Marianne Ingold
Am 21. Oktober 2012 fand die 114. Vorstandssitzung der IG WBS statt. Wie die 113 Sitzungen davor wird sie nur in Form eines Protokolls überdauern.
Vorstandsarbeit hat es so an sich, dass sie in der Regel im Hintergrund stattfindet und – abgesehen von Mitgliederversammlungen und Aufrufen nach Nachfolgerinnen und Nachfolgern – von den Vereins-mitgliedern wenig bis gar nicht zur Kenntnis genommen wird. Ihre Früchte hingegen – Weiterbi-dungsveranstaltungen, Berufsbilder, Publikationen, Apéros etc. – werden selbstverständlich gerne in Anspruch genommen. Grund genug also, um anlässlich des 20. Geburtstages anhand des Vereinsa-rchivs einen (nicht immer ganz ernsthaften) Einblick in 20 Jahre ehrenamtliche Vorstandsarbeit zu geben und allen Vorstandsmitgliedern und PräsidentInnen der letzten 20 Jahre für ihren Einsatz ein Kränzchen zu winden!
Vorstandsmitglieder der IG WBS 1992 – 2012
ab 1992:
Franz Grunewald (Präsident), Felix Winter (Vizepräsident), Ruth Villiger (Quästorin), Martin Lüdi (Aktuar), Marianne Rubli
ab 1994:
Felix Winter (Präsident), Marianne Rubli (Vizepräsidentin), Ruth Villiger (Quästorin), Andrée Belleville, Elisabeth Oeggerli
ab 1996:
Felix Winter (Präsident), Marianne Rubli (Vizepräsidentin), Andrée Belleville (Quästorin/Aktuarin), Elisabeth Oeggerli, Gabi Schneider
ab 1998:
Felix Winter (Präsident), Bernadette Ernst (Quästorin/Aktuarin), Elisabeth Oeggerli, Gabi Schneider, Monika Schwarzbach
ab 1999:
Elisabeth Oeggerli (Präsidentin), Monika Schwarzbach (Vizepräsidentin), Caesar Schmid (Kassier), Bernadette Ernst (Adressverwaltung), Oliver Thiele
ab 2001:
Elisabeth Oeggerli (Präsidentin), Monika Schwarzbach (Vizepräsidentin), Caesar Schmid (Kassier/Adressverwaltung), Oliver Thiele, Werner Neuhaus
ab 2003:
Elisabeth Oeggerli (Präsidentin), Caesar Schmid (Kassier/Adressverwaltung), Oliver Thiele, Werner Neuhaus
ab 2004:
Werner Neuhaus (Präsident), Urs Brander (Vizepräsident), Caesar Schmid (Kassier/ Adressverwaltung), Oliver Thiele
ab 2005:
Werner Neuhaus (Präsident), Urs Brander (Vizepräsident), Caesar Schmid (Kassier/ Adressverwaltung)
ab 2006:
Werner Neuhaus (Präsident), Urs Brander (Vizepräsident), Caesar Schmid (Kassier/ Adressverwaltung), Manuela Schneider
ab 2007:
Werner Neuhaus (Präsident), Urs Brander (Vizepräsident), Caesar Schmid (Kassier/ Adressverwaltung), Manuela Schneider, Susanne Wäfler
ab 2010:
Marianne Ingold (Präsidentin); Urs Brander (Vizepräsident/Aktuar), Manuela Schneider (Finanzen/Mitgliederverwaltung), Daniel Suter (Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederwerbung), Silke Bellanger (Aus- und Weiterbildung)
ab 2011:
Marianne Ingold (Präsidentin); Manuela Schneider (Finanzen/Mitgliederverwaltung), Daniel Suter (Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederwerbung), Silke Bellanger (Aus- und Weiterbildung/Koordination AG Aus- und Weiterbildung), Gregor Stork (Aktuar), Johannes Zaugg (Webauftritt)
ab 2012:
Marianne Ingold (Präsidentin); Manuela Schneider (Finanzen/Mitgliederverwaltung), Daniel Suter (Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederwerbung), Silke Bellanger (Aus- und Weiterbildung/Koordination AG Aus- und Weiterbildung), Gregor Stork (Aktuar), Susanne Schaub (Aus- und Weiterbildung/Koordination AG Berufsbild), Ladina Tschander (Webauftritt)
Die Anfänge
Die erste Vorstandssitzung der neu gegründeten IG WBS fand am 9. Juni 1992 in der StUB Bern statt. Gleich zu Beginn wurde eine Mitgliederbefragung lanciert. Von damals 69 Mitgliedern antworteten 49 und nannten als ihre Prioritäten berufsspezifische Weiterbildung, Ausbildungsfragen, Öffentlich-keitsarbeit und Berufsbild (10. Vorstandssitzung [VS], 4.5.93). In den folgenden Jahren dominierte die Arbeit am Berufsbild, das 1997 publiziert wurde. Unmittelbar danach folgte die Website, die von allen Seiten grosses Lob erhielt. Dank dafür gebührt Gabi Schneider, Manel da Silva und Monika Wechsler, unserer langjährigen Webmasterin!
