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Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

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Fachreferat heute (27.03.2012)

24. April 2012 ·

Im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Verwaltung

Felix Hangartner


Veranstalter: Dr. Irmgard Siebert, Direktorin, und Susanne Göttker, Dezernentin Medienbearbeitung (bekannt als ehemalige Leiterin der Erwerbungsabteilung der StUB, 2003-2005, und Leiterin der Geschäftsstelle des Konsortiums, 2005-2007)

Der Fachreferent und die Fachreferentin von heute sind weit entfernt vom Professorenbibliothekar des ausgehenden 19. Jh. Zum engen Wissenschaftsbezug kommen laufend neue Aufgaben bis hin zu komplexen Management- und Koordinationsaufgaben, die neben der klassischen Kerntätigkeit bewältigt werden müssen/sollen. Steigende Anforderungen, vermehrte Arbeitsbelastung und knappe Ressourcen: in diesem Spannungsfeld bewegt sich der Arbeitsbereich Fachreferat aktuell, und hier setzte das Kolloquium an mit u. a. folgenden Fragen: Was können die FachreferentInnen von heute tun und was müssen sie tun, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Bibliothek erfolgreich zu moderieren? Auf welche Kompetenzen kommt es in Zukunft an, was erwarten die Gesprächspartner? Welche Möglichkeiten der Qualitätssicherung gibt es?

Rund 70 TeilnehmerInnen (aus Deutschland, eine aus Österreich, mit aus der Schweiz Kollege Wolfram Lutterer, ZHB Luzern, und Gerald Peichl, UB St. Gallen) folgten den sechs Vorträgen, moderiert von Prof. Dr. Robert Barth (vier Tage vor seiner frühzeitigen Pensionierung in Chur).

Selbstorganisation der Fachreferate

Am Beispiel der UB Mannheim erläuterte Dr. Annette Klein (Fachreferentin für Romanistik und Philosophie, Leiterin Medienbearbeitung) die Organisation der Fachreferate anhand der Aufgabenfelder Bestandesaufbau (Stichwort Selbständigkeit), Projektarbeit (Selbstorganisation) und Forschung (Verbindung von wissenschaftlicher und bibliothekarischer Kompetenz) mit dem Ausblick, dass Fachreferenten auch in Zukunft eine wesentliche Rolle einnehmen können, weil (und wenn) sie vielfältig qualifiziert sind, die Fähigkeit zur Selbstinitiative und Selbstorganisation besitzen, durch die sie ihre eigene Rolle im Sinne der Bibliothek aktiv mitgestalten und dadurch dazu beitragen, die Bibliothek als Dienstleistungseinrichtung im wissenschaftlichen Umfeld bestmöglich zu positionieren.

Zukunftskonzepte für Information Professionals

Dr. Bernd Jörs, Prof. für Informationsökonomie & Business Information Engineering an der Hochschule Darmstadt, wirbelte in amerikanischer Vortragsweise in einer halben Stunde durch 96 PPT-Folien. Dementsprechend war es nicht leicht, ihm zu folgen, wenn er – Unkenntnis, fehlende Weitsicht und Einfallslosigkeit bezüglich der Nutzungspotenziale von Information Professionals in wissenschaftlichen Bibliotheken als Ursprung düsterer Zukunftsprognosen ortend – Embedded Scientific Information Professionals (Embedded Ebrarians) bzw. Information & Search Engineers als gleichwertige und notwendige Partner in der wissenschaftlichen und studentischen Beratung, Praxis und vor allem Forschung und Entwicklung als unverzichtbar erachtete, aber man folgte ihm gerne. Stichworte zu den Zukunftskompetenzen, die zu einem selbstbewussten Auftreten befähigen: Data Librarian, Copyright Librarian oder Reference Librarian, Social Media Networker, Data and Information Storage Manager, Enterprise Search Engineer, Library Information Architect, Library Event Manager. Bitte bedienen Sie sich!

Ökonomisierung der Bibliothek? Approval Plans und Patron Driven Acquisition aus betriebswirtschaftlicher Sicht

Michael Golsch, Stellvertreter des Generaldirektors der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, schilderte die Erfahrungen mit Approval Plans und PDA. Unter ökonomischen Prämissen startete die SLUB Dresden 2009 die Entwicklung des Dresdner Erwerbungsmodells (DEM), welches seit 2012 mit automatisiertem Controlling durch Logfiles läuft. 60% des Monographienkaufs von 50‘000 Bänden erfolgte 2011 über das DEM (30‘000 Bände). 2011/12 resultierte eine Ersparnis pro Band von 8,9 Min. an Bearbeitungszeit der Erwerbung und 3,67 € an Personalstückkosten. Den Investitionen 2009-2011 von 86’890 € stehen 2011 Ersparnisse von 110’000 € (2,8 Stellen) gegenüber. Das DEM erzielte diese signifikanten Effizienzrenditen im mittleren und gehobenen Dienst; 2012ff. wird mit weiteren Renditen für den höheren Dienst (FachreferentInnen) gerechnet. Die intellektuelle Bestandsentwicklung soll wichtig bleiben, aber in der Regel in zweiter Priorität, die intellektuelle Bestandsvermittlung rückt in den Fokus.
Bei der nutzerbestimmten Bestandsentwicklung des PDA, der Patron Driven Acquisition, verfolgt Dresden einen sehr liberalen Ansatz, in dem die Nutzenden auch über Ankäufe entscheiden. In Entwicklungspartnerschaft mit Schweitzer Fachinformationen sind 240’000 eBooks in Primo eingespielt worden. Der Routinebetrieb läuft seit Februar 2012; Ebrary ist als zweiter Anbieter im Test. Ergebnisse nach sechs Wochen: 2’559 Personen haben im PDA-Angebot der SLUB recherchiert, mit 954 Downloads wurden E-Books für insgesamt 6’316 Tage ausgeliehen. Kosten: durchschnittlich 13.7 US$ pro Short Term Loan (STL); 467,30 US-Dollar pro Tag für STL. Nach der 4. Kurzausleihe (je 7 Tage) erfolgt automatisch der Kauf. Gefragt sind vorwiegend deutschsprachige Inhalte; der Effekt auf die Fernleihe ist noch nicht abschätzbar. Ob beim PDA-Modell der Kauf von grossen eBook-Paketen noch getätigt werden soll, ist fraglich.

