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Informationskompetenz: das Phantom der Bibliothekare

22. September 2010 ·

RB 53, Januar 2011
Elisabeth Oeggerli (Text), (Bilder)

Kurzreferat am Workshop „Vermittlung von Informationskompetenz als neue Kernaufgabe von FachreferentInnen?“ der AG IK und der IG WBS vom 1.9.2010 in Lausanne

Ein schöner Titel, nicht wahr, meine Damen und Herren. Doch schon höre ich informationskompetente Bibliothekarinnen und Bibliothekare rufen: „Plagiat, Plagiat“. Das Schaffen von intertextuellen Bezü­gen gehört aber ganz selbstverständlich zum Instrumentarium kulturwissenschaftlichen Schreibens, das macht eine Plagiatsdiskussion komplex, und simplifizierende Vorstellungen von Plagiarismus haben in diesem Bereich nichts zu suchen. Doch auch in weniger textzentrierten Wissenschaften gibt es keine fachunabhängige Plagiatsdiskussion, diese ist also kein Betätigungsfeld für Bibliothekare.

Dabei steht Plagiarismus nur stellvertretend für ganz vieles. Das Konzept Informationskompetenz ist geprägt von Grenzüberschreitungen in Bereiche, in denen Bibliothekare bestenfalls dilettieren können. Die medialen Entwicklungen haben in gewissen Köpfen ganz merkwürdige Verheerungen angerichtet: Die unbestrittenen eigenen Kompetenzen werden abgewertet, dafür will man dort mitmischen, wo die Voraussetzungen dazu gar nicht gegeben sind. Unser Bibliothekar im Schneckenloch: und was er kann, das will er nicht, und was er will, das kann er nicht.

Doch zurück zum Titel: Worum geht es denn im «Phantom der Oper», dem multimedialen Plot, auf den angespielt wird: In den unübersichtlichen Gefilden einer wichtigen kulturellen Institution treibt ein Phantom zweifelhafter Herkunft sein Unwesen. Niemand kennt es. Es hat Identitäts- und Imagepro­bleme, verlangt aber der Institution, in der es sich eingenistet hat, einiges an Ressourcen ab, und es ist einer Schönheit verfallen, die an seinen Avancen gar nicht interessiert ist. Die Geschichte endet be­kanntermassen tragisch, wenigstens für das Phantom, das an gebrochenem Herzen stirbt. Damit sind die Kernpunkte der Diskussion um die sogenannte Informationskompetenz präzise erfasst, die Sache ist bewertet, ohne dass man Klartext sprechen müsste. Selbstverständlich mache ich das trotzdem. Da wäre als erster Punkt:

Die zweifelhafte Herkunft

Das Konzept Informationskompetenz stammt aus dem angelsächsischen Bildungs- und Bibliotheks­wesen. Das hat seine eigenen Strukturen, Inhalte und Probleme, die mit denjenigen in der Schweiz wenig gemeinsam haben. Ähnliches gilt für Deutschland. Eine Adaption an unsere Verhältnisse hat nicht stattgefunden, eine sinnvolle Diskussion würde aber genau das voraussetzen.

Das unbekannte Wesen

Nach vielen Textseiten zur Informationskompetenz weiss ich noch immer nicht, was das konkret sein soll, und der Phantomcharakter zeigt sich auch in der Bezeichnung: Informationskompetenz ist im uni­versitären Umfeld ein reiner Pleonasmus. An Universitäten wird Wissenschaft betrieben, und Wissen­schaft IST Information, und sonst gar nichts. Handwerkliche Fähigkeiten sind nicht gefragt (und auch diese sind, neurologisch gesehen, ganz einfach Information). Lassen wir also den weissen Schimmel, und nennen wir die Kompetenzen, die wir meinen, beim Namen.

Das Imageproblem

In Amerika und auch in Deutschland verbergen sich hinter dem Konzept bibliothekarische Probleme mit dem eigenen Stand. Es ist geprägt von Sendungsbewusstsein, in den USA nicht weiter erstaunlich, und von einer merkwürdigen Angst, durch die neuen Medien an Status zu verlieren, sogar überflüssig zu werden oder umgekehrt, von der Hoffnung auf Statusgewinn und auf eine Universitätskarriere light.

Die Wissenschaft, die unwillige Schöne

Die Diskussion um die sogenannte Informationskompetenz wurde und wird von Bibliothekaren ini­tiiert und geführt, und nicht von Universitäten. Die Universität Basel erwartet von der UB, und damit von den Fachreferenten, explizit einen hervorragenden, auf die lokalen Bedürfnisse von Studium, Leh­re und Forschung massgeschneiderten Bestand, Haute Couture, nicht H & M, sprich Halbkonfektion und Massenware. Die Mitarbeit an einer professionellen und transparenten Erschliessung und bei der Vermittlung, damit dieser Haute Couture Bestand auch gefunden und optimal genutzt werden kann, gehört dazu, wieweit diese Vermittlung aber gehen soll und ab wann sie Teil der universitären Lehre wird, das ist von Fach zu Fach sehr unterschiedlich. Über die universitäre Lehre aber bestimmt aus­schliesslich die Universität.

Das tragische Ende

Soll diese Diskussion nicht dazu führen, ist es überfällig, auf gewisse Luftschlösser zu verzichten. Universitäten warten nicht auf den Furor paedagogicus der Bibliothekare. Wissenschafter erwarten in den Bibliotheken Partner, die sich als Dienstleister verstehen, die Angebot und Prioritäten nach Mög­lichkeiten und Bedarf entwickeln und nicht an den Kunden vorbei oder gegen sie.

Wissenschaft und Forschung IGWBS-Veranstaltung, Informationskompetenz

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