Konstanten der Vorstandstätigkeit
Zur regulären Vorstandsarbeit gehörten damals wie heute Mitgliederverwaltung, Veranstaltungsorganisation, Vorbereitung von Mitgliederversammlungen, Statutenänderungen, Redaktion von Rundbriefen etc. Beim Lesen der älteren Vorstandsprotokolle ergibt sich so manches Mal ein „Dejà vu“ – vieles kommt uns heutigen Vorstandsmitgliedern ganz bekannt vor:
- Belastung: „Die Arbeit in der IG sollte breiter abgestützt sein. Es ist nicht gut, wenn alle Vertretungen von Vorstandsmitgliedern wahrgenommen werden und diese Doppel- und Mehrfachfunktionen innehaben.“ (30. VS, 5.10.1995)
- Zeitdruck: „Nach der nächsten Sitzung muss der Text stehen….“ (34. VS, 10.4.1996)
- Protokollführung: „Memo zu den Protokollen: Bitte diese möglichst rasch schreiben und verschicken, da sie sonst als Arbeitsinstrument (Vorbereitung der nächsten Sitzung) keinen Sinn machen.“ (35. VS, 18.6.1996)
- Länge der Protokolle: „Sorry, es ging nicht kürzer. Wir haben alle so viele kleine Jöbli gefasst…“ (42. VS, 12.2.97)
- Apéros: „‚Tagesprogramm: 15.30 Apéro‘ einfügen“ (48. VS, 5.3.98)
- Rekrutierung [siehe auch weiter unten]: „Es müssen spätestens bis Mitte Oktober zwei neue BeobachterInnen gefunden werden„. (36. VS, 18.6.96)
Vorstandskultur
Neben der Vorstandsarbeit waren und sind immer auch die persönlichen Kontakte und die Geselligkeit wichtig. Schon 1993 wurde „nach den Sitzungen etwas trinken gehen“ als wichtiger Punkt in einem Protokoll erwähnt. Gelegentlich erfolgte mit der Sitzungseinladung ein expliziter Hinweis: „ACHTUNG: Anschliessend wird über die Stränge geschlagen. Bitte die Lebensplanung entsprechend gestalten!“ (30. VS, 5.10.1995). Auch zu unkonventioneller Ideenfindung wurde aufgerufen: „Denkt in der Badewanne ein wenig darüber nach!“ (41. VS, 12.12.96). Gelegentlich lassen sich aber auch eher raue Umgangsformen erkennen: „Felix hackt nach“ steht im Protokoll der 52. Vorstandssitzung vom 21.9.98).
Wohl originellster Sitzungsort in der 20-jährigen Vereinsgeschichte war das Restaurant „Affenkasten“ in Aarau. Dort fand am 21.1.93 die 8. Vorstandssitzung statt. Die OASE am PSI (86. VS, 16.10.2006) bot dann einige Jahre später vermutlich ein eher entspannteres Sitzungsambiente.
Leider existieren nur noch ganz wenige Fotos aus der Vereinsgeschichte, insbesondere aus dem Vor-Digitalzeitalter. Umso mehr würde uns die im Protokoll der 63. Vorstandssitzung vom 8.3.2000 erwähnte „wunderschöne IG Corporate Identity Foto“ interessieren!
