Ladina Tschander
Wer als Newcomerin am 101. Deutschen Bibliothekartag in Hamburg teilnahm, hatte erstmals Gelegenheit, von den Veranstaltern persönlich begrüsst und mit Tipps und Tricks für einen erfolgreichen Besuch der Tagung sowie einem runden, weisslichen, etwa zwölf Zentimeter grossen Plastikstück an blauem Stiel mit der Aufschrift „BIB“ ausgerüstet zu werden. Letzteres sollte als Fächer dienen, der gut verwendet werden konnte, da sich die Elbstadt wider alle Unkenrufe richtig hochsommerlich zeigte. Wie auch letztes Jahr in Berlin war das Tagungsgebäude jedoch mit einer sehr gut funktionierenden Klimaanlage ausgestattet, so dass ein Schal adäquater gewesen wäre.
Gute Tipps am First-Timer-Treffen
Beim BIB-First-Timer-Treffen erfuhr man, dass der Leporello zwar wunderbar für eine Übersicht genutzt werden könne, jedoch nicht alle Veranstaltungen aufweise. Das grosse Rahmenprogramm, die Bibliotheksbesuche, die Veranstaltungen der Zukunftswerkstatt – all dies konnte auf eigenen Websites oder im dicken Tagungsbuch gesucht werden. Die Hinweise, was wo zu finden sei, waren bei dem enormen Angebot durchaus hilfreich.
Beim BIB-First-Timer-Treffen erfuhr man, dass der Leporello zwar wunderbar für eine Übersicht genutzt werden könne, jedoch nicht alle Veranstaltungen aufweise. Das grosse Rahmenprogramm, die Bibliotheksbesuche, die Veranstaltungen der Zukunftswerkstatt – all dies konnte auf eigenen Websites oder im dicken Tagungsbuch gesucht werden. Die Hinweise, was wo zu finden sei, waren bei dem enormen Angebot durchaus hilfreich. Ebenso hilfreich war die geführte Begehung des CCH (Congress Center Hamburg), in welchem die rund 300 Vorträge für die ca. 4700 Teilnehmenden stattfanden. Dieses Gebäude zeichnet sich durch eine eigenwillige Architektur aus, mit zahlreichen Möglichkeiten Räume aufzusuchen, die nicht alle wirklich gut ausgeschildert waren.
Ebenso hilfreich war die geführte Begehung des CCH (Congress Center Hamburg), in welchem die rund 300 Vorträge für die ca. 4700 Teilnehmenden stattfanden. Dieses Gebäude zeichnet sich durch eine eigenwillige Architektur aus, mit zahlreichen Möglichkeiten Räume aufzusuchen, die nicht alle wirklich gut ausgeschildert waren.
Wider den guten Rat, nicht den ganzen Tag mit Vorträgen zu verplanen und sich auch die schönen Hamburger Bibliotheken anzuschauen oder in den Bibliotheksbussen, die am Mittwoch vor dem CCH-Gebäude standen, zu schmökern, verbrachte ich die Tage in den Sälen des CCH. Den anderen Rat, sich inhaltlich zu fokussieren, beherzigte ich jedoch und besuchte Vorträge zum Thema virtuelle Forschungsumgebungen und Bibliometrie.
