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Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

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Andreas Ledl

22. September 2013 ·

Andreas Ledl

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Andreas Ledl

Im letzten Rundbrief hat sich Gabi Schneider für die Rubrik „Mitglied im Fokus“ einen Kollegen ausgebeten, der noch am Beginn seiner beruflichen Laufbahn steht. Sofern man das streng auf das Bibliothekswesen bezieht, erfülle ich dieses Kriterium wohl. Bevor ich jedoch im Mai 2008 die Fachrefe­rate Psychologie, Pädagogik, Hochschulwesen und Medien­wissenschaft (inzwischen gegen die Philosophie eingetauscht) an der UB Basel übernommen habe, ging mein Weg eher Rich­tung akademische Karriere.

 Nach meinem Studium der Erziehungswissenschaft in Regensburg – ich bin also Deutscher, pardon Bayer, gebürtig aus der Stadt der RVK! – landete ich für sechs Jahre als Assistent am Institut für Allge­meine Pädagogik und Erwachsenen-/Weiterbildung der Universität Flensburg. Nach abgeschlossener Promotion merkte ich allerdings sehr schnell, dass eine wissenschaftliche Laufbahn für mich eher nicht in Frage kommt. Eindrücklich geblieben ist mir mein erstes „Vorsingen“ für eine Juniorprofessur in Trier: Ich habe weder in der Nacht davor noch danach ein Auge zugetan, weil ich so voller Adrenalin war. In der Überzeugung, dass mich weitere Anlässe dieser Art ins Grab bringen würden, musste folg­lich eine berufliche Alternative her. Als meine Frau dann eines schönen Tages in einem Park in Berlin-Pankow „Geh‘ doch in den höheren Dienst“ vorschlug, erkundigte ich mich und siehe da, es gab zwei Möglichkeiten: Diplomat oder wissenschaftlicher Bibliothekar, genauer Fachreferent. Da meine Sprachkenntnisse für eine diplomatische Laufbahn bei weitem nicht ausreichten – und ich wahrschein­lich ohnehin nicht diplomatisch genug bin – blieb das Bibliothekswesen.

Anfangs sah es so aus, als sei mir diese Idee ein halbes Jahr zu spät gekommen, denn in den meisten deutschen Bundesländern findet die Ausbildung zum wissenschaftliche Bibliothekar als Referendariat (Beamter auf Widerruf) statt und war damals nur bis zur Vollendung des 32. Lebensjahres möglich. Ich hingegen hatte mein 33. schon begonnen, weswegen mir nur das Volontariat in Sachsen oder Thürin­gen blieb, wo es solche Altersgrenzen nicht gibt. Die Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/ Gotha (http://www.uni-erfurt.de/bibliothek/) stellte mich schliesslich ein und gab mir Gelegenheit, eine wissenschaftliche Bibliothek von einer ganz neuen Seite kennen zu lernen –  bisher war mir nur die Nutzerperspektive geläufig. Theoretisch unterfüttert wurden meine praktischen Erfahrungen durch das postgraduale Fernstudium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, die im Unterschied zur Universität Zürich einen „echten“ Master-Abschluss (MA) dafür vergibt (https://www.ibi.hu-berlin.de/de/studium/studiengaenge/fernstudium/fstartseite).

 Als dann nur 4 Monate nach Beginn meiner WiBi-Ausbildung, die in Deutschland eigentlich 2 Jahre dauert, die UB Basel unter anderem das Fachreferat Pädagogik zur Neubesetzung ausgeschrieben hat, sah ich meine Bewerbung eher als Übung für spätere Gelegenheiten an. Dass ich die Stelle gleich be­kommen habe, war natürlich umso schöner und bringt mich ans Ende der etwas lang geratenen Vor­rede. Worauf ich hinaus will, ist folgender Punkt: Während in Deutschland die „Laufbahnprüfung für den höheren Bibliotheksdienst“, welche man nach abgeschlossenem Referendariat bzw. Volontariat er­langt, ein relativ starres und formales Anstellungskriterium ist, sind die Hürden in der Schweiz nied­riger. Hier ist es kein Problem, das MAS-Studium berufsbegleitend neben der Betreuung der Fachre­ferate zu absolvieren. Entsprechend verwundert haben sich die Kolleginnen und Kollegen an der UFB Erfurt/Gotha auch die Augen gerieben, als ich ihnen eröffnete, als Fachreferent nach Basel zu gehen.