Die ewige Suche
Je nach Perspektive zum Glück oder leider kennt die IG WBS keine Amtszeitbeschränkung. Trotzdem kommt irgendwann für alle Vorstandsmitglieder die Zeit zum Rücktritt. Für die im Amt Verbleibenden beginnt dann die aufwendige Suche nach einer Nachfolge. Deshalb findet sich in den Sitzungsprotokollen die sanfte Aufforderung: „[XY] fragt [YZ], die anderen überlegen (und spinnen evtl. ganz zarte Fäden…)“ (74. VS, 24.9.2002), die dann mitunter in einem Aufruf wie diesem gipfelt: „Wer meldet sich? Wer meldet ruchlos andere, die von ihren Qualitäten her in den Vorstand gehören? Wir werden die Angelegenheit sehr diskret handhaben…“ (Rundbrief Nr. 31, Dezember 2003).
Bewährt haben sich persönliche Kontakte und gezieltes Ansprechen von möglichen Kandidatinnen und Kandidaten. Üblich ist jedoch folgendes Antwortschema: („Kandidatenumfrage für den Vorstand [Anm. der Red.: Namen aus Diskretionsgründen abgekürzt]: G. U.: nein. C. D.: nein. R. B.: nicht gerade jetzt, wieder anfragen. … M. W.: vielleicht nächstes Jahr, für eine Arbeitsgruppe. C. S.: nein. B. S.: nicht im Augenblick. C. W.: nein, vielleicht später. N. L.: vielleicht. U. N.: nein.“ Manchmal kommt nach geduldigem bzw. penetrantem Nachhaken (nicht –hacken!) aber doch eine positive Antwort. Und gelegentlich melden sich sogar bisher gänzlich unbekannte Mitglieder freiwillig für den Vorstand!
Mitgliederanimation
Regelmässig wiederkehrendes Thema ist die Aktivierung der Mitglieder. „Daneben sollen die Mitglieder möglichst zur Mitarbeit motiviert werden„, heisst es bereits im Protokoll der 3. Vorstandssitzung vom 24.8.1992. Ein Jahr später beklagte sich der Vorstand über „die reine Konsumhaltung der Mitglieder, die inhaltlich weder Anregungen noch Kritik vorgebracht haben„. (15. VS, 2.11. 93).
Auch bezüglich Mitarbeit im Rundbrief sind in den letzten 20 Jahren verschiedene Aufrufe ergangen. Ein Beispiel: „[Der] … Rundbrief … wird … nicht allein vom Vorstand bestritten. Das ist eigentlich im Sinne der Erfinder. [Er] … soll vor allem unseren Mitgliedern zur Verfügung stehen. Es gibt noch so viele spannende Spezialbibliotheken, an denen IG Mitglieder arbeiten und die wir noch nicht kennen, so viele Themen, von Arbeitsorganisation bis Zusammenarbeit mit Behörden, zu denen unsere Mitglie-der Substantielles zu sagen hätten, und sie tun es nicht – zumindest nicht in unserem Rundbrief. Also: Ab morgen werden wir mit Beiträgen überflutet!“ (Elisabeth Oeggerli, RB Nr. 31, Dezember 2003). Die prognostizierte Überflutung ist zwar nicht eingetroffen, doch im Moment können wir uns über mangelnde Unterstützung unserer Mitglieder bei der inhaltlichen Gestaltung der Rundbriefe nicht beklagen (auch da muss allerdings manchmal etwas sanfte Überzeugungsarbeit geleistet werden)!
1997 konnten „dank der aktiven Werbung von Felix“ auf einen Schlag sieben Neueintritte verbucht werden (44. VS, 28.7.97). Eine Massnahme, die sich auch in den letzten drei Jahren wieder bewährt hat, in denen wir über 50 neue Mitglieder begrüssen konnten. Auch die Mitgliederwerbung ist aber nicht allein Sache des Vorstandes! Die folgende Aufforderung können wir deshalb uneingeschränkt unterstützen: „An der GV sollen auch unsere Mitglieder darauf hingewiesen werden, dass es nett und nützlich wäre, wenn sie bei Gelegenheit für uns werben würden.“ (38. VS, 4.9.96).
