RB 63, September, 2013
Andrea Malits, Peter Schäuble
Die Idee
Die Idee zum Projekt entstand aus einer Übungsanlage im Modul ‚Information Retrieval‘, die wir im Master of Advanced-Studiengang in Bibliotheks- und Informationswissenschaften im Winter 2009 durchgeführt haben. In der ZB standen damals die ersten rund 200‘000 gescannten Inhaltsverzeichnisse zur Verfügung. Sinn und Zweck der Übung war es, die OCR-lesbaren Inhaltsverzeichnisse für die Erschliessung nutzbar zu machen. Im Lauf der folgenden Monate und Jahre kristallisierte sich das Konzept des Digitalen Assistenten heraus: Dieser kombiniert automatisch unterstützte Prozesse und intellektuelle Erschliessung. Er generiert Schlagwortvorschläge, die danach intellektuell überprüft werden.
Der Digitale Assistent ist damit als System natürlich auch das Resultat neuer technologischer Verfahren. Er ist aber vor allem das Ergebnis vieler spannender und lehrreicher, nicht selten auch kontroverser Diskussionen mit den FachreferentInnen, den SystembibliothekarInnen, der Direktion und dem IT-Dienstleister (Eurospider).
Der Digitale Assistent als ein Element des Veränderungsprozesses in der Erschliessung
Im Jahr 2009 hat die Konferenz der Deutschschweizer Hochschulbibliotheken (KDH) formuliert, dass Fachreferentinnen und Fachreferenten – wo möglich – für neue Aufgabengebiete zu entlasten sind. Denn es zeichnet sich seit längerem ab, dass die bestehende intellektuelle Sacherschliessung mittelfristig nicht mehr in der heutigen Form durchgeführt werden kann. Zum einen reichen schon jetzt die Personalressourcen nicht aus, um Neuzugänge (print und online) durchgängig erschlossen den Benutzenden zur Verfügung zu stellen. Zum anderen liegen vermehrt maschinenlesbare Daten vor, die den Einsatz von automatisierten Verfahren nahelegen. Weitere wichtige Aspekte, die auch im Rahmen des Veränderungsprozesses in der Erschliessung berücksichtigt werden müssen, sind die Nutzung von Fremddaten, die kooperative Pflege der Normdatei (GND) sowie die Umstellung auf das Regelwerk RDA.
Schlagwortvorschläge
Der Digitale Assistent liefert Schlagwortvorschläge, welche die Fachreferentinnen und Fachreferenten auswählen und bearbeiten können (siehe Bild). Es ist auch möglich, zusätzlich zu den vorgeschlagenen Schlagwörtern weitere Schlagwörter aus einer GND-Indexliste hinzuzufügen.
Über das System können ebenso alle weiteren Felder der Sacherschliessung, wie z.B. die lokalen ZB-Felder, bearbeitet und ausgefüllt werden. Alle Schlagwörter und weiteren Felder werden routinemässig mittels eines Files in unser Bibliothekssystem ALEPH importiert.
Basis der Schlagwortvorschläge sind neben den Titeldaten und digitalisierten Inhaltsverzeichnissen auch WorldCat-Fremddaten. Die Schlagwortvorschläge im Digitalen Assistenten haben damit drei Quellen, wobei in der aktuellen Projektphase die Nutzung von Fremddaten im Vordergrund steht. Folgende Quellen sind im Prozess der Bearbeitung nachvollziehbar, da sie im System ausgewiesen werden.
GND-Schlagwörter (aus dem WorldCat übernommen)
Übersetzungen von Schlagwörtern aus anderen Systemen wie Library of Congress Subject Headings oder RAMEAU (aus WorldCat übernommen und übersetzt; Methode: maschinelles Lernen)
AUTOCAT (auf Basis von Titeldaten und Inhaltsverzeichnissen; Methode: maschinelles Lernen)
Sachgruppenvergabe
Der Digitale Assistent klassiert die Titel gemäss den rund 100 DDC-Sachgruppen, wie sie auch der Neuerscheinungsdienst der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) verwendet. Diese hat der ZB für das Klassifizierungs-Training des Digitalen Assistenten Inhaltverzeichnisse inkl. bibliografischer Daten zur Verfügung gestellt.
Die vorgängige Klassifizierung ermöglicht eine nach Sachgruppen geordnete Bearbeitung der Titel bei der Beschlagwortung. Es ist auch möglich, die gesuchten Titel über den Barcode aufzurufen. In der ZB erfolgt im Anschluss nach wie vor eine Feineinteilung der Fachgebiete nach hauseigenem System durch die FachreferentInnen.

Statistiken
Mit dem Digitalen Assistenten können verschiedene Statistiken und Auswertungen zur Verfügung gestellt werden. So kann z.B. ausgewertet werden, für wie viele Titel GND-Beschlagwortungen aus WorldCat übernommen wurden oder wie viele Titel mit Vorschlägen des Digitalen Assistenten (AUTOCAT oder Übersetzungen aus anderen Erschliessungssystemen wie z.B. RAMEAU) ergänzt wurden.
Die nächsten Schritte
Aktuell testen wir den routinemässigen Import aller Daten aus dem Digitalen Assistenten in unser Bibliothekssystem ALEPH. Dabei sind mehrere spezifische Anpassungen für ALEPH zu berücksichtigen.
Geplant ist, dass das Projektteam – bestehend aus drei Fachreferenten – im letzten Quartal dieses Jahres produktiv mit dem Digitalen Assistenten arbeitet.
