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Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

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Ladina Tschander

23. November 2012 ·

Ladina Tschander

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Ladina Tschander

Drei Tage in der Woche bin ich wissenschaftliche Bibliothekarin am Deut¬schen Seminar in Zürich – die restlichen Tage versuche ich meinen vier Kindern zu widmen. Diese Kombination hat wohl Wilfried Lochbühler veranlasst, mich als nächstes „Mitglied im Fokus“ zum Thema „Verein¬barkeit von Kindern/Familie und Beruf“ vorzuschlagen.

Dass ich in derselben Bibliothek arbeiten würde, in welcher ich das Lizentiat geschrieben habe, und dass ich daneben eine Kinderschar betreuen würde, mit allen dazugehörigen Konflikten, Überraschungen und Berei¬cherungen, hätte ich mir 1997 nicht träumen lassen, als ich das Studium in Zürich abschloss.

Schon während des Germanistikstudiums ärgerte mich die Frage „Und was bist du nachher?“ von Verwandten und Bekannten, auch deshalb, weil meine Antwort nur war: „Keine Deutschlehrerin am Gymnasium“. Interessante Vorlesungen hören, in der Bibliothek schreiben und lernen, jüngere KommilitonInnen unterrichten – das war meine Welt, die ich eigentlich gar nicht verlassen wollte. In der Mitte des Studiums entdeckte ich mein Interesse für die deutsche Sprachwissenschaft und die Fragestellung, wie Sprache das Denken beeinflusst und ob die sprachliche Verarbeitung Parallelen zur Ver-arbeitung anderer kognitiver Fähigkeiten hat. Im engeren Kreis der Generativen Grammatiker am Deutschen Seminar begann ich meine Lizentiatsarbeit zu schreiben, begann Tagungen und Kongresse zu besuchen und liess mich von der wissenschaftlichen Luft verführen. Endlich hatte ich eine Alterna-tivantwort auf die lästige Frage des Nachher: „Ich werde wissenschaftliche Mitarbeiterin“. Da in Zürich keine Aussicht auf eine Assistenzstelle bestand und ich ins Ausland wollte, bewarb ich mich auf eine Stipendiatenstelle im Graduiertenkolleg Kognitionswissenschaft in Hamburg.

Im November 1997 fuhr ich mit dem Lizentiat in der Fächerkombination Germanistik – Biologie – Psychologie in der Tasche nach Hamburg und begann meine Arbeit im Themenbereich Sprache und Raum, wo ich bald eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin übernahm. Immer häufiger hörte ich jedoch, dass wieder jemand auf seinen Ruf warte und nur älter dabei werde. Die Doktorarbeit wollte ich noch schreiben – aber dann sollte mir eine weitere Antwort auf die Zukunftsfrage einfallen.

Als mein Mann und ich Hamburg aus familiären Gründen verliessen, war meine Dissertation zwar fortgeschritten, aber bei Weitem noch nicht fertig. So sass ich intensiv und einsam an meinem Schreibtisch. Bei einer Recherche betrachtete ich eines Tages die Website der Zentralbibliothek in Zürich genauer – auch den Link „Ausbildung“. Und wie ein Blitz traf mich die Erkenntnis: „Ich werde wis-senschaftliche Bibliothekarin“. Die ZB hatte jedoch kein Interesse an lizenzierten GermanistInnen, und ich musste eine Alternative für die Ausbildung suchen. Ein Kollege wusste, dass die HTW Chur ein Nachdiplomstudium IuD anbot. Und mit etwas Glück erhielt ich auch eine Praktikumsstelle.

Meine bibliothekarische Karriere begann an der Zentral- und Hochschulbibliothek in Luzern. Trotz abgeschlossenem Studium wurde ich als Praktikantin angestellt und konnte die einzelnen Bereiche einer grossen Bibliothek kennenlernen. Beim Bewerbungsgespräch wurde mir mehrmals gesagt, dass das Praktikum auch Magazindienst beinhalte. Ich antwortete: ja, ich sei mir dessen bewusst – nicht ahnend, dass ich eben diesen Magazindienst ein halbes Jahr später nicht wegen akademischer Über-heblichkeit, sondern wegen der ersten Schwangerschaft aufhören musste. Solange es ging, arbeitete ich in Luzern weiter.

Die Geburt unserer ersten Töchter war im Juli 2006, also genau in einer Pause zwischen zwei Modulen, sodass ich das NDS mit der tatkräftigen Unterstützung meines Mannes zu Ende bringen konnte. Die Kinder waren noch so anspruchslos, dass ich die Abschlussarbeit tippen konnte, während meine Füsse die Wippen der Kleinen in Bewegung hielten. Gegen Ende der Zeit in Chur fing ich an, intensiver nach Stellen Ausschau zu halten. Und auch hier war mir das Schicksal hold bzw. war ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

Die Bibliothekarin der linguistischen Abteilung im Deutschen Seminar, die mich das ganze Studium hindurch begleitet hatte, wurde just im Frühjahr 2007 pensioniert. Und ich konnte durch meinen Heim-vorteil und die bibliothekarische Ausbildung die Konkurrenz in den Wind schlagen. Damit begann mein Doppelleben. Während drei Tagen durfte ich selbstbestimmt arbeiten. Die anderen Tage gehörten den Kindern. In den ersten Jahren war dies eine eiserne Regel. Dann wurden die Kinder eigenständiger, ich in der Mutterrolle routinierter, und plötzlich war Zeit für Projekte da: Es juckte mich in den Fingern, endlich all das in der Bibliothek zu verbessern, was ich schon im Studium vermisst hatte. So fehlte mir beispielsweise eine gute Einführung in die Literaturrecherche. Um seriös ein Schulungskonzept aufzubauen, besuchte ich Weiterbildungskurse zur Vermittlung von Informationskompetenz. Aufgrund der Erfahrung, dass Studierende keine Zeit mehr haben, einen Bibliothekskurs auf freiwilliger Basis zu besuchen, suchten meine Kollegin Silvia Meyer-Denzler und ich das Gespräch mit den Dozierenden, um unser Angebot als obligatorischen Bestandteil eines Moduls zu verankern.