Nicht so einfach war und ist es mit der Romandie. „Denk- und Handelssportaufgabe: Wie könnte der Mitgliederkreis in die Westschweiz ausgedehnt werden?“ steht in der Protokollnotiz zur 1. Sitzung der AG Ausbildung und Berufsbild vom 4.1.1994. Zwar wurde noch im selben Jahr der Kontakt mit der Studienleiterin des damaligen CESID (Diplôme universitaire de formation continue en information documentaire) in Genf, Yolande Estermann, aufgenommen, und die Statuten der IG WBS wurden auf Französisch übersetzt, doch einen nachhaltigen Erfolg zeitigten diese Bemühungen nicht. Als taugliche Massnahme zur Mitgliederwerbung in der Westschweiz wurden Veranstaltungen an der Sprachgrenze erachtet, doch das Thema rückte auf der Prioritätenliste immer wieder nach hinten, und irgendwann hiess es lapidar: „IG und Romandie: wird verschoben“ (62. VS, 2.2.2000). Der aktuelle Vorstand möchte dieses Ziel gerne wieder aufgreifen. Ob wir dann auch einmal verschieben, wird sich zeigen.
Schnittstellen
Von Anfang an war die IG WBS mit Marianne Rubli in der Delegiertenversammlung des BBS vertre-ten. Die Schnittstellen mit dem damals auch noch für die Ausbildung des akademischen Bibliotheks-personals zuständigen Berufsverband waren vielfältig. Neben der Erarbeitung eines Berufsbildes ge-hörten auch die Vertretung in der Aufsichtskommission und die Delegation von BeobachterInnen für die Abschlussprüfungen des Zürcher Kurses für wissenschaftliche Bibliothekarinnen und Bibliotheka-re dazu. Auch verschiedene Vorstandsmitglieder von BBS/BIS waren gleichzeitig Mitglied in der IG WBS, zuletzt Wilfried Lochbühler und Gabi Schneider. Was heute gilt, galt aber schon damals: „Unser Selbstverständnis als IG des BBS bedarf der Klärung.“ (53. VS, 13.11.98). Auch das Verhältnis zum Zürcher Kurs, heute MAS Bibliotheks- und Informationswissenschaften der Universität Zürich, sowie zu den anderen Ausbildungsgängen auf Nachdiplomstufe gilt es unter neuen Rahmenbedingungen regelmässig neu zu definieren.
P.S. Neben der IG WBS gab es in den 1990er Jahren übrigens auch eine IG der wissenschaftlichen Bibliotheken, die sich irgendwann aufgelöst hat (um sachdientliche Hinweise wird gebeten).
Zum Glück vorbei
Gar nicht unglücklich sind wir heutigen Vorstandsmitglieder darüber, dass wir uns nicht mehr mit diesen Dingen herumschlagen müssen (zumindest nicht mehr in derselben Form):
- gedrucktes Briefpapier, Adressklebeetiketten und Stempel für jedes Vorstandsmitglied
- Versand von Rundbriefbeiträgen auf „High Density Disketten“
- Fax-Korrespondenz
- Fontprobleme am Drucker: „in der Welt von Microsoft [wird] die Schrift Helvetica bloss aufgrund des Fonts Arial Sans Serif emuliert … . Wie die Schriftzeichen ausgedruckt werden, entscheidet die Bitmap des Druckers, welche in seinem EPROM gespeichert ist.“ (11. VS, 10.6.1993)
Die Rundbriefe werden nur noch elektronisch verschickt, der Vorstand hat eine gemeinsame Datei-ablage auf Wuala, und die Kommunikation geschieht zum grössten Teil via E-Mail. Trotzdem bleiben regelmässige Sitzungen und der persönliche Austausch im Vorstand und mit den Mitgliedern weiterhin zentral.
Ausblick
In unserer aktuellen Zusammensetzung sind wir auf gutem Weg und freuen uns auf die nächsten 20 Jahre IG WBS mit vielen frischen, aktiven Kräften. An die zukünftigen Veranstaltungen und Apéros kommen wir dann selbstverständlich gerne J!