VREs – Virtual Research Environments
Gemäss der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG sollen VREs die kooperative Forschungstätigkeit durch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an unterschiedlichen Orten zu gleicher Zeit ohne Einschränkungen ermöglichen. Dabei soll die Forschung vollumfänglich unterstützt werden: bei der Datenerhebung, der Diskussion und weiteren Bearbeitung bis hin zur Publikation der Ergebnisse. Am Bibliothekartag kamen folgende virtuellen Forschungsumgebungen zur Sprache:
- recensio.net: Auf dieser von der Bayerischen Staatsbibliothek betreuten Plattform werden Rezensionen zu geschichtswissenschaftlicher Literatur vereint. Zudem könnten sich die Forscher im Wissenschaftsblog über Thesen und Theorien austauschen, jedoch wird dieser Dienst zurzeit wenig genutzt. [www.recensio.net]
- DARIAH-DE (digital research infrastructure for the arts and humanities): Das Projekt entwickelt eine e-Infrastruktur, um Geistes- und Kulturwissenschaftler untereinander und mit IT-Spezialisten zu vernetzen. Vorerst sind die Softwaremodule erstellt worden. Ob diese von den Forschenden auch angenommen werden und sie sich im Alltag bewähren, muss das nächste Jahr zeigen – so die Vortragenden. [http://www.sub.uni-goettingen.de/projekte-forschung/projektdetails/projekt/dariah-de/]
- GESIS (Gesellschaft sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen): Da es in den Sozialwissenschaften eine lange Tradition der Nachnutzung von Forschungsdaten gibt, erstaunt es nicht, dass hier die Idee der VRE auf offene Ohren stösst. Seit den 60er Jahren arbeitet das Archiv am Aufbau eines Datenarchivs mit internationaler Ausrichtung. [http://www.gesis.org/unser-angebot/]
- MoveVRE (MoveBank Virtual Research Environment): MoveBank der Universität Konstanz ist eine e-Science Infrastruktur für das Ablegen, Analysieren, Verwalten und Verbreiten von Tierbewegungsdaten. Das kollaborative Arbeiten von WissenschaftlerInnen verschiedener Nationalitäten wird durch web-basierte Werkzeuge unterstützt. In der Präsentation wurde deutlich, dass in Zukunft Bibliotheken eng mit Rechenzentren und der Informatik zusammenarbeiten werden. In MoveVRE kümmert sich das Rechenzentrum um die community, der Fachbereich Informatik liefert die Visualisierung der Daten, und die Bibliothek pflegt das data repository. [http://www.ub.uni-konstanz.de/bibliothek/projekte/movevre.html]
- GFZ (GeoForschungsZentrum): Die VREs des GFZ sind insofern interessant, als dass sie „masskonfektionert“ sind. PanMetaDocs (basiert auf PANGAEA und nutzt die eSciDoc Infrastruktur) gibt fachlich sehr unterschiedlichen Arbeitsgruppen ein generisches Werkzeug, welches an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden kann. Die Wissenschaftler sind von Fragen der Datenhaltung entlastet und ihre Projektdaten sind in ein institutionsweites System des Forschungsdatenmanagements integriert. Mit PanMetaDocs muss nicht für jedes Projekt eine neue VRE gebaut werden, was den Wartungsaufwand deutlich reduziert. [https://www.gfz-potsdam.de/]
- TextGrid: Seit 2006 gibt es TextGrid, eine der ersten VRE für Geisteswissenschaften in Deutschland. TextGrid richtet sich an WissenschaftlerInnen und Wissenschaftler, die Werkzeuge und Dienste für die Beschreibung, Annotation, Erschließung, Auswertung und Publikation kultureller Artefakte, insbesondere von Texten, Bildern, Handschriften, Noten und weiteren Objekten benötigen und die Wert auf die Langzeitarchivierung und vielfältige Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten legen. [www.textgrid.de]
- INF-Teilprojekt des SFB 882: Die Arbeitsplattform bietet den Sozialwissenschaftlern eine effektive Unterstützung, indem sie verschiedene Werkzeuge der täglichen Arbeit (wie die Ablage und Verwaltung von Dokumenten und Publikationen) sowie Verwaltungswerkzeuge (z.B. für das Projektmanagement, kollaborative Dokumentation und Wissensaustausch, Kalender, Forum, Blogs, etc.) in einer einzigen Informationsinfrastruktur zusammenfasst. Die Dokumentation des gesamten Datenlebenszyklus – von der Projektidee bis hin zur Datenanalyse und Datenarchivierung – geschieht dabei über die Implementierung und Anwendung des Metadaten-Standards DDI3.x in allen Teilprojekten. [http://www.sfb882.uni-bielefeld.de/projects/Teilprojekt_INF]
- Tambora: Die UB Freiburg hat eine Basisarchitektur für die historische Klimatologie erschaffen, mit welcher Datensammlungen erstellt werden können, die über eine DOI verfügen und in einem Repositorium abgelegt werden. [http://hcc-test.ub.uni-freiburg.de/]
Auffallend ist, dass es im Feld der VREs (noch) keine Standards gibt. Die verschiedenen Fachdisziplinen nutzen unterschiedliche Tools, die jedoch meist frei zur Verfügung gestellt werden. Die Zukunft wird weisen, ob sich drei, vier Tools durchsetzen werden, an welchen dann mit vereinten Kräften gearbeitet wird.
