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EBLIDA: Lobbying for Libraries

23. August 2012 ·

RB 59, August 2012
Gerald Leitner

Vor 20 Jahren wurde der Dachverband der Europäischen Bibliotheksverbände EBLIDA, European Bureau of Library, Information and Documentation Associations, gegründet. Ziel war es von Anfang an, Lobbyarbeit für die Bibliotheken – vor allem auf europäischer Ebene – zu betreiben. Das Gründungsjahr 1992 kommt nicht von ungefähr. Mit einer Copyright-Direktive wollte die Europäische Union das Vermiet- und Verleihrecht in den Mitgliedstaaten der EU harmonisieren. Den europäischen Bibliotheksverbänden schwante Übles – und das zu Recht. Die Musikindustrie und auch die Verlage lobbyierten zu diesem Zeitpunkt bereits massiv für ihre Interessen in Brüssel, versuchten die Gesetzgebung zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Die Bibliotheken hatten zu diesem Zeitpunkt fast nichts dagegenzusetzen.

Mit der Gründung von EBLIDA schufen die Bibliotheksverbände ein Gegengewicht. Und das war und ist absolut notwendig. Denn alle Entscheidungen bezüglich Urheberrecht werden für alle 27 Staaten der Europäischen Union in Brüssel getroffen und die Mitgliedstaaten haben diese Direktiven in einem Zeitraum von ca. 5 Jahren in ihre nationale Gesetzgebung zu implementieren. Viele europäische Länder außerhalb der EU orientieren sich an den Copyright-Direktiven der EU. Daher ist eine Einflußnahme auf die Gestaltung dieser Direktiven für die Bibliotheken von essentieller Bedeutung.

In den letzten 20 Jahren hat dies EBLIDA ausgezeichnet getan. Jede Copyright-Direktive wurde stark beeinflusst. Ohne EBLIDA wäre diese weit restriktiver und würde den Bibliotheken weniger Möglichkeiten geben, um ihren Kernaufgaben der Vermittlung von Information und Wissen nachzukommen.

EBLIDA hat ein kleines Büro in Den Haag, Holland, mit einem Direktor und einer Sekretärin. Wichtige Grundsatz- und Positionspapiere werden von Expertengruppen, in denen Vertreter aus ganz Europa beitragen, entwickelt. Zu fast allen bibliotheksrelevanten EU-Agenden hat EBLIDA in den letzten Jahren Positionspapiere entworfen. Diese Papiere werden dann vom Direktor, dem Präsidenten und dem Vorstand in Brüssel lobbyiert. Die Mitgliedsverbände versuchen ihre nationalen Politiker und Europaabgeordneten mit diesen Grundsatzpapieren und Hintergrundinformationen, die von den EBLIDA Expertengruppen erstellten worden sind, zu beeinflussen.

Zurzeit konzentriert sich EBLIDA stark auf die Entwicklung im Bereich e-Publishing – eine zentrale Herausforderung für die Bibliotheken.
Während der 20. Jahreskonferenz in Kopenhagen im Mai dieses Jahres setzte EBLIDA erste Schritte für eine Europäische Kampagne für E-Books in Bibliotheken und veröffentlichte die Deklartion „Europäische Bibliotheken und die Herausforderungen elektronischer Publikationen“ 

„Unsere Gesellschaft steht unmittelbar vor großen Veränderungen. Die Transformation der Medien und des Informationsmarktes ist eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Sie stellt für Europa sowohl eine Chance als auch eine Bedrohung dar.
Europäische Politiker haben die Aufgabe, den freien Zugang zu Informationen, Bildung, Kultur, Freizeit und Inhalten durch öffentliche Dienstleistungen für alle europäischen Bürger zu gewährleisten. Ein im Wettbewerb stehender Markt kann nur dann Innovationen hervorbringen, wenn er sich auf gebildete und informierte Bürger stützen kann.
In diesem Zusammenhang garantieren Bibliotheken kostenlosen Zugang zu Inhalten, Informationen und Kultur für alle Bürger Europas. Der derzeit geltende Rechtsrahmen hindert Bibliotheken jedoch daran, diese essentiellen Dienstleistungen im digitalen Zeitalter für unsere Gesellschaft zu erfüllen, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklungen auf dem E-Book-Markt.

