Info WBS 1, März 2014
Christian Gutknecht (Text)
Am 17. September lud die IG WBS zu einer Informationsveranstaltung über Open Access nach Bern ein.
Zu Beginn wurde der Verlag S. Karger AG durch Gabriella Karger vorgestellt. Unter dem Titel „120 Jahre im Dienst der Wissenschaft“ zeigte Frau Karger die Wertschöpfung der Verlagsarbeit auf (Editorial Office, Editieren, Produktion, Bereitstellung von Daten und Metadaten, Distribution und Marketing). Dieser Aufwand kostet, und zwar auch bei Open Access.
Danach stellte Dietrich Rordorf den Verlag MDPI AG vor. MDPI wurde ursprünglich von Shu-Kun Lin (ebenfalls im Publikum anwesend) als Moleküldatenbank gegründet, woraus dann später ein Verlag mit mehreren Open Access Journals entstand. Neben dem Hauptquartier in Basel, betreibt MDPI zwei Standorte in Wuhan und Beijing (China).
In der nachfolgenden Podiumsdiskussion, bei der nebst Dietrich Rordorf und Gabrielle Karger, auch Lothar Nunnenmacher (Leiter Lib4RI), Alessandro Lugli (Leiter Klinische Pathologie, Universität Bern) und Ibex (Blogger patientensicht.ch) teilnahmen, lag der Fokus zunächst auf den Kosten des Publizierens. Wie ein kürzlicher Beitrag in Nature News zeigte, gibt es bei Verlagen ganz unterschiedliche Kostenstrukturen, die sich dann in der sogannanten Article Processing Charges (APC) widerspiegeln. APC bezeichnet diejenige Gebühr, welche die Autoren beim Publizieren eines OA Artikels bezahlen müssen. Karger beispielsweise verlangt für sein Hybrid OA Modell „AuthorChoice“ 3000 CHF pro Artikel. Bei MDPI sind es zwischen 0 bis 1600 CHF pro Artikel. Auf diesen Unterschied angesprochen, räumte Dietrich Rordorf ein, dass mit den Standorten in China die Kosten tief gehalten werden können. Bei einer vollständigen Produktion in der Schweiz, wie es bei Karger der Fall ist, wären die Kosten wohl schon 2-3 mal so hoch. Dennoch wurde klar, dass der Preis eine relative Grösse zur Nachfrage bzw. der Reputation des Journals ist, und der Bezug zu den realen Kosten nicht gänzlich hergestellt werden kann. Je höher der Impact Factor, desto höhere Preise scheinen die Verlage rechtfertigen zu können. Dennoch ist Dietrich Rordorf überzeugt, dass in einer OA-Welt die Kosten transparenter sind und der Markt die Preissteigerungen, wie sie Bibliotheken mit Subskriptionen erleben (Stichwort: Zeitschriftenkrise) verhindern wird.
Für neue Open Access Journals, wie sie zurzeit von MDPI rasant gegründet werden, ist es jedoch schwierig überhaupt eine Reputation aufzubauen. Alessandro Lugli, der auch im Editorial Board von Cancers ist, wünschte sich deshalb von MDPI eine noch höhere Ablehnungsrate. Natürlich sei Open Access aus Sicht der Wissenschaft sehr wünschenswert, da die Sichtbarkeit der eigenen Forschung erhöht wird. Dennoch reiche alleine Sichtbarkeit nicht, da man als Wissenschaftler auch an dem Impact Factor des Journals, in welchem man publiziert, gemessen wird. Von daher sind Journals mit hohem IF attraktiver als solche mit tiefen oder gar keinem.
Wie von Ibex eingebracht wurde, ist Open Access auch im Interesse der Patienten. Seit ihm Multiple Sklerose diagnostiziert wurde, interessiert ihn auch Fachliteratur, zu der er aber häufig keine Zugang hat (obwohl sie öffentlich finanziert wurde). Von daher hat er der Schweizerischen MS-Gesellschaft, die pro Jahr ca. 1.2 Mio CHF Forschungsförderung spricht auch eine Open Access Policy vorgeschlagen, wie sie beispielsweise die britische Multiple Sclerosis Society schon hat.
Ebenfalls ein Diskussionspunkt war die Verwendung der Creative Commons Lizenz. Während MDPI seit Beginn Creative Commons Attribution (CC-BY) verwendet, kommt bei dem Open Access Inhalt von Karger standardmässig die Creative Commons Attribution Non Commercial (CC-BY-NC) zum Einsatz. CC-BY-NC bedeutet, dass die Publikation zwar frei zugänglich ist, aber im Gegensatz zu CC-BY eine kommerzielle Weiternutzung ausgeschlossen ist. Unter vielen Open Access Experten herrscht die Meinung, dass man nur CC-BY als Open Access bezeichnet werden darf. In diese Richtung hat sich auch der Research Council UK geäussert und verlangt bei der Förderung von Open Access explizit eine CC-BY-Lizenz. Bei einer Verwendung von CC-BY befürchtet Karger offenbar, dass Artikel an dubiosen Orten im Internet auftauchen und dem Namen des Verlages und des Autors schaden können. Ein konkretes Beispiel konnte allerdings nicht genannt werden.
Insgesamt war es eine spannende Diskussion, die einmal mehr zeigte, dass Open Access stark im Aufwind ist.
Übrigens: Die Inhalte von Karger und MDPI werden durch die Nationalbibliothek gesammelt und archiviert. Wie man an der Zugänglichkeit bei E-Helveticat sieht, zeigt sich auch bei der Archivierung der Vorteil von Open Access.
Autor:
Christian Gutknecht
Universitätsbibliothek, Universität Bern
