Ladina Tschander
INETBIB (Internet in Bibliotheken), als fachbibliothekarische Mailing- bzw. Diskussionsliste bekannt, veranstaltet regelmässig auch Tagungen. Ziel sowohl der Liste als auch der Tagungen ist, BibliothekarInnen über die effiziente Nutzung des Netzes und der Netze zu informieren.
Vorträge
Die drei Tage waren in thematische Blöcke (wie „wissenschaftliches Arbeiten in der Zukunft“ , „Open Access und Repositorien“ oder „Mobile Apps und E-Books“) eingeteilt. Die Vorträge fanden alle im hellen, grosszügigen Audimax der Humboldt Universität Berlin statt, das genug Platz für alle TeilnehmerInnen bot. Sämtliche Beiträge sind über das Tagungsprogramm (http://www.ub.uni-dortmund.de/inetbib2013/) bzw. über den Eldorado-Server der TU Dortmund (https://eldorado.tu-dortmund.de/handle/2003/29833/browse?type=title&submit_browse=Titel) nachzulesen.
Im Bereich der Grundlagenreferate hat W. Coy aus der Sicht der Informatik die stärkere Abbildung der Dinge im Netz, aber auch Rückwirkungen des Netzes auf die reale Welt (z.B. via RFID, Ortung etc.) als einen Grundtrend herausgestellt. Immer mehr wird medial dargestellt, aber der Umgang mit Information wird zunehmend oberflächlicher. Beherzt schloss Coy seine Ausführungen mit der Aufforderung, die Urteilskraft der Studierenden zu stärken, dann würde vieles besser.
Einen grundsätzliche Wandel im Aufgabenbereich von Bibliotheken sieht H. Degkwitz (Direktor UB Berlin) durch den Wechsel von Medien zu Daten, die strukturell vielfältig, kontextualisiert und dynamisch sind. So müssen sich Serviceportfolios von Bibliotheken darauf ausrichten, die Vielfalt von Formaten zu erfassen und Daten zu verlinken. Dass die Bibliotheken im Bereich Forschungsdaten und Datenmanagement (Stichworte dazu wären Metadaten, Thesauri, Normdaten, Zitationsfähigkeit oder Langzeitarchivierung) eine wichtige Rolle spielen, hob auch P. Schmitz (RWTH Aachen) am letzten Tagungstag hervor – Themen, die auch in zahlreichen Vorträgen am Bibliothekartag 2012 besprochen worden sind.
Inspirierend (oder zur Anwendung auffordernd) waren die Vorträge zu E-Books und einem günstigen, einfach einzuführenden Navigationssystem. Das Potential von E-Books sei noch nicht ausreichende ausgeschöpft, so R. Mumenthaler und B. Wenk (HTW Chur). Technisch gesehen nutzen E-Books die aktuellen multimedialen Möglichkeiten nur wenig aus und sind oft durch Formate (pdf) oder DRM in der Produktion eingeschränkt. Die Vortragenden plädieren deshalb dafür, dass Bibliotheken mit Hilfe offener Plattformen (bspw. EPUB3 oder pressbooks) selbst E-Books herstellen sollen. Ein ideales E-Book basiert auf EPUB3 und kann neben Texten auch Videos, animierte Grafiken oder Audiodateien enthalten. Zudem liefert es die nötigen Metadaten für den Katalogimport und Absatzmarkierungen für die Zitation (trotz fliessendem Umbruch); es werden digitale Wasserzeichen statt harter DRM verwendet, sodass sich die E-Books in die Arbeitsumgebung integrieren lassen. Die „Bibliotheks-E-Books“ sollten unter Open Access publiziert werden und unter CC Lizenz stehen.
In einem sehr praxisnahen Beitrag haben S. Beisch u.a. (Blended Libray, Uni Konstanz) ihre BinApp zur Navigation in Bibliotheken vorgestellt. Damit kann ein Nutzer nach der Recherche im OPAC auf seinem Smartphone einen QR-Code in der Bibliothek scannen. Anschliessend zeigt ihm das System auf einer interaktiven Karte den Weg zum Regal bzw. zum Buch, aber auch zu anderen Plätzen in der Bibliothek (Gruppenräume, WC etc). Das System ergänzt das Leitsystem, ist kostengünstig und recht einfach einzuführen (Details siehe: http://youtu.be/ttfDHUt4MPs).
Mehrere Referate befassten sich mit Usability Tests in Bibliotheken. Die Vorschläge reichen von Thinkaloud Tests (standardisierte Aufgaben für Testuser, z.B. von Websites oder Facettierungen in Primo) über Anpassungen von Bibliothekskatalogen bis hin zu Optimierungen virtueller Bibliotheken durch Einbezug von Benutzern. Ein Grundzug der Beiträge war, dass Nutzerbedürfnisse und bibliothekarische Facheinschätzungen sehr oft auseinander gehen.
Das Rahmenprogramm
Obwohl die räumlichen Verhältnisse ausserhalb des Audimax suboptimal waren, haben die Veranstalter es geschafft, ausgiebig und grosszügig für das leibliche Wohl der TagungsteilnehmerInnen zu sorgen. Dazu offerierten sie Kaffee, Kuchen, Säfte, Brezel, Suppen etc. an einem Buffet, welches von vier Seiten zu nutzen war.
In der Nähe der Synagoge an der Oranienburgerstrasse befand sich Clärchens Ballhaus, wo der gesellige Abend stattfand. Das Ambiente war toll, das Stimmengewirr war intensiv und laut: die Band mit Stücken aus den 20er Jahren versuchte intensiv dagegen zu halten.
Leider diente die Musik mehr zur Untermalung der Räumlichkeiten (was ihr bestens gelang) als zum Tanzen. Und so wurde in Berlin mit der Tradition des Abzappelns an der INETBIB gebrochen – trotz aller Versuche einzelner Teilnehmer, die Band zum Spielen von tanzbarer Musik zu veranlassen. Gerüchte kamen auf, dass nächstes Jahr sicher für Tanz gesorgt wird.
Tagungsprogramm unter: http://www.ub.uni-dortmund.de/inetbib2013/