Fachreferat: (K)ein Ziel des Bibliotheks- und Informationswissenschaftlichen Masterstudiums?

Dr. Inka Tappenbeck, Prof. für Informationsressourcen, Informationsdienstleistungen und Vermittlung von Informationskompetenz, und Dr. Achim Osswald, Prof. für Informationstechnologie in Bibliotheken, beide an der Fachhochschule Köln, zeigten, wie der berufsbegleitende Kölner Masterstudiengang in Library and Information Science (MALIS) seine TeilnehmerInnen über vier Semester inhaltlich und methodisch auch für Fachreferatsaufgaben qualifiziert. In einer Analyse von Tätigkeitsbeschreibungen im Höheren Dienst stellten sie zwei extrem heterogene Aufgabenprofile fest. Einer zur Diskussion gestellten Spezifizierung in Qualifikationsprofile „Fachreferat“ (offenbar eher von Teilnehmern mit nicht-bibliothekarischem Primärstudium angestrebt) und „Management“ (eher von Diplom-Bibliothekaren angestrebt) wurde mit etlicher Skepsis begegnet. Mit einer solchen Schwerpunktbildung – hier Experten für wissenschaftlich qualifizierte Fachbetreuung und -beratung, dort Experten für Leitungs- und Führungsaufgaben – sähen sich viele der anwesenden FachreferentInnen ihrer Managementtätigkeit beraubt.

Alles, und zwar sofort – Anforderungen an eine optimale Informationsversorgung

Dr. Axel Buchner, Prorektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, forderte als Forscher (Professor für Allg. Psychologie und Arbeitspsychologie) den umfassenden und maximal schnellen Zugriff auf relevante Forschungsbefunde als Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Untersuchung einer wissenschaftlichen Fragestellung. Die ideale Bibliothek unterstützt die Forschung ihrer Universität (die dafür auch zu zahlen bereit ist), indem sie den mühelosen, schnellstmöglichen Zugriff auf möglichst alle verfügbaren Forschungsbefunde organisiert: alles und zwar sofort, natürlich elektronisch. Das Phantastischste am Bibliothekskatalog seien Link Resolver wie SFX. Bücher werden von Naturwissenschaftlern kaum noch benötigt, ein „Bestandsaufbau“ sei Zeit- und Geldverschwendung. Die grösste Breitseite jedoch bekam der unter den 16 Verlagsvertretern ebenfalls anwesende Elsevier ab, dessen Preispolitik und Gewinnspanne Buchner mehrmals als obszön bezeichnete, dagegen er als Wissenschaftler nur mit einem totalen Boykott reagieren könne.

Personalentwicklungskonzepte für Fachreferenten/-innen

Der Vortrag von Mechtild Laumen-Schiel, Management-Beraterin, SCG SchielConsulting GmbH Köln, stützte sich sehr stark auf ihre jüngst eingereichte Dissertation. Sie stellte die Frage: „Wie verändern Menschen Arbeitsbedingungen und unter welchen Bedingungen finden diese Veränderungen statt?“ Personalentwicklung nicht nur als persönliche Weiterbildung, sondern im Einklang mit den Interessen des Unternehmens und der Beschäftigten, ist umso anspruchsvoller, je höher die Notwendigkeit zur Veränderung ist. Wenn die Beteiligten um diese Notwendigkeit wissen, Veränderungen mittragen können und auch wollen, dann werden auch gute Ergebnisse erzielt. Leider fielen die Ausführungen der Referentin etwas zu allgemein aus.
Persönliches Fazit: Der Nutzen einer solchen Tagung zeigt sich – neben den persönlichen Kontakten und Gesprächen – vor allem im berühmten Blick über den Gartenhag. Dabei scheinen mir die KollegInnen in Deutschland stärker mit der Vermittlung von Informationen im eigenen Fachgebiet, mit eigener wissenschaftlicher Arbeit und Projektarbeit beschäftigt, wohingegen in unserer Fachreferatstätigkeit vielerorts das Schwergewicht immer noch beim Aufbau und der Erschliessung des Bestandes liegen dürfte.

Präsentationen: http://www.ub.uni-duesseldorf.de/home/ueber_uns/pr/events/2012/event_12_01/programm

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