Marianne Ingold und Johannes Zaug
Generalversammlung 2011
Die diesjährige Generalversammlung fand am 2. September im wunderschönen Stadttheater Olten statt. Der Antrag, Interessengruppen neu als beitragspflichtige Mitgliederkategorie zu behandeln und die Statuten entsprechend zu ändern, wurde zurückgewiesen und mit dem Auftrag an den Vorstand verbunden, den Vorschlag bis zur nächsten GV bezüglich Beitragsmodell und Gegenleistungen des Verbandes zu präzisieren. Für den vakanten Vorstandssitz (Rücktritt von Wilfried Lochbühler) stellte sich leider niemand zur Verfügung, so dass der BIS-Vorstand ab 2012 auf vier Personen reduziert ist. Die Präsidentin Yolande Estermann kündigte ihren altersbedingten Rücktritt per Ende 2012 an.
5 Dosen LSD in 3 Runden
Nach einem feinen Mittagessen wagten sich die verbliebenen ca. 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ans Spezialitäten-Dating. Dieses bestand aus fünf Gesprächsrunden, aus denen drei gewählt werden konnten. Zu jedem Thema gab der/die jeweilige Moderator/in zunächst einen Input, bevor in der Runde diskutiert wurde. Wie beim World Café mischten sich bei jeder Runde die Teilnehmenden neu.
Utopie einer Dokumentation
Gibt es eine „ideale“ Dokumentation und wenn ja, wie sieht sie aus? Herbert Staub, Leiter der Textdokumentation SRG und Vorstandsmitglied BIS, stellte zu Beginn Passagen aus einem undatierten Text von Ludwig A. Minelli vor, der wichtige Elemente der idealen Dokumentation aufführt: sie soll kostenlos sein, alle Fakten, Hintergründe, Meinungen und Gedanken (!) enthalten, und sie soll allen Personen unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft zur Verfügung stehen. In der Diskussion zeigte sich, dass einzelne von Minellis Punkten auch heute noch zutreffen, andere wiederum (z.B. Kostenlosigkeit) sich als zu visionär präsentieren. Abschliessend bleibt der Eindruck, dass es oft gar nicht so schlecht anmutet, über eine mittlerweile jahrzehntealte Vision zu diskutieren.
Digitale Bibliotheken
Inwiefern können sich Bibliotheken hinsichtlich digitaler Angebote und Dienstleistungen verbessern? Als ein Aspekt dieser Frage stand in der Diskussionsrunde mit Stephan Holländer das Thema eBooks im Zentrum: einerseits das eBook als Verlagsangebot mit zurzeit – zumindest in der Schweiz – noch äusserst bescheidenem Erfolg (erst 2 % Marktanteil bei Belletristik), andererseits die eigenen Erfahrungen der Teilnehmenden mit eBooks. Während die einen sich noch kaum vorstellen können, mit einem eBook-Reader anstelle eines (schweren) Stapels Bücher in die Ferien zu fahren, haben andere damit bereits erste positive oder negative Erfahrungen gesammelt. Vor- und Nachteile von eBook-Readern oder ob sich deren Einsatz in Bibliotheken lohnt, waren Fragen, die nur ansatzweise behandelt werden konnten. Die Fachdiskussion in diesem Bereich wird aber sicher noch weitergehen.
Bibliotheken (um)bauen?
In dieser Runde präsentierte Josephine Siegrist, Direktorin der Pestalozzi-Bibliothek Zürich, diverse Bau- und Umbauprojekte von Zweigstellen, die in den letzten Jahren realisiert wurden (Sihlcity, Riesbach, Witikon, Interkulturelle Bibliothek Hardau) oder noch realisiert werden (Oerlikon, Unterstrass). Wichtige Erkenntnis: der Standort ist ganz entscheidend für den Erfolg– das aus der Immobilienbranche altbekannte „Location, location, location“ gilt auch für Bibliotheken! Ebenfalls empfehlenswert ist eine sehr genaue Vorstellung der Bibliotheksleitung bezüglich räumlicher Gestaltung (möglichst viele Beispiele anschauen!) und eine enge, intensive Zusammenarbeit mit den zuständigen ArchitektInnen. Sehr schön waren die Fotobücher der verschiedenen (Um-)Bauprojekte, die ohne grosse Kosten mit eigenen Fotos produziert und sowohl als Dokumentation wie als Marketingmittel gegenüber Leistungsträgern etc. dienen können.

Zeit und Management
Eine zwar altbekannte, aber von den meisten Arbeitstätigen wohl trotzdem nicht aktiv angewandte Zeitmanagementmethode stellte Hans Ulrich Locher vor: die sogenannte Eisenhower- oder Q4 (für 4 Quadranten)-Methode. Dabei werden alle anstehenden Aufgaben in regelmässigen Abständen in die Matrix wichtig/dringend (Q1); wichtig/nicht dringend (Q2); nicht wichtig/dringend (Q3) und nicht wichtig/nicht dringend (Q4) eingeteilt. Dadurch soll vermieden werden, dass die wichtigen, aber nicht so dringenden Aufgaben gegenüber zwar dringenden, aber eigentlich unwichtigen Aufgaben zu kurz kommen. Sonst werden die wichtigen Aufgaben entweder nie erledigt oder werden plötzlich dringend und verursachen Stress und Zeitdruck. Kommt uns das nicht allen irgendwie bekannt vor? Ein Literaturtipp zum Thema: Steven R. Covey, Die sieben Wege zur Effektivität.
Humor als Schwimmring
Ganz anders der Tipp von Clown und Humorberater Pello (http://www.pello.ch/): „GAR NICHTS MACHEN!“ Auch das muss nämlich ab und zu sein: einfach mal die Luft rauslassen, (echte) Seifenblasen produzieren, die persönliche Balance finden und an der Humortankstelle gute Laune für sich und sein Umfeld tanken. Ein ganzes Sammelsurium an lustigen und kuriosen Utensilien hielt Pello für die Teilnehmenden bereit, und zum Schluss der Veranstaltung zeigte er sein Können noch in einer kurzen Bühnenshow. Pellos Humorarbeit beschreiben kann man nicht wirklich – am besten erlebt man sie selbst!
