Info WBS 2, Oktober 2014
Tobias Schelling (Text)
Die vom BIS veranstaltete Tagung brachte einen spannenden und internationalen Einblick, wie sich öffentliche wie wissenschaftliche, grosse wie kleine Bibliotheken als Treffpunkt für die Gesellschaft etablieren. Während am Nachmittag Workshops zu den Themen „Lernwelten“, „Virtuelle Welt als 3. Ort“, „Umsetzung des Konzepts 3. Ort in öffentlichen Bibliotheken“ und „Bibliotheken und Jugendliche“ durchgeführt wurden, fanden am Vormittag verschiedene Referate statt, auf die sich dieser Rückblick beschränkt.
Den Anfang machte Mathilde Servet von der Bibliothèque publique d’information Centre Pompidou in Paris, welche in einem mitreissenden Vortrag das Konzept des Dritten Ortes erläuterte. Sie zeigte auf, warum und wie sich Bibliotheken zu solchen Orten hin entwickeln können. Als zentrale Punkte des Konzepts sieht sie einen stärkeren Fokus auf die Bedürfnisse der Gesellschaft und Miteinbezug der Nutzerinnen und Nutzer. Die Bibliotheken werden so zu noch offeneren, lebhafteren und attraktiveren Orten, deren Räume warm, einladend und differenziert gestaltet sein sollten.
Die Präsentation von Helene Bruhn Schvartzman zeigte am Beispiel der Bibliotheken von Aarhus eine ähnliche Bibliotheksenwicklung wie sie auch Servet dargestellt hatte. Die Bibliotheksverantwortlichen in Aarhus haben zum Ziel, die Bibliotheken als Zentren für die Gemeinschaft zu positionieren. Dies geschieht, indem Partnerschaften geschlossen werden, Nutzer/-innen und Nicht-Nutzer/-innen in die Planungen mit einbezogen werden und indem verschiedene Lernformen, aber auch Möglichkeiten zum Ausprobieren und um sich zu Treffen angeboten werden. Vor diesem Hintergrund werden nicht nur kleinere Quartierbibliotheken, sondern auch die 30‘000 qm grosse Hauptbibliothek geplant, welche 2015 eröffnet werden soll.
Die Bibliotheksplanerin Françoise Chevalier zeigte in einem weiteren Vortrag auf, wie sich die veränderte Ausrichtung der Bibliotheken auf die Bauplanung auswirkt. Denn durch neue Angebote in den Bibliotheken muss auch der Raum entsprechend vielfältig und einladend gestaltet werden. Durch das Schaffen von unterschiedlichen Zonen kann das Wohlempfinden der Nutzenden gefördert werden. Die Planung und Gestaltung des Raumes und unterschiedlicher Zonen kann nur durch eine intensive und offene Zusammenarbeit zwischen dem Bibliotheks- und dem Planungsteam erreicht werden.
Im letzten Vortrag des Vormittages erläuterte Maximiliane Okonnek am Beispiel der ETH-Bibliothek, wie sich wissenschaftliche Bibliotheken im digitalen Raum positionieren können. Sie erläuterte, wie sich die verstärkte Internetnutzung und die digitalen und mobilen Technologien auf das Lernverhalten auswirken und wie die ETH-Bibliothek darauf zu reagieren versucht.
Es war ein sehr gelungener Tag in Bern – mit vielen neuen und spannenden Eindrücken.
