Es geht um computergestützte Verfahren und die Verwendung von digitalen Ressourcen in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Genauere Definitionen finden Sie auf whatisdigitalhumanities.com
Semantische Technologien nehmen im Bibliothekswesen eine wichtige strategische Bedeutung ein. Es gibt keine grössere Bibliothek mehr, die kein LOD-Projekt umsetzt, OCR ist in Digitalisierungbestrebungen nicht mehr weg zu denken, URI und URN gehören zur Katalogisierung wie die ISBN und ISSN.
Technologie
LOD
Linked Open Data
LOD bezeichnet frei verfügbare Daten, die per URI identifiziert sind. Idealerweise werden zur Kodierung und Verlinkung der Daten das RDF und darauf aufbauende Standards verwendet. Linked Open Data ist ein Teil des Semantic Web.
OCR
Optical Character Recognition
Diese Computertechnologie wandelt eingescannte Bilder in einen maschinenlesbaren Text um, sodass beispielsweise der digitalisierte Text durchsuchbar wird. Wie gut OCR-Erkennung ist, hängt vom Schriftbild des Originaldokuments ab. Ungewöhnliche Buchstabenformen und starke Serifen (z.B. bei Fraktur) können Übertragungsfehler verursachen.
Für die Erkennung von Handschriften wurde diese Technologie erweitert zu HTR – Handwritten Text Recognition.
RDF
Resource Description Framwork
RDF war ursprünglich als Standard zur Beschreibung von Metadaten konzipiert. Mittlerweile ist es ein wichtiger Bestandteil des Semantischen Webs: Es ermöglicht im Internet logische Aussagen über die Beziehungen zwischen Dingen (Ressourcen) zu machen. Jede Aussage besteht dabei aus drei Entitäten („Triple“): Subjekt, Prädikat und Objekt. Damit die Ressourcen identifizierbar sind, werden URIs verwendet. Mittels dieses einfachen Modells können strukturierte und semi-strukturierte Daten gemischt und in verschiedenen Anwendungen genutzt werden.
Semantic Web
Das Semantic Web ist die Erweiterung des World Wide Webs von 2.0 auf 3.0. Beim semantischen Web handelt es sich um eine Web-Technologie bei dem die Suchmaschinen Informationen zueinander in Beziehung setzen, sie eigenständig auswerten und aus ihnen eine Bedeutung entnehmen können. Durch diesen Ansatz können Menschen und Computer wesentlich besser miteinander kooperieren und es können intelligentere Webservices kreiert werden.
Aktuell beschäftigen sich Bibliotheken mit semantischen Technologien insbesondere im Zusammenhang ihrer Datenbestände. Darüber hinaus lassen sich semantische Technologien aber auch einsetzten, um Forschungs- und Publikationsprozesse zu unterstützen oder innovative Bibliotheksservices zu entwickeln.
TEI
Text Encoding Initiative
Die Text Encoding Initiative (TEI) ist eine Organisation von akademischen Institutionen, Forschungsprojekten und einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. Gemeinsam haben sie die TEI-Richtlinien ausgearbeitet und entwickeln diese stetig weiter. Das daraus hervorgehende, gleichnamige Datenformat ist ein Kodierungsstandard für die Darstellung von Texten in digitaler Form. Dieses Datenformat ist eine Einschränkung der unendlichen Möglichkeiten von XML, sprich es ist ein Schema von XML, und findet bei der Herstellung von digitalen Editionen Verwendung.
URI
Uniform Resource Identifier
Gattungsbegriff für alle Arten von Namen und Adressen, die Objekte im Internet auffindbar respektive identifizierbar machen.
URL
Uniform Resource Locator
Eine URL ist eine Unterart von URIs. Lokale Adresse von Dokumenten und anderen Ressourcen im Internet. Sie besteht aus mehreren Teilen: Protokoll (http://), Hostname (www.igwbs.ch), Pfad (/uber-uns/vorstand/) = http://www.igwbs.ch/uber-uns/vorstand/
Eine URL erlaubt das gezielte Verlinken auf eine bestimmte Seite einer anderen Website (externer Link) oder das Weitergeben per E-Mail.
URN
Uniform Resource Name
Ein URN bezeichnet eine Ressource – im Gegensatz zu einer URL – dauerhaft und ortsunabhängig. Dies hat den Vorteil, dass die Ressource auch nach einer Standortverschiebung (z.B. innerhalb der Webseite) auffindbar bleibt. Die wohl bekanntesten URN in Bibliotheken sind ISBN und ISSN.
