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IG WBS

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Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

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«Vorwärts nach weit» – Eintauchen in die BiblioCon2023 in Hannover

9. September 2023 ·

Ein Fixpunkt im bibliothekarischen Tagungs- und Kongresskalender ist zweifellos die BiblioCon (ehemals Deutscher Bibliothekartag), die dieses Jahr vom 23.-26. Mai 2023 in Hannover stattfand. Vier Mitglieder der IG WBS waren dabei und teilen ihre ganz persönlichen Highlights und Eindrücke der 111. Ausgabe des Kongresses.

Autor:innen

Matthias Töwe, Leitung Forschungsdaten-Management und Datenerhalt, ETH-Bibliothek Zürich
Christian Lüthi, Vizedirektor Universitätsbibliothek Bern
Gary Seitz, Liaison Librarian, Universitätsbibliothek Zürich
Johanna Schüpbach, Fachreferentin, Universitätsbibliothek Basel

Matthias Töwe, ETH-Bibliothek Zürich

Hurra, endlich wieder zum Bibliotheka… zur BiblioCon!
Ich habe mich auf die Teilnahme vor Ort gefreut, weil das selektive Streaming nur aus bestimmten Räumen einen der wesentlichen Reize dieser Grossveranstaltung nimmt: Einfach mal einen Vortrag mitnehmen, der zwar vordergründig nichts mit den eigenen Hauptthemen zu tun hat, aber dennoch das Interesse kitzelt.

Im Hannover Congress Centrum wimmelte es wie eh und je – nach den Jahren virtueller Veranstaltungen und vorsichtiger Präsenzanlässe im kleineren Rahmen war dies zunächst durchaus gewöhnungsbedürftig. Wobei zum «Wimmeln» beitrug, dass der Gebäudekomplex meiner Meinung nach nicht wirklich übersichtlich war (dafür aber gut ausgeschildert). Das Streaming war übrigens bei der Teilnahme vor Ort praktisch, wenn es doch einmal keinen Platz hatte und aus dem entsprechenden Raum übertragen wurde.

Inhaltlich fand ich einen Beitrag spannend, bei dem es zwar um «Open Data» ging, aber nicht aus der Forschung, sondern aus dem eigenen Bibliothekssystem.
Tobias Weiß von der Stadtbibliothek Pankow in Berlin sprach zu Open Data in der Stadtbibliothek Pankow – Offene Daten in öffentlichen Bibliotheken. Wie kann man vorgehen? Ausgangsidee war, (Ausleih-)Daten, die gewissermassen von den Kundinnen und Kunden generiert wurden, wieder an die Nutzer «zurückzugeben» und Transparenz zu schaffen. Davon abgesehen sind es natürlich aus bibliothekarischer Sicht spannende Daten. Für die Bibliothek erhofften sich die Verantwortlichen zusätzliche Sichtbarkeit, eine Förderung der Innovationsfreude in Kooperation mit Expertinnen und Experten, deren Fachwissen man anzapfen konnte, sowie natürlich auch Einblicke durch die Datenauswertungen, die sonst nicht möglich wären. Genutzt wurden die Daten zu Ausleihvorgängen plus Verlängerungen plus gescheiterte Vorgänge für 2022, insgesamt 1.5 Mio. einzelne Datensätze als Rohdaten. Nach Rücksprache mit dem Open-Data-Beauftragten des Bezirksamts sowie dem Datenschutzbeauftragten konnte zur Umsetzung die Unterstützung der Open-Data-Informationsstelle der Technologiestiftung Berlin (ODIS) in Anspruch genommen werden. Zudem musste das Verbundservicezentrum des Verbunds der öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) an Bord geholt werden. Die Rohdaten wurden per Skript z.B. um bibliographische Angaben anhand der Signatur ergänzt und gewisse Anonymisierungen wurden vorgenommen, wenn z.B. eine Altersgruppe zu wenige Mitglieder umfasste. Die Visualisierungen wurden von ODIS umgesetzt und sind in einem Dashboard zugänglich.

Warum fand ich dies spannend? Es ist naheliegend, die eigenen Daten gründlich verstehen zu wollen über das reine Füllen der Statistik hinaus. Wenn dies geschieht, passiert es bisher eher mit «Bordmitteln», während man hier einen Schritt weiterging. Interessant war zudem, dass die Partner von ODIS für das Dashboard Auswertungen aus einer bibliothekarisch «unbelasteten» Sicht erstellten – manchmal waren diese eher sinnlos, in anderen Fällen ergaben sie aber einen Mehrwert, z.B. indem sie Ausleihen von Verlängerungen getrennt betrachteten. Sichtbar wurden unter anderem saisonale Schwankungen oder Verläufe nach Uhrzeit (die langfristig die Dienstplanung unterstützen könnten). Überrascht waren die Kolleginnen und Kollegen z.B. davon, dass inzwischen 89% der Verlängerungen online erfolgen. Die Verwendung von so genannten «Teilverkehrszellen» (eigentlich ein Werkzeug der Verkehrsplanung der öffentlichen Verwaltung) erlaubt zudem eine relativ kleinteilige Gruppierung der Kundinnen und Kunden nach Wohnort. Dadurch wird z.B. sichtbar, welche Quartiere mit ihren Bewohnerinnen und Bewohnern von Angeboten der Bibliothek nicht bzw. weniger gut erreicht werden als andere. Konkret lässt sich sogar ablesen, dass eine vielbefahrene Strasse eine Barriere sein kann, die dazu führt, dass lieber ein weiterer Weg zu einem anderen Standort in Kauf genommen wird. Natürlich ist der Ordnung halber anzumerken, dass dies nicht unbedingt ein kausaler Zusammenhang sein muss, denn es könnte auch sein, dass der andere Standort schlicht neben den Geschäften liegt, die man ohnehin aufsucht. Interessant ist die Beobachtung dennoch.