 Ich möchte mich nun nicht zu einem Vergleich der Bibliothekswesen beider Länder aufschwingen, schon weil ich nur über sehr punktuelle Kenntnisse verfüge. Was mir jedoch gleich aufgefallen ist, ist die entspannte Atmosphäre, die im Kollegenkreis herrscht. Das meine ich nicht bezogen auf die Ernst­haftigkeit, mit der hier wie überall sonst die Arbeit verrichtet wird, sondern auf den Umgang unter­einander. Mir wurde es jedenfalls sehr leicht gemacht, mich als damals noch einziger deutscher Fach­referent der UB Basel zu etablieren – inzwischen sind wir zu dritt.

Wenn man das Fach Pädagogik betreut, kommt früher oder später fast schon zwangsläufig das Thema Informationskompetenz auf einen zu. Zusammen mit einer Kollegin aus der Informationsabteilung leite ich das Projekt gleichen Namens, für das eigens eine 50%-Stelle geschaffen wurde. Unser Ziel ist es, möglichst viele eigenständige Veranstaltungen zur Vermittlung von IK ins Curriculum einzubringen, und ab dem Frühjahrssemester 2011 nehmen bereits 11 Institute dieses Angebot wahr. Sobald die Seminare, für die jeweils 3 ECTS vergeben werden, in African Studies, Anglistik, Gender Studies, Nanowissenschaften, Osteuropa-Studien, Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Soziologie, Sportwis­senschaft und Theologie begonnen haben, sind wir eine Teaching Library im besten Sinne. Gemeinsam mit der jeweiligen Kollegin oder dem jeweiligen Kollegen aus dem Fachreferat, welche den Bereich Datenbanken abdecken, bin ich in grossen Teilen für die Durchführung der Kurse zuständig, die den Bogen von der Ermittlung des Informationsbedarfs über die Entwicklung einer Suchstrategie, die Infor­mationsrecherche selbst und die Beurteilung der gefundenen Ressourcen bis hin zu deren effektiver Nutzung spannen.

Weil ich schon immer gerne mit Studierenden gearbeitet habe und die sich im gegenseitigen Austausch ständig neu ergebenden Situationen und Fragestellungen in Seminaren sehr schätze, schliesst sich für mich hier der Kreis zu meiner „vorbibliothekarischen“ Zeit. Ich kann eine Dozententätigkeit ausüben, ohne dem Publikationsdruck früherer Tage ausgesetzt zu sein. Gleichzeitig geniesse ich die Freiheit, kleinere Vorträge zu halten, mich als Herausgeber oder Autor publizistisch zu betätigen oder vom reichhaltigen Fort- und Weiterbildungsangebot im bibliothekarischen Bereich Gebrauch zu machen.

Was mir am Beruf des Fachreferenten besonders zusagt, ist der vielfältige Arbeitsalltag, der neben den klassischen Aufgaben wie Literaturauswahl, Sacherschliessung und der Vermittlung von IK noch zahl­reiche weitere, für mich spannende Aspekte beinhaltet. Ich denke da z.B. an den regelmässigen Kon­takt mit den Instituten, meine Tätigkeit im Fachreferentenausschuss, die schweizweite AG Informa­tionskompetenz oder die AG WebOPAC-Ablösung, wo wir darüber diskutieren, ob, wann und unter welchen Voraussetzungen eine lokale Ansicht von Swissbib den Basler/Berner Aleph-Katalog mög­licherweise irgendwann beerben könnte. Bei solchen und weiteren Gelegenheiten ist es auch stets inte­ressant, Kolleginnen und Kollegen aus anderen UBs oder Z(H)Bs zu begegnen.

Das Berufsbild entwickelt sich zudem laufend weiter, ich muss mir also keine Sorgen über aufkom­mende Monotonie machen, das Bibliothekswesen scheint mir – vielleicht entgegen seines Images und seiner „preussischen“ Vergangenheit – ein sehr innovationsfreudiger Sektor zu sein.

Als relativ neues Mitglied der IG WBS würde ich mich künftig gerne auch stärker in die Verbands­arbeit einbringen.

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