Mehr Informationen zu URN, URI, DOI etc. gibt es im Factsheet auf der Webseite doi.org
XML
Extensible Markup Language
Mittels dieser Auszeichnungssprache lassen sich hierarchisch strukturierte Daten darstellen. XML schreibt vor, wie Markierungen von Textstellen, die von der späteren Datenverarbeitung herangezogen werden können, festgehalten werden sollen. Beispielsweise wird ein Wort nicht fett dargestellt, sondern als „hervorgehoben“ markiert, so dass es in verschiedenen Ausgabevarianten jeweils auf die spezifische Art fett oder anders hervorgehoben dargestellt werden kann. Dabei ist das Textformat sowohl menschen- als auch maschinenlesbar.
XML kommt insbesondere beim Austausch von Daten zwischen Computersystemen über das Internet zum Einsatz, so auch im Bibliothekswesen (MARCXML).
Projekte / Tools (Beispiele)
VRE / VFU
Virtual Research Environment / Virtuelle Forschungsumgebung
Eine Arbeitsplattform, die eine kooperative Forschungstätigkeit durch mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an unterschiedlichen Orten zu gleicher Zeit ermöglicht. Inhaltlich unterstützt sie potentiell den gesamten Forschungsprozess – von der Erhebung, der Diskussion und weiteren Bearbeitung der Daten bis zur Publikation der Ergebnisse – während sie technologisch vor allem auf Softwarediensten und Kommunikationsnetzwerken basiert.
DHLab
CH EPFL
Das Digital Humanities Laboratory der EPFL Lausanne
DHLab
CH BS
Das Digital Humanities Lab der Universität Basel. Das Projekt wurde in der Sendung „Kultur kompakt“ von Radio SRF 2 Kultur vom 18.3.2016 vorgestellt. Die TagesWoche porträtierte DHLab-Vorsteher Lukas Rosenthaler.
HyperHamlet
CH BS
HyperHamlet ist eine Datenbank von Zitaten aus und Anspielungen auf Shakespeares Hamlet, welche vom Schweizerischen Nationalfonds SNF als Joint Venture zwischen den Abteilungen der englischen und deutschen Philologie und dem Digital Humanities Lab an der Universität Basel entwickelt wurde. Das Online-Zitatenlexikon enthält einige 10’000 kommentierte Einträge, auf die frei zugegriffen werden können. Dabei geht es nicht darum, die Erstverwendung des Zitats zu belegen, sondern wo es weiterverwendet wurde. HyperHamlet ist ein Editions-, Forschungs- und Kommunikationshypertext zugleich.
SALSAH
CH BS
System for Annotation and Linkage of Sources in Arts and Humanities
Eine virtuelle Forschungsumgebung für Geisteswissenschaften. Sie ermöglicht es Forschenden, wissenschaftlich mit retrodigitalisierten Quellenbeständen zu arbeiten. SALSAH wird verwendet für kunsthistorische, literatur- und musikwissenschaftliche Projekte.
TEXTGRID
DE
Eine Virtuelle Forschungsumgebung für die Geistes- und Kulturwissenschaften. Es ermöglicht philologisches Editieren und kollaboratives Arbeiten, dient auch als Langzeitarchiv.
DARIAH
EU
Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities
DARIAH errichtet eine nachhaltige digitale Infrastruktur in Europa für die Langzeitverfügbarkeit von Kulturgütern und Forschungsdaten in den Kultur- und Geisteswissenschaften. DARIAH ist ein Projekt von ESFRI.
Organisationen
CLARIN
EU
Common Language Resources and Technology Infrastructure / Gemeinsame Sprachdaten und technologische Infrastruktur
Ein europäischer Forschungsverbund, der sich mit der Archivierung und Verarbeitung von Sprachdaten in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung beschäftigt und der die entsprechenden Technologien bereitstellt und entwickelt.
EADH
EU
European Association for Digital Humanities
ESFRI
EU
European Strategy Forum on Research Infrastructures / Europäisches Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen
Ein multidisziplinäres Forum für die Mitgliedstaaten der EU. Es dient der Diskussion und Koordination von Projekten und allgemeinen Entwicklungen im Bereich der Forschungsinfrastruktur, beispielsweise zu den Themen Supercomputer, verteiltes Rechnen (Grid-Computing), Datenbasen, virtuelle Bibliotheken oder allgemeine grossflächige Forschungsinfrastrukturen. DARIAH ist ein Projekt von ESFRI.
SAGW
Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Die SAGW liefert auf ihrer Webseite einen Überblick über die aktuellen Projekte und Netzwerke im Bereich der Digital Humanities in der Schweiz.
(Stand April 2016, aktualisiert Juli 2016)
