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Alter Wein in neuen Schläuchen? Der MAS-Kurs „Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ an der Universität Zürich

16. April 2010 ·

RB 51, April 2010
Daniel Suter

Im Frühjahr 2007 absolvierten die letzten Kolleginnen und Kollegen den BBS-Kurs für Wissenschaft­liche BibliothekarInnen, der während Jahrzehnten an der Zentralbibliothek Zürich organisiert worden war. Für viele IG WBS-Mitglieder war der Zürcher „WiBi-Kurs“ der Einstieg in die Bibliothekswelt. Doch im Zeitalter der Bologna-Reform und der zunehmenden Akademisierung der meisten Berufsfel­der war ein Verbandsdiplom nicht mehr zeitgemäss. Schon vor Jahren war von Alumni der Wunsch nach einem staatlich anerkannten Abschluss geäussert worden. Ähnlich fielen die Ergebnisse einer Umfrage unter Absolventinnen des WiBi-Kurses 2006 aus.

Noch im selben Jahr wurden Verhandlungen mit der Universität Zürich aufgenommen – mit Erfolg. Im Winter­semester 2007/08 konnte der Master of Advanced Studies-Kurs (MAS) in „Bibliotheks- und Informations­wissenschaft“ als Weiterbildungsangebot der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich starten. Im Len­kungsausschuss sitzen deshalb nun neben den Vertretern der grossen Universi­tätsbibliotheken auch solche aus der Phil. I Fakultät der Universität Zürich. Die Studiengangleitung liegt zurzeit bei Susanna Bliggenstorfer und Andrea Malits von der ZB Zürich.

Wer nicht den ganzen MAS-Kurs absolvieren will, kann mit dem Besuch einzelner Module das Diploma of Advanced Studies oder das Certificate of Advanced Studies erwerben und so dennoch ein „Diplom“ in den Händen haben – eine Möglichkeit, welche die GasthörerInnen des alten WiBi-Kurses nicht hatten.

Für die Kursstruktur bedeutete die Neuorganisation nach den Vorgaben von Bologna, dass der Besuch der einzelnen Module, die es de facto ja schon immer gegeben hatte, per Leistungsnachweis (Prüfung, Aufsatz, Vortrag oder Lerntagebuch) mit ECTS-Punkten abgeschlossen wird. Und statt einer grossen Prüfungsrunde markiert nun eine schriftliche MAS-Arbeit das Kursende. Der grossen Paukerei am Schluss des WiBi-Kurses weint wohl niemand eine Träne nach. Auch wenn das neue System durchaus auch seine Tücken hat, denn das Abstottern der Leistungsnachweise kann in manchen Fällen Erinne­rungen an die „Proben“ und „Tests“ der Schulzeit wecken. Grundsätzlich ist es aber zu begrüssen, dass die Leistungsnachweise während der Module gemacht werden können, wenn die Lerninhalte noch frisch sind.

Abgesehen von diesem Prüfungs- und Bewertungssystem schien der Kurs aber auf den ersten Blick dem Vor­gänger sehr ähnlich. Nicht nur die Örtlichkeiten in der ZB, sondern auch viele Dozenten und Dozentinnen waren dieselben geblieben. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich dann aber, dass die Organisatoren gewisse Kursinhalte den neuen Anforderungen an die wissenschaftlichen Biblio­thekarinnen und Bibliothekare angepasst haben. So wurden nun folgende Themen deutlich stärker gewichtet:

  • Vermittlung von Informationskompetenz
  • Management: Organisation und Führung, Projekt-, Veränderungs- und Personalmanagement
  • Bestandeserhaltung und Langzeitarchivierung, vor allem auch im Bereich der audiovisuellen Medien
  • Informatik und Informationstechnologie wurden um die für Bibliotheken wichtigen Themen wie Information Retrieval erweitert.

 Die Umstellung des Kurses kann nach diesem ersten Durchgang als Erfolg gewertet werden. Die aka­demische Aura des Titels „MAS Universität Zürich“ hat aber bei einigen Teilnehmenden hohe Erwar­tungen an die Inhalte geweckt, die in manchen Modulen enttäuscht wurden. Darin zeigt sich wohl die grundsätzliche Problematik von Nachdiplomausbildungen, die den Spagat zwischen Praxisorientierung und „Wissenschaftlichkeit“ versuchen.

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