Fazit: Es war spannend zu sehen, was aus den eigenen bibliothekarischen Daten gelernt werden konnte und dass die Kolleginnen und Kollegen diese Art von Daten recht unbefangen als Open Data bereitstellen. Dies ist ja sonst eher üblich für digitalisierte Bestände, deskriptive Metadaten oder Normdaten.  Es hat mir auch schlicht imponiert, was die Kolleginnen und Kollegen ohne grosse Ressourcen mit geeigneten Partnern erreicht haben. Gerade darum schätze ich an der BiblioCon jeweils den Blick über den Tellerrand.

Christian Lüthi, UB Bern

Das Open Space-Konzept der UB Freiburg i.Br.

2009 bis 2015 entstand das neue Gebäude der Universitätsbibliothek Freiburg am Rand der Innenstadt. Dieser Bau löste ein Gebäude aus den 1970er-Jahren ab, von dem nur die Untergeschosse stehen blieben. Der Neubau und die Sanierung des alten Gebäudes waren eine Chance, die Grundrisse und die Raumstruktur neu zu konzipieren. Vor dem Hintergrund des digitalen Wandels realisierten die Verantwortlichen den Bau als innovativen und nutzerorientierten Lern-, Forschungs- und Kommunikationsort für die gesamte Universität. Als wissenschaftliche Bibliothek sollte sie nicht nur ein Ort des konzentrierten Lernens sein, sondern auch ein Ort der Kommunikation, der Begegnung und des Austauschs für Studierende, Lehrende und Forschende.

Im Bereich der Publikumsräume realisierte die UB das so genannte «Parlatorium», ein Open Space mit rund 500 Arbeitsplätzen für das Lernen. Auf der übrigen Fläche sind 1200 klassische Lesesaalarbeitsplätze angeordnet, die stilles Lernen von Einzelpersonen ermöglichen. Die Möblierung im Parlatorium ist vielfältig. Sie umfasst verschiedene Anordnungen von offenen und geschlossenen Sitzgruppen, Stehtischen, Sofas und Lehnstühlen. Ein Teil dieses Mobiliars ist verschiebbar. Diese Vielfalt an Möbeln und die gute Atmosphäre in den Räumen führten zu einer grossen Nachfrage.

Die Direktorin Antje Kellersohn präsentierte eine Bilanz der Nutzung des Parlatoriums nach acht Jahren Betrieb. Die UB Freiburg zählt im Durchschnitt rund 10’000 Besuche pro Tag, an Spitzentagen sind es sogar 15’000. Diese hohe Nutzung führte an manchen Tagen zu einer Überbelegung der Räume. Dadurch liefen die WLAN-Zugänge am Limit, manche Fluchtwege waren von Lernenden belegt und das Mobiliar war schneller als geplant abgenutzt. Die UB Freiburg plant deshalb, in dezentral gelegenen Fachbibliotheken weitere Open Space Arbeitsplätze nach dem Vorbild des Haupthauses einzurichten, z.B. in der 2022 eröffnete Bibliothek für Wirtschaftswissenschaften. So werden weitere attraktive Orte für den informellen und kreativitätsfördernden Austausch aller universitärer Gruppen auf dem gesamten Campus der Universität Freiburg geschaffen.

Gary Seitz, UB Zürich

Seit einiger Zeit wieder mal an einen Bibliothekstag! Da war schon viel Vorfreude dabei. Es war und ist nicht dasselbe, die Vorträge vor dem Bildschirm zu verfolgen. Alle Kontakte und Gespräche zwischen und nach den Veranstaltungen waren der Mehrwert dieses Kongresses. Zudem hat es uns auch sehr gefreut, dass unser Input «Ein Praxisbeispiel zur Beratung von Forschenden durch Liaision Librarians zum Thema Highly Cited Researchers» angenommen wurde und von vielen Zuhörern verfolgt wurde. Da wir erst am Donnerstagnachmittag dran waren, hielt das unsere Anspannung auf recht hohem Level.