  1. Da die Vertriebsrechte nach dem ersten Verkauf erschöpft sind, können Bibliotheken veröffentlichte Werke wie Bücher von einem Buchhändler kaufen und diese Exemplare an die Bibliotheksnutzer verleihen. Dieses Vorgehen der Bibliotheken verstößt nicht gegen die Rechte des Autors (oder anderer Rechteinhaber). Somit entscheiden die Bibliotheken selbst gemäß ihrer Bestandsentwicklungsrichtlinien, welche Bücher gekauft und für den öffentlichen Verleih genutzt werden.
  2. Der Zugang zu elektronischen Dateien, das E-Lending, ist eine Dienstleistung, daher findet das Konzept der Rechteerschöpfung hier keine Anwendung, und Bibliotheken können den Zugang zum digitalen Objekt, dem E-Book oder E-Journal, nur durch eine Lizenzvereinbarung mit dem Autor (oder anderen Rechtsinhabern, z.B. Verlagen) erwerben. Es steht den Rechteinhabern frei, zu entscheiden, ob sie den Zugriff auf ein bestimmtes Werk gewähren und die Bedingungen für diesen Zugriff festlegen wollen. Daraus folgt, dass in diesem Fall Verleger über das Angebot in den öffentlichen Bibliotheken entscheiden und nicht die Bibliotheken mit ihrem öffentlichen Auftrag.
  3. Dass die Bestandsentwicklung der Bibliotheken von Verlegern festgelegt werden kann und Verleger darüber entscheiden, ob die europäischen Bürger freien Zugang erhalten sollen, ist eine wesentliche, und unserer Meinung nach nicht akzeptable Veränderung. Wir stehen vor der Herausforderung, eine Lösung für dieses Problem zu finden.

EBLIDA schlägt deshalb Folgendes vor:

a. Eine Absichtserklärung mit dem Verband der Europäischen Verlage zu „Fairen Lizenzvergabemodellen” zu vereinbaren;
b. Eine Aktualisierung des Urheberrechts für E-Books, E-Lending und E-Content, die es Bibliotheken ermöglicht, ihre Leistungen weiterhin für alle Bürger Europas anzubieten.“

Mit dieser Kampagne versucht EBLIDA, die Aufmerksamkeit von Politikern und Bürgern auf die Gefahren und Risiken, die die derzeitige Situation für Bibliotheken und ihre Benutzer birgt, zu lenken. Bibliotheken haben neue Angebote im immer größer werdenden E-Book-Sektor zu erstellen. Sie wollen es auch. Aber zurzeit kann die Erwerbspolitik von den Verlagen und nicht von den Bibliotheken bestimmt werden. Dies ist keine hypothetische Gefahr, sondern eine ganz reale, wie uns die Beispiele der 6 größten amerikanischen Verlagshäuser zeigen. Und dies kann zu einer großen Gefahr im Hinbllick auf den freien Zugang zu Informationen werden.

EBLIDA glaubt, dass nur ein vielfältiges Buch-Ökosystem mit starken Bibliotheken als Repräsentanten des Öffentlichen Sektors in Zusammenarbeit mit Verlegern, Buchhändlern, Autoren und Web-Aggregatoren, einen umfassenden Zugang zu Information und Kultur gewährleisten kann.
Um die gegenwärtige Situation zu beobachten, die Kampagne voranzutreiben und Kontakt mit den Bibliotheken zu halten, hat EBLIDA eine Task Force zu diesem Thema eingerichtet.

Machen Sie mit!

Gerald Leitner ist Geschäftsführer des Büchereiverband Österreichs, Vorstandsmitglied der EBLIDA und war 2007 – 2012 Präsident. Er leitet die Task-Force for E-Publishing in der EBLIDA. Als IFLA-Vorstandsmitglied und Vorsitzender von IFLA-MLAS versucht er, die Aktivitäten von EBLIDA und IFLA auf diesem Gebiet zusammenzuführen.

Wissenschaft und Forschung International, Urheberrecht

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