Neues Arbeitsfeld für wissenschaftliche BibliothekarInnen
Sicher wurde aber deutlich, dass sich das bibliothekarische Arbeitsfeld ausdehnt: Neben dem Erfassen der Metadaten müssen Bibliotheksfachleute enge Kooperationen mit IT-Spezialisten eingehen und das Vertrauen der Forscher und Forscherinnen gewinnen, damit diese bereit sind, die VREs tatsächlich auch zu nutzen. Da gerade das Erfassen von Metadaten bzw. das Achten auf Langzeitarchivierung ein ganz wichtiger Teil der VREs ist, und dies gemeinhin zu den bibliothekarischen Kernkompetenzen gehört, ist auch klar, dass Mitarbeit in VREs zu den Aufgaben von wissenschaftlichen BibliothekarInnen gehört und diese die enge Zusammenarbeit mit den Forschenden suchen müssen – eine Frage, die im Block „Metadaten für Forschungsdaten – eine Aufgabe für Information Professionals?!“ intensiv diskutiert wurde.
Jedoch benötigt es in diesem Gebiet eine fachliche Spezialisierung, weil die Anzahl und Komplexität von Metadatenstrukturen erschlagend ist. Neben dem klassischen OPAC existieren noch eine Vielfalt an Systemen, die spezielle Aufgaben erfüllen: Für nahezu jede Art von Bibliotheksgut wurden für Austausch und Speicherung eigene Metadatenstandards entwickelt, die an die Eigenheiten des Objekts angepasst sind. Kirsten Jeude und Anneka Schafrick vom Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft ZBW gaben in ihrem Vortrag (http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte/2012/1198/) eine schöne Übersicht über die Palette der Formate, Frameworks, Sprachen etc. die für Metadaten genutzt werden. Besteht der Wunsch, jede Art von Bibliotheksgut in einer Datenbank nachzuweisen, müssen die in unterschiedlichen Formaten erstellten Metadaten aufeinander gemappt werden. D.h., zukünftige, spezialisierte BibliothekarInnen kennen die Sprache der Daten und verfügen neben bibliothekarischen Kenntnissen über ein solides informatisches Know-How.
Bibliometrie auch für die Geistes- und Sozialwissenschaften
Für Entscheidungsträger in der Forschung und Politik sind bibliometrische Indikatoren von grosser Relevanz. Und auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften besteht ein gewisser Anspruch an die Messbarkeit der Forschungsqualität. Jedoch bestehen hier weder methodisch saubere Indikatoren noch eine ausreichende Datenbasis – aber an der UB Regensburg besteht weiterhin Hoffnung und wird daran gearbeitet, auch die Geistes- und Sozialwissenschaften ins Feld der Bibliometrie zu führen.
Hamburg lockt
Den Kopf voll neuer Ideen und etwas geplättet aufgrund der Informationsfülle wankte man abends aus dem CCH hinaus, blühte aber aufgrund der langen Hamburger Abende mit Sonnenschein bis zehn Uhr augenblicklich wieder auf. Es lockte das Karoviertel mit eigenwilligen Secondhandshops, die Schanze mit einer Kneipe nach der anderen, St. Georg mit seinen beiden Gesichtern (Dorfcharakter an der Langen Reihe und Rotlichtbezirk am Steindamm), die Aussenalster zum Sitzen bis spät in den Abend und natürlich der Hafen, der auch Ort der traditionellen Kongressparty war. Die Fischauktionshalle in Altona war für einmal nicht Ort des letzten Fischbrötchens nach durchzechter Nacht, sondern bot den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren ein tolles Ambiente sowie Leckereien an fünf Buffets. Nur schon wegen Hamburg hat sich der Besuch des diesjährigen Bibliothekartags gelohnt!