Meine Highlights waren:

Framework Information Literacy Lessons (FILL) – so kommen die Frames in Bibliothekskurse
Das amerikanische Modell des Framework for Information Literacy for Higher Education bietet seit 2016 einen ganzheitlichen Ansatz für die Förderung von Informationskompetenz. Was bedeuten diese Frames für unsere praktische Arbeit? Was benötigten Lernende und Lehrende in der digitalen Informationswelt und was kann das Framework dazu beitragen? Und wie kommen die Frames in unsere Kurse? 

Onboarding@UB – Ein Startpaket für Neuberufene an der Freien Universität Berlin
In diesem Vortrag ging es darum, auf welche Weise das Dienstleistungsportfolio von wissenschaftlichen Bibliotheken sichtbarer gemacht werden kann. Ziel des neuen Startpakets für neuberufene Professor:innen ist es, einen frühzeitigen, direkten Kontakt zur Zielgruppe sowie eine nachhaltige Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Forschenden und Lehrenden an der Freien Universität Berlin aufzubauen.

Praxisbeispiel der Integration von Liaison-Librarian-Arbeit in einer Universitätsbibliothek
Die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin hat im Zuge eines Projekts ein Konzept für den Einsatz von Liaison Librarians umgesetzt. Diese arbeiten wissenschaftsnah und kooperieren eng mit anderen Teams der Universitätsbibliothek, wenn die Bedürfnisse von Forschenden es erfordern. Dargestellt wurde die Kooperation zwischen Liaison Librarian und dem Team Forschungsdatenmanagement der Universitätsbibliothek für ein Praxisprojekt aus dem Fachbereich Geowissenschaften.

Ich würde es allen Mitarbeitenden empfehlen, einmal an einer Konferenz teilzunehmen. Es tut gut zu sehen, wie es anderen Bibliotheken geht, man findet Gemeinsamkeiten und Unterschiede und kann die eigene Arbeit ganz neu einordnen.

Johanna Schüpbach, UB Basel

Passend zur 111. BiblioCon gesellte sich bei mir noch eine weitere 1 dazu, nämlich für meine erste Teilnahme an einem Bibliothekskongress. Da stand ich also, in der Eingangshalle des Hannover Congress Centers (HCC), und blickte vier spannenden Tagen zu allen Facetten der Bibliothekswelt entgegen.

Der Auftakt für mich war das BIB-«First-Timer»-Treffen, eine vom Berufsverband Information Bibliothek e.V. organisierte Einführung in die BiblioCon für Newbies wie mich mit Informationen zum Ablauf, Veranstaltungsempfehlungen sowie der Möglichkeit zu einem ersten Austausch untereinander. Leider fiel letzterer Punkt ein wenig kurz aus, da die meisten im Anschluss gleich zur nächsten Session weitergingen und sich so keine Gelegenheit zum Reden und Kennenlernen ergab. Gerade weil ich (noch) nicht allzu viele Leute persönlich kenne, habe ich mich umso mehr gefreut, dass ich dann schon kurz darauf die ersten bekannten Gesichter in der Menschenmenge entdeckt habe und mich so gleich am ersten Tag mit Kolleg:innen über ihre Pläne am Kongress austauschen konnte.

Die Kongresstage habe ich mit neuen Eindrücken, spannenden Gesprächen und einem bunten Flickenteppich von interessanten Vorträgen gefüllt. Als Newbie habe ich natürlich versucht, so viele Talks wie möglich zu besuchen und in verschiedenste Themenkreise reinzuschauen. Um auf alle einzeln einzugehen fehlt hier der Platz, weswegen ich mich auf die Erwähnung einiger persönlicher Highlights beschränke: Von besonderer Relevanz für mich waren die vier Beiträge des Panels «Fachreferat im Wandel», der Vortrag von Elisabeth Mödden (DNB) zum KI-Projekt für maschinelle Beschlagwortung an der DNB, sowie die Podiumsdiskussion zum Thema «Mehr Freiräume für die Digital Humanities an wissenschaftlichen Bibliotheken» und in unterhaltender Ergänzung der Vortrag «85 Thesen zum OPAC der Zukunft» von Christoph Ackermann (Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg).

Sehr geschätzt habe ich an der BiblioCon, dass gewisse Gesprächsrunden und Vorträge auch hybrid abgehalten wurden. So war es auch möglich, sich mal von der grossen Menschenmasse und dem Kongresscenter zurückzuziehen und dem Vortrag aus einer ruhigeren Umgebung zu folgen. Die physische Präsenz bzw. Teilnahme lässt sich dadurch jedoch nicht ersetzen. Viele Kolleg:innen haben mir das zwar bereits im Vorfeld gesagt, aber ich habe dann trotzdem erst vor Ort realisiert, wie wichtig diese zwischenmenschliche Komponente ist – sei es für den Ideenaustausch, zum Networking, oder um Verknüpfungen zum bereits Gehörten und Gelernten herzustellen. Es sind genau diese Gespräche auf den Gängen, zwischen den Veranstaltungen und bei anderen informellen Anlässen wie den spontanen Abendessen oder der Kongressparty, die eine grosse Bereicherung des BiblioCon-Besuchs waren und deshalb für mich in besonderer Erinnerung bleiben werden.

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