Yvonne Domhardt (Text)
Noch ganz unter der Fülle äusserst vielfältiger Eindrücke des BIS-Kongresses in Konstanz stehend, der auch dieses Jahr wieder eine grosse Schar IG WBS-Mitglieder anzog, sitze ich nun an meinem Rechner, um die Geschichte der IG WBS, die 2012 ihren zwanzigsten Geburtstag begehen darf, für diese Ausgabe des Rundbriefs Revue passieren zu lassen. Es wird meine ganz persönliche, eigene Sicht auf die Dinge sein; ein paar Reminiszenzen hier, die eine oder andere Erinnerung dort, mitnichten also eine weitschweifige, lobhudelnde Fest- oder gar Gedenkschrift …
Ich blättere in meinem weissen IG WBS Ordner, in dem mein Blick amüsiert auf meiner etwas vergilbten, mit IBM Kugelkopfschreibmaschine ausgefüllten Beitrittserklärung zur IG WBS in Kopie hängenbleibt – sie datiert vom 19. Januar 1993; heute schicken Mitglieder Beitrittserklärungen elektronisch, um sie dann – möglicherweise – im virtuellen Nirwana nie mehr wiederzufinden. Seit Januar 1993 bin ich also Mitglied der IG und habe seitdem jeden Rundbrief, jede Einladung zu den GVs, jeden Jahresbericht, sämtliche Mitgliederlisten und alle weiteren Infos der IG WBS (nach aufmerksamer Lektüre versteht sich …) fein säuberlich in eben jenem eigens dafür angelegten weissen Biella-Ordner abgelegt; seit die Unterlagen online sind, lege ich sie eben in einem elektronischen Ordner ab, der aber nicht weiss ist. Man – frau auch – kann die Rundbriefe natürlich auch auf der IG WBS Homepage einsehen. Doch bibliothekarischer Ordnungssinn und archivarische Sammelleidenschaft über einen langen Zeitraum haben durchaus manchmal ihr Gutes: Die lückenlose Dokumentation wird mir den kleinen Streifzug durch zwanzig Jahre IG WBS sehr erleichtern.
Der Mitgliederbeitrag – ein kleines Phänomen
Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Die IG WBS ist der einzige Verband, den ich kenne, der seit zwanzig Jahren denselben Mitgliederbeitrag verlangt, namentlich zwanzig Franken. War dies 1992, im Gründungsjahr, schon nicht exorbitant viel, so ist es dies heute erst recht nicht. Ob wir unserer IG zum runden Geburtstag einen künftigen Beitrag von „20 plus 20“ pro Mitglied schenken sollen, der dann vielleicht erst zum – vierzigsten Jubiläum wieder (wenn überhaupt) erhöht werden wird?
Stetig wachsende Mitgliederzahlen und langgediente PräsidentInnen
Was hingegen nie gleich geblieben ist, sondern im Gegenteil erfreulicherweise regelmässig zugenommen hat, sind die Mitgliederzahlen: Bei ihrer Gründungsversammlung im Mai 1992 zählte die IG genau 51 Mitglieder, per Ende Juni 1993 waren es schon 72. Ende 1997 wurde dann die 100er Grenze bereits überschritten, und 2000 zählte die IG 124 Mitglieder – der Stand vom April 2012 liegt bei 186. Eine schöne Entwicklung, die zeigt, dass unsere IG bei den wissenschaftlichen BibliothekarInnen der Schweiz einen hohen Stellenwert besitzt.
