
Wie sind Sie wissenschaftliche Bibliothekarin geworden?
Nach dem Phil.I-Studium und einer mehrjährigen künstlerischen Tätigkeit mit Galerie arbeitete ich zunächst in der Stiftsbibliothek St.Gallen. 1999/2001 absolvierte ich das Nachdiplomstudium IuD an der HTW Chur.
Welches sind Ihre gegenwärtigen Haupttätigkeiten?
Seit dem 1. November 2001 bin ich in der Kantonsbibliothek Vadiana als Leiterin der Publikumsdienste tätig. Ich schätze den Kontakt zum Publikum ebenso wie die Arbeit im Büro. Als Leiterin eines Teams von zehn Mitarbeitenden und als Mitglied der Geschäftsleitung kann ich in vielen Bereichen mitgestalten. Unsere Bibliothek hat eine ideale Grösse, so bin ich neben der Ausleihe, Information und Fernleihe auch für Teile der Öffentlichkeitsarbeit und für Veranstaltungen wie z.B. die Museumsnacht zuständig. Ausserdem betreue ich das Fachreferat Matriarchatsforschung mit internationaler Literatur zu Ethnologie, Frau und Gesellschaft. Es ist die weltweit erste Sammlung zum Thema Matriarchat (www.matriarchiv.info).
Das Bibliothekswesen ist im Umbruch: Welche Rolle spielen Entwicklung und Innovation für Ihre Tätigkeit und wie halten Sie sich auf dem Laufenden?
Auch unsere Bibliothek steht vor digitalen Herausforderungen. Bereits 2008 führten wir als erster Verbund das eBook-Angebot „Onleihe“ ein und bauten es kontinuierlich aus. Ab Sommer 2013 werden knapp 100 Bibliotheken aus der Ostschweiz, der Region Zürich und aus dem Fürstentum Liechtenstein zur Digitalen Bibliothek Ostschweiz (www.dibiost.ch) gehören. Mein Team betreut die Hotline in Zusammenarbeit mit dem SBD und hat sich dadurch viel e-Medien-Knowhow angeeignet. Die Onleihen verdoppeln sich jedes Jahr, aber auch unsere klassischen Ausleihen steigen kontinuierlich.
Mein Arbeitsplatz ist eine 1907 erbaute Magazinbibliothek. Pläne für einen Neubau im Stadtzentrum bestehen seit Jahren. Nun zeichnet sich nach einer erfolgreichen Bibliotheksinitiative und einem neuen Bibliotheksgesetz eine provisorische Lösung in der St.Galler Hauptpost ab. Rund 70’000 Medien werden ab 2014 gemeinsam mit der Stadtbibliothek in Freihandaufstellung zugänglich sein. Das ganze Team der Publikumsdienste und die Ausleihe zügeln und es ist klar, dass dies grosse Veränderungen in den Arbeitsabläufen ergibt.
Über welche Kanäle tauschen Sie sich aus?
Bei solchen Herausforderungen helfen mir Bibliotheksbesichtigungen, Weiterbildungen, Tagungen des BIS sowie Bibliothekskongresse im In- und Ausland. Als Präsidentin der BIS-Arbeitsgruppe Document Delivery schätze ich den Austausch über Fernleihe- und Ausleihfragen. Im Fachreferat halte ich mich u.a. über eine internationale e-Group à jour, die nach dem zweiten Weltkongress für Matriarchatsforschung entstand und Forschende aus allen Kontinenten umfasst.
Was gefällt Ihnen besonders an ihrer jetzigen Stelle und/oder allgemein an ihrem Beruf?
An meinem Arbeitsplatz schätze ich ganz besonders die Möglichkeit, Ideen einbringen und umsetzen zu können. So organisierte ich in Zusammenarbeit mit der Akademie HAGIA 2011 in St.Gallen einen Matriarchatskongress mit rund 500 Teilnehmenden und konnte bei dieser Gelegenheit einem internationalen Publikum das MatriArchiv bekannt machen.