War mal ein Kind krank oder fand eine Sitzung während eines Kindertages statt, half (und hilft) unsere Wohnsituation enorm: unsere Zwillinge wachsen in einem Mehrgenerationenhaus auf. Neben ihren Tanten wohnt auch ihre Grossmutter im selben Haus, die im Krankheitsfall auch mal einspringt. Diese Konstellation, die flexiblen Arbeitszeiten und die Unterstützung durch meinen Mann, der trotz seines 100 %-Jobs in der IT-Abteilung einer Bank zuhause kocht und auch mal ein krankes Kind pflegt, bewogen mich unter anderem, meine Einwilligung für ein drittes Kind zu geben.

Gerade als Vorgespräche stattfanden, den Bibliotheksbestand mit Strichcodes zu versehen, kamen unsere zweiten Zwillinge auf die Welt. Nach sechs Monaten war ich wieder in der Bibliothek und voller Tatendrang: Als erstes führten wir die Bibliothek des Deutschen Seminars ins 21. Jahrhundert, indem der gesamte Bestand für die elektronische Ausleihe ausgerüstet wurde. Zusammen mit unserem Team von motivierten studentischen Mitarbeiterinnen ging dies in kürzester Zeit.

So manche dieser Studentinnen zeigte Interesse am Beruf wissenschaftliche Bibliothekarin, und wir fingen an uns Gedanken zu machen, wie wir diese Mitarbeiterinnen fördern oder sogar ausbilden könnten. Momentan besuchen einige den ZB-Kurs für UZH-Angehörige. Im Anschluss absolvieren sie Aleph-Kurse und unterstützen uns noch effektiver in der täglichen Arbeit. Möchten sich unsere Studentinnen später in einer Bibliothek bewerben, haben sie bereits bibliothekarische Grundkenntnisse.

Auch unsere Bemühungen, einen Bibliotheks-Workshop für die Erstsemestrigen obligatorisch anbieten zu können, trugen in diesem Jahr Früchte: Die rund 200 Hauptfach-Germanistikstudierenden kommen nun in Gruppen à zehn bis zwölf Leuten zu Randzeiten zu uns. Achtzehn Kurse finden in der Früh statt – achtzehn Mal schickt meine Mutter die Grossen in den Kindergarten, während Papa die Kleinen in die Krippe fährt; er steht auch während der vier Abendkurse für die Kinder zur Verfügung.

Mittlerweile werden unsere jüngeren Zwillinge drei Jahre alt, gehen gerne in die Krippe und werden immer selbständiger. Die Sechsjährigen gehen wacker in den Kindergarten und Hort. Da ich meine Grossen bei leichter Erkrankung jeweils mit zur Arbeit nehme, kennen sie die Bibliothek bestens. Sie finden es spannend, wie die Bibliotheksmitarbeiterinnen am Schreibtisch zu sitzen und zu arbeiten. Für eine meiner Töchter ist klar, dass sie einmal Bibliothekarin wird und mein Büro übernimmt!

Familie Tschander
Familie Tschander

Unser Alltag hat sich so gut eingespielt, dass ich immer wieder in die Falle tappe zu glauben, noch weitere Aufgaben übernehmen zu können. So wurde ich letztes Jahr angefragt, ob ich bei einem Projekt im Bereich Vermittlung Informationskompetenz an Schweizer Gymnasien mitarbeiten möchte. Ich konnte nicht nein sagen. Und die Regel, an drei Tagen zu arbeiten und die restlichen Tage für die Kinder, weichte sich immer mehr auf. Zuerst versuchte ich sie noch aufrecht zu erhalten, indem ich mich nur abends nach dem Zu-Bett-Gehen der Kinder an den Schreibtisch setzte. Heute spielen die Kleinen immer öfter für eine längere Zeit in ihrem Zimmer und ich setze mich dann – solange es geht – an meinen Rechner, bearbeite ein Online-Tutorial, schreibe einen Artikel, baue an einer Website oder beantworte Emails: Denn neben der Arbeit in der Bibliothek engagiere ich mich seit einem Jahr im Vorstand der IG WBS, betreue die Website meines Chores, unterstütze die Schule meiner Kinder bei der Organisation der Erzählnacht und bin dabei, aktiv die Schulbibliothek mitzugestalten. Noch geht alles unter einen Hut, aber es säuselt der Wind des Widerstandes durch unsere Familie und mir ist nun klar: Mehr darf es nicht mehr werden – auch wenn es noch vieles gäbe.

So manche(r) sagt sich jetzt vielleicht, dass Beruf und Elternschaft nur mit Glück und gutem Umfeld zu bewältigen sind. Sicherlich sind diese Punkte unterstützend. Es benötigt aber noch etwas mehr: Eine gute Organisation bei Familien- und Geschäftsterminen, die Gewährung von flexiblen Arbeitszeiten durch den Arbeitgeber und nicht zuletzt die Fähigkeit, sieben Sachen gleichzeitig zu tun.

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