Dass BibliothekarInnen eine gewisse Stete und Langjährigkeit im Beruf auszeichnet, wissen wir alle nur zu gut. Diese Treue scheint sich auch im Präsidium der IG WBS durchgesetzt zu haben. Als ich vor meinem geistigen Auge die bisherigen Präsidentinnen und Präsidenten vorüberziehen liess, kam ich auf nur fünf Personen. Dies schien mir kaum glaubhaft, und so nahm ich den nun schon bekannten weissen Order zur Hand und schaute nach: Tatsächlich: Der Präsident der ersten Stunde war Franz Grunewald, dann folgten Felix Winter, Elisabeth Oeggerli, Werner Neuhaus, und derzeit wird die IG von Marianne Ingold und ihrem Vorstandsteam geleitet. Somit amtete, rein rechnerisch, ein/e Präsident/in im Schnitt vier Jahre, ein schöner Beleg für die erwähnte Stete …
Aufs Banner geschrieben: Veranstaltungsvielfalt seit der ersten Stunde
Die IG WBS bietet uns von Anfang an vielfältige und interessante Veranstaltungen – auch gediegene Ausflüge sind mit dabei – als kleines, aber feines Bonbon nach unseren jeweiligen Generalversammlungen. Eine Veranstaltung bzw. Führung ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben: Im April 1997 traf sich unsere IG zur 5. GV in St. Gallen, wo uns in der Kantonsbibliothek die europaweit grösste Freimaurerbibliothek „Bibliotheca Masonica“ vorgestellt wurde, die auf der Privatsammlung des St. Galler Unternehmers und Freimaurers August Belz basiert.
Die IG war und ist mit ihren Arbeitsschwerpunkten stets auf der Höhe der Zeit: So wurde schon bald nach der Gründung selbstkritische Nabelschau betrieben, die in die bis heute virulente Frage nach unserem Berufsbild mündete. Aus- und Weiterbildungsfragen beschäftigten uns von Beginn an, und auch Fragebögen z.B. zur Lohnstruktur im Bibliothekswesen wurden in Abständen erstellt. Immer modern, immer nach vorn gewandt, hatte die IG schon Mitte 1998 ihren ersten Internetauftritt.
Der Rundbrief – die Erfolgsgeschichte des „blauen Blättlis“
Der Rundbrief der IG WBS hat, wie ich finde, einen ganz eigenen Charakter: Über all die Jahre hinweg wird er, stets – bis auf zwei, drei Ausnahmen – auf hell- bis mittelblauem Papier gedruckt (bis zur Ausgabe 51, seitdem erscheinen die Rundbriefe nur noch in elektronischer Form), seit „Rundbrief 1“ konsequent durchnummeriert – inzwischen dürfen wir auf die stolze Zahl von 59 Rundbriefen zurückblicken. Mit Rundbrief Nummer 60 steht ein weiteres Jubiläum für die IG ins Haus. Eine kleine Erfolgsgeschichte …
(Nebenbei bemerkt: Dieser unser Rundbrief heisst trotz des einen oder anderen Vorstosses, dies zu ändern – weshalb? Ist etwa „Newsletter“ besser, nur weil es englischer tönt? –, noch immer Rundbrief).
Stabilität auch in der Zukunft
Die IG WBS kann dank engagierter Mitglieder und Vorstände sowie aufgrund gesunder Finanzen auf zwanzig rührige und arbeitsintensive Jahre zurückblicken. Es ist sehr viel in all den Jahren erreicht worden, doch zurücklehnen gilt nicht: Die vielfältigen Aufgaben allem voran in Aus- und Weiterbildung, doch nicht nur dort, lassen erahnen, dass spannende, impulsgebende Zeiten vor uns liegen. Ich wünsche unserer IG interessierte, kompetente, neugierige, innovative und tatkräftige Menschen, die sich mit Freude und Engagement auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten für die Sache der wissenschaftlichen BibliothekarInnen einsetzen.
Habe ich nun doch, entgegen meinen eigenen Worten zu Beginn, zu sehr gelobhudelt? Die IG allzu positiv beschrieben und in allzu hellen Farben gezeichnet? Ich meine nein. Natürlich gab und gibt es zu allen Zeiten auch in der IG WBS die eine oder andere Widrigkeit, Entwicklungen, die uns nicht gefallen (haben) – ich entsinne mich beispielsweise der für die IG unverständlichen Absage der damaligen Aufsichtskommission im Jahr 1998, zur paritätischen Prüfungsbeobachtung am Kurs für wissenschaftliche BibliothekarInnen den beiden PrüfungsbeobachterInnen Cornel Dora und der Schreibenden zwei weitere BeobachterInnen an die Seite zu stellen. Doch in summa darf die IG WBS mit dem Erreichten und den Entwicklungen, die sie mitgetragen hat, zufrieden sein. Ich jedenfalls entrichte gerne weiterhin meinen Mitgliederbeitrag!
