Alice Spinnler
Streiflichter auf das bibliothekarische Programm
Das bibliothekarische Programm im Rahmen der 35. Jahrestagung der Gesellschaft für Klassifikation fand vom 31.8.-1.9.2011 in Frankfurt a. M. statt. Unter dem Titel „Inhaltserschließung 2011: Lösungen suchen – Visionen bewahren“ wurde in den zwei Tagen viel Wissenswertes zur Sacherschliessung präsentiert: verbale Erschliessung, Klassifikationen, automatische Sacherschliessungsverfahren, Erschliessung von multimedialen Objekten und Musikdokumenten. Ausserdem wurde eine Diskussion zur Sacherschliessung in und mit der Wikipedia angestossen. Letzteres nur als Idee, die in den kommenden Monaten reifen und wachsen soll.
Ich habe drei Präsentationen herausgepickt, die für die tägliche Arbeit von Nutzen sind:
Erschliessungsdaten besser nutzen: Geographische Recherche mit SWD-Ländercodes
(Heidrun Wiesenmüller/Stuttgart und Magnus Pfeffer/Mannheim)
In den Normdaten steckt viel Fleiss und Wissen, was aber von OPACs und Suchmaschinen kaum genutzt wird. Allgemein bekannt dürften Ober-, Unter-, Synonym- und verwandte Begriffe sein. Die SWD enthält aber auch eine Systematik und Ländercodes, die sehr gut für die Recheche nutzbar gemacht werden können.
Tests des Bibliotheksservice-Zentrums Baden-Württemberg (BSZ) haben gezeigt, dass mit der Abfrage von Ländercodes der Recall gesteigert werden kann. Ländercodes verweisen auf das Land; für Deutschland, Österreich und der Schweiz wird noch in Kantone und Bundesländer unterteilt. Sie sind deshalb eine ideale Ergänzung zum engen Schlagwort der RSWK, da über die Ländercodes die zu einem Land gehörigen Geographika zusammengefasst werden können.
Die Ländercodes werden in „Heidi“ (UB Heidelberg) in der Facette „geographischer Bezug“ angezeigt; auch im Primo-Katalog der UB Mannheim werden Ländercodes als Facette wiedergegeben.
Qualitäten im Chaos: Ergebnisse des Projekts Collaborative Tagging
(Christine Krätzsch, Mannheim)
Das Tagging-System wurde von den Benutzern kaum wahrgenommen; eine Hemmschwelle könnte evtl. die Registrierung gebildet haben.
Das Fazit des Projekts ist:
- Qualität ist abhängig vom Interesse der Nutzer
- benötigt wird eine entsprechend grosse Anzahl Nutzer, die Tags vergeben
- entspricht nur zu einem kleinen Teil den Anforderungen an eine Sacherschliessung
Daraus folgt:
- intellektuelle und automatische Verfahren sowie Tagging parallel anwenden
- keine Vermischung der Verfahren, Vor- und Nachteile der Verfahren kenntlich machen
- an Bibsonomy o.ä. anbinden
- Aktualität des kontrollierten Vokabulars kann durch Einbinden von Tags gesteigert werden
Informationen zum Projekt: http://www.bib.uni-mannheim.de/485.html
NSW-Online – das elektronische Tool zur Liste der fachlichen Nachschlagewerke zu den Normdateien (GKD, PND, SWD)
(Margit Sandner, Wien)
Die UB Wien hat die Liste der fachlichen Nachschlagewerke, welche die Grundlage für das Ansetzen neuer Schlagwörter bildet, als online Tool einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht (http://www.univie.ac.at/nsw/). Es ist möglich, die Nachschlagewerke mit dem eigenen Bibliothekskatalog zu verlinken. Über die Webseite/Hilfe kann Wien um die nötigen Informationen angefragt werden.
