Christian Schlumpf

Some people call me the space cowboy, yeah, some call me the gangster of love … richtig, als Einstieg ein Musikzitat aus “The Joker’ von der Steve Miller Band! Denn eigentlich erfülle ich keines der beiden Wunschkriterien, die Irene Eglin in der letzten Ausgabe aufgestellt hat, aber Papier ist bekanntlich geduldig! Und nach einer Anfrage von Marianne Ingold konnte ich mich einfach nicht verwehren, hier in die Tasten zu greifen! Ok, der sanft angedrohte Entzug ihrer Huld und Gunst tat ein Übriges, dass ich nun eben als Wildcard oder Joker einspringe!
Erste bibliothekarische Tätigkeiten erfüllte ich bereits im zarten Alter von 14 Jahren, als ich für die Freihandbibliothek Frauenfeld Bücher in Klebefolie einfasste. Wie ich erst später lernte: archivtechnisch gesehen nahe an der Erbsünde, eine eher frevelhafte Tätigkeit, aber ich war jung und brauchte das Geld …
Nach der Matura studierte ich an der Uni Zürich Rechtswissenschaften und kostete dabei im Sinne eines humanistischen Bildungsideals auch von den Honigtöpfen anderer Wissensdisziplinen wie Anglistik, Philosophie, Zoologie und (Rechts)medizin … richtig, all dies begab sich in den Tagen vor der Einführung der Bologna-Reform, damals war das noch locker zu bewerkstelligen! Nebenher arbeitete ich auch als Moderator bei einem heute leider verschwundenen Lokalradio (RTG – vom Hörnli bis zum See!), was gut zu einer weiteren Konstante in meinem Leben passt: Musik! Die Tonspur meines Lebens bewegt sich in einer recht weit gefassten Bandbreite, von ABBA über Baby Jail, Metallica und Mozart bis hin zu Wagner und ZZ Top!
Aber der Mensch lebt nicht von Musik allein, seit jeher habe ich auch immer reichlich an Literatur verschlungen, und dank meinem Kindle Paperwhite ist es mir heute möglich, den privaten Kanon meiner 100 Lieblingsbücher immer und überall mittragen zu können! Vielleicht an dieser Stelle zwei Literaturhinweise? Für die Freundinnen und Freunde epischer Literatur: George R.R. Martin „A song of Ice and Fire“, ein auf sieben Bände ausgelegtes Fantasywerk. Fünf Bände sind bereits erschienen, und die TV Adaption macht unter dem Titel „Game of Thrones“ dieser Tage Furore! Und das zweite Werk beschäftigt sich mit der grossen Frage: was machen Bibliothekare eigentlich, wenn es dunkel wird? Richtig, sie lesen, zum Beispiel das Buch von Eric W. Steinhauer „Vampyrologie für Bibliothekare“. Aus der Kurzbeschreibung: „Die Vampyrologie gehört zu den wenig beachteten Lehrgegenständen der Bibliothekswissenschaft. Gleichwohl sind entsprechende Kenntnisse für jeden verantwortungsbewusst handelnden Bibliothekar unverzichtbar. Die vorliegende Einführung vermittelt hier unter besonderer Berücksichtigung der historischen Hintergründe die wesentlichen Grundlagen, damit man später nicht sagen kann, man habe es ja nicht gewusst“.
But now for something completely different
Nach Abschluss des Studiums war ich spontan ein wenig ratlos, wohin die Reise gehen sollte. When in doubt … richtig, auf in Richtung Anwaltspatent! Nach einem Jahr als Praktikant am Bezirksgericht Bischofszell – was zum Teil Erinnerungen an das Königliche Bayerische Amtsgericht aufkommen liess, wusste ich mit Bestimmtheit: spannend, aber das wird nicht meine Lebensaufgabe! Dank glücklicher Fügung ergab es sich, dass die HSG Bibliothek in jenen Tagen eine Fachreferentin oder einen Fachreferenten für den Bereich Rechtswissenschaft suchte. Ich ergriff die Gelegenheit beim Schopf … und seither sind mehr als 15 Jahre vergangen, ich habe den Entscheid zu wechseln nie bereut. Berufsbegleitend absolvierte ich den „Zürcher Kurs“, den ich auch nach all den ganzen Jahren immer noch in bester Erinnerung halte. Wir waren eine sehr kurzweilige Truppe, darunter befand sich die amtierende Präsidentin einer nicht näher zu benennenden Interessengruppe!
Meine tägliche Arbeit gestaltet sich recht vielseitig: Tätigkeiten klassischer Fachreferatsarbeit im stillen Kämmerlein werden aufgelockert durch regelmässige allgemeine Auskunftsdienste am Informationsschalter der Bibliothek. Dazu kommen denn die fachspezifischen Anfragen, die mich per E-Mail oder Telefon erreichen, sowie das Durchführen von juristischen Recherchekursen. Diese werden in allgemeiner Form regelmässig durch das Semester angeboten. Auf Wunsch werden auch massgeschneiderte Kurse zu spezifischen Themengebieten organisiert.
Elektronische Dokumente? Haben wir natürlich auch in unserem Bestand stehen, wobei zumindest im deutschsprachigen Raum die juristischen Verlage sich zum Teil noch in vornehmer Zurückhaltung üben. Nebenbei bin ich auch eingebunden in die Evaluation neuer (juristischer) elektronischer Ressourcen, wobei es in Zeiten eingefrorener Erwerbungsetats gilt, den nicht immer einfachen Spagat zwischen dem wissenschaftlich Wünschbaren und dem finanziell Machbaren einigermassen sauber zu bewerkstelligen! Last, but not least, bin ich auch die hausinterne Anlaufstelle bei allen Fragen zum Thema Urheberrecht.
Eine weitere Bereicherung all dieser Tätigkeiten ist die fachliche Vernetzung und Mitarbeit in verschiedenen Gremien auf nationaler und internationaler Ebene. Es kann überaus bereichernd und befruchtend sein, sich über die unterschiedlichsten Aspekte der eigenen Arbeit mit anderen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren auszutauschen!
Zumindest einen teilweisen bibliothekarischen Bezug hat auch meine umfangreiche T-Shirt-Kollektion, die gemäss den Worten unserer Präsidentin nicht unterschlagen werden darf. Eines der aktuellen Lieblingsmotive lautet wie folgt:
Und nun schliesst sich hier auch der Kreis! Zu Beginn dieses Textes ein Zitat aus dem Song „The Joker“ – und zum Abschluss ein Zitat aus dem Film „The Dark Knight“ vom Joker: „I like this job – I like it!“
(mi)…und hier noch Christian Schlumpfs Geheimtipp: www.rumpfkluft.de, wo sich für jede bibliothekarische Lebenslage das passende, allerdings nicht in jedem Fall ganz jugendfreie Motiv finden lässt.

