Einrichtung: Schweizerische Nationalbibliothek
Funktion: Leiter Innovation und Informationsmanagement (IIM)
Bibliothekarische Ausbildung: MAS ALIS der Universitäten Bern und Lausanne
Wie kamen Sie ins Bibliothekswesen?

Mein Studienkollege und Freund William war sehr umtriebig und entsprechend erfolgreich im Finden von passenden Aushilfsjobs. So arbeitete er beispielsweise in der damaligen Schweizerischen Landesbibliothek (SLB) als Lesesaalaufsicht. Da wir auch noch in der gleichen WG wohnten, erfuhr ich von ihm früher als andere, dass die SLB weitere Studierende anstellte, um die erweiterten Öffnungszeiten mittags, abends und samstags abzudecken. Nach einem informellen Bewerbungsverfahren konnte ich 1990 eine 30%-Stelle als „Bibliotheksassistent I“ in der SLB antreten – ohne zu wissen, dass dies den Anfang einer bibliothekarischen Laufbahn markieren sollte. Fortan war ich an drei Vormittagen pro Woche für die Ausleihe und die Rücknahme von Büchern zuständig, was damals rein analoge Vorgänge waren, wie das untenstehende historische Foto belegt. Nach dem Studium folgten dann eine kontinuierliche Erhöhung des Pensums, die Festanstellung und drei Funktionswechsel: Systembibliothekar, Direktionsadjunkt und Innovationsmanager.
Was sind Ihre heutigen Aufgaben?

Vor 10 Jahren verankerte die Geschäftsleitung der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB) das Innovationsmanagement in normativer, strategischer und organisatorischer Hinsicht. Meine heutige Hauptaufgabe als Leiter des Dienstes IIM ist es, Trends systematisch zu beobachten, die für uns relevanten zu erkennen und daraus operative Ziele abzuleiten. Das geschieht in kooperativer Form mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus den Fachbereichen. Daneben leiste ich einen Beitrag zur externer Kooperation, da gehört z.B. die Führung des Sekretariats der Schweizerischen Konferenz der Kantonsbibliotheken (SKKB) dazu. Ausserdem ist mein Dienst auch für die elektronische Aktenführung der NB verantwortlich.
Was ist Ihnen bei der Arbeit besonders wichtig?
Der Austausch mit vielen Kolleginnen und Kollegen aller Bereiche und Hierarchiestufen. Denn die guten Ideen entstehen immer zusammen mit anderen – in spontanen Gesprächen oder durch formalisierte Ideengenerierung.
Was ist das einzigartige an Ihrer derzeitigen Arbeitsstelle?
Die Beschäftigung mit der Zukunft, die kreativen Gruppenprozesse, die explorativen Vorhaben, die Gestaltungsfreiheit, der Freiraum zum Denken.
Was darf an Ihrem Arbeitsplatz nie fehlen?
Die Idee vom (eigenen) Arbeitsplatz hat sich bei mir mit der Erfahrung vom mobilen Arbeiten und HO verändert. Eigentlich brauche ich zum Arbeiten nur den Laptop und einen Kopfhörer. Ausserdem natürlich die Basics wie eine stabile Verbindung, Ruhe, aber auch sozialer Austausch, gutes Licht, eine ergonomische Sitzgelegenheit, die Möglichkeit, im Stehen zu arbeiten (zum Glück gibt’s online mobile Stehtische zu kaufen, die bezahlbar, funktional und schön sind!). Angesichts der vielen Online-Meetings und -Workshops sind ein grosser Bildschirm und eine externe Kamera sehr nützlich. Und auch eine kabellose Tastatur und eine Maus sind ganz nett. Wie geschrieben: Eigentlich gäbe es wenig, das an meinem Arbeitsplatz nicht fehlen darf. In der Praxis stelle ich fest, dass ich doch ganz eine Menge brauche, um glücklich und produktiv arbeiten zu können. Immerhin: Papierdossiers und Handnotizen gehören nicht mehr dazu, was die Arbeitsorganisation massiv verschlankt und zu wirklicher Ortsunabhängigkeit führt.
Was war der beste berufliche Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
„Auch wenn es viele Unbekannte gibt: Sei mutig, bewirb dich!“, forderte mich eine Kollegin auf, als ich zögerte, mich auf eine attraktive, anforderungsreiche Stelle zu bewerben. Ich habe es nie bereut, diesen Rat befolgt zu haben. Es war im Gegenteil eine schöne Erfahrung, an grossen Aufgaben wachsen zu dürfen.
Was sind Ihre bevorzugten Informationsquellen, um auf dem Laufenden zu bleiben?
Bei der Trendbeobachtung und der Ideenfindung haben wir uns die Quellen intern aufgeteilt, allgemeine (Mega-)Trends sind ebenso auf dem Radar wie technologische und Branchentrends. Immer wieder anregend finde ich persönlich die Beiträge des GDI, des Zukunftsinstituts und im ZWB Mediatalk Blog.
Gibt es ein Buch, einen Artikel, einen Blogbeitrag, den Sie den Mitgliedern der IG WBS empfehlen möchten?
Wer sich beruflich oder privat für das Thema menschenzentrierte Innovationskultur interessiert, findet in Oops! Innovation ist kein Zufall viele Anregungen. Mehr auf unsere Branche zugeschnitten und deshalb direkter anwendbar ist der „Klassiker“ Innovationsmanagement in Bibliotheken, den ich sehr empfehlen kann.
Sind Sie in den Sozialen Netzwerken unterwegs?
Aus beruflichem und persönlichen Interesse auf allen gängigen Plattformen, allerdings in der Regel passiv. Einzig auf LinkedIn poste ich ab und zu etwas.
