• Skip to primary navigation
  • Skip to main content
IG WBS

IG WBS

Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

  • Über uns
    • Mitglied werden
    • Statuten
    • Vorstand
  • Aus- und Weiterbildung
  • Veranstaltungen
  • Intern
    • Berichte
    • Mitglieder im Fokus
    • Aus dem Vorstand
    • Info WBS
    • Mitgliederverzeichnis
  • Anmelden
  • Show Search
Hide Search

Next Library in Aarhus 2019: Die Konferenz mit Gesicht

19. August 2019 ·

Die Next Library Konferenz ist bei den Mitgliedern der IG WBS beliebt. Auch an der Ausgabe 2019 im dänischen Aarhus waren zwei IG-WBSlerinnen dabei.

Ein Bericht von Alexandra Müller und Françoise Mutti, ZB Zürich, August 2019

Inspiriert von den Berichten anderer IG WBS-Mitglieder zur Next Library (2017 und 2018) und eines Library Science Talks über Design Thinking im Dokk1, haben auch wir Lust bekommen auf eine etwas andere Konferenz-Erfahrung und reisten Anfang Juni nach Aarhus in Dänemark.

  • Bibliothek im Dokk1
  • Blick vom Dokk1 auf den Hafen

Das Dokk1, Veranstaltungsort der diesjährigen Next Library Konferenz, ist bekannt als Ort der anderen und neuen Art: Es ist Multimediahaus, Kulturzentrum, Bürgerhaus, Treffpunkt und Bibliothek in einem. Dieses offene Konzept bildete den idealen Rahmen für die inspirierende und lebendige Konferenz, die von 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 44 Nationen besucht wurde.

Wir waren beeindruckt von der Breite der Themen, der Aktivität der Teilnehmenden, der professionellen dänischen Organisation «mit Gesicht» und schliesslich vom Einbezug vieler externer Dienstleister. Durch die beschränkte Grösse der Konferenz und die interaktiven Formate kam man sehr schnell mit den anderen Teilnehmenden ins Gespräch. Das Next Library Format richtet sich zwar vorrangig an öffentliche Bibliotheken, doch viele Themen waren/sind von universeller Bedeutung fürs Bibliothekswesen (Beispiel Big Data). Die Leitthemen waren:

  • Libraries in Times of Social Crisis
  • Civic Media and Data Democracy
  • Temporary Spaces
  • Game Changing Tech & Emerging Trends

Die unterschiedlichen Formate der Konferenz sorgten für Abwechslung und man konnte sich jeweils spontan entscheiden, ob einem der Sinn eher nach Zuhören oder Diskutieren und Ausprobieren stand. Ein Augenöffner waren die sogenannten «Ignite Talks»: Fünf Minuten für 20 Folien, die automatisch weitergehen. Nach der gesamten Session standen die Präsentatorinnen und Präsentatoren für Fragen zur Verfügung, so dass man mehr über jene Themen erfahren konnte, die einen interessierten. Wenn die fünf Minuten nicht ausreichten, um zu inspirieren, waren die Beiträge auch nach fünf Minuten schon wieder vorbei – ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt.

Eine Entdeckung war die Spoken Word Künstlerin Emma Holtet, die jeden Ignite Talk Block eröffnete. Hier sind alle ihre Auftritte zu sehen.

The Glass Room

Eine Art Messe mit Verkaufsständen, wie man sie von anderen Konferenzen kennt, gehört nicht zum Next Library Konzept, stattdessen wurde auf Inhalte rund um die Leitthemen gesetzt. Zum Verweilen und Sich-Informieren luden das Library Lab und das Data Lab ein. Letzteres wies spielerisch auf die Gefahren hin, die mit dem Teilen resp. Sammeln von Daten einhergehen, und man konnte sich mit einem Data Detox Kit eindecken. Das Ausstellungsformat des Data Labs basiert auf «The Glass Room», das von der NGO «Tactical Tech» stammt und sich an Bibliotheken, Schulen und andere Organisationen mit Bildungsauftrag wendet.[1]

Die Mischung aus interaktiven Sessions, Ignite Talks, Labs und den Key Notes, die den Rahmen des Programms bildeten, war äusserst abwechslungsreich und kurzweilig. Leider wäre es aber auch an dieser Konferenz notwendig gewesen, sich gleichzeitig an mindestens zwei Orten aufhalten zu können, da es viele interessante Sessions und Talks gab, die parallel stattfanden (so verpassten wir beispielsweise die Session zu PAIN-storming und hörten anschliessend viel Gutes darüber).


Keynotes (Auswahl)

Christopher Breedlove from The Burning Man Project – Burners Without Boarders

Christopher Breedlove lieferte eine Präsentation, bei der man nicht eine Sekunde gedanklich abschweifte! Burning Man ist ein Avantgarde-Festival und Kunstprojekt in der Wüste Nevadas und zieht mittlerweile jährlich mehrere Tausend Besucher an. Der Transfergedanke für die Bibliotheken bestand im Thema «temporary spaces». Die Erfahrungen des Burning Man sind, dass aus «temporary spaces» vielfältige Innovation entsteht; nicht alles muss vorher durchgeplant oder auf Langfristigkeit ausgelegt sein. Er arbeitet konkret für das Burners Without Boarders: «BWB is a grassroots, volunteer-driven, community leadership organization whose goal is to unlock the creativity of local communities to solve problems that bring about meaningful change.»

Video der Präsentation: https://vimeo.com/344258932


Louise Bernard, Obama Foundation

Louise Bernard, Direktorin des Museum of the Obama Presidential Center, berichtete über die Planung des Obama Presidential Centers, welches aus einem Museum, einem Forum und einer Bibliothek bestehen wird. Die Bibliothek, eine Zweigstelle der Chicago Public Library, soll das Hauptgebäude des Campus werden und neben traditionellen Bibliotheksdienstleistungen insbesondere den Einbezug der Gemeinde fördern.

Das Presidential Center möchte ein Ort für die gesamte Bevölkerung Chicagos werden, weshalb die sogenannte Plaza, um welche die Gebäude stehen, einen zentralen Stellenwert einnimmt. «Radical hospitality» ist ein Schlagwort, das von dieser Präsentation im Gedächtnis geblieben ist.

Video der Präsentation und der anschliessenden Paneldiskussion: https://vimeo.com/343216529


Sessions (Auswahl)

Intergenerational Learning

Wie können wir Schule neu denken? Wie profitieren alle davon, wenn Alt und Jung gemeinsam lernen? Wie plant eine altersgemischte (und zudem internationale!) Gruppe ein Projekt? Diesen und weiteren Fragen gingen wir in dieser Session auf die Spur. In kleinen Gruppen mit dänischen Mittelschülerinnen und -schülern mussten wir in kurzer Zeit einen Projektplan aufstellen. Durch das Ausprobieren konnten wir gleich selber spüren, was die Vorteile, aber auch die Herausforderungen solcher generationenübergreifenden Lernformen sind. Die Form hätte durchaus auch im Bibliothekskontext oder bei der täglichen Arbeit Anwendungspotential.


Who’s in Charge? How algorithmic decisions shape our lives

Das Medialab aus Utrecht arbeitet mit der dortigen UB zusammen, um die Öffentlichkeit zu den Auswirkungen der künstlichen Intelligenz aufzuklären. Ein aktuelles Beispiel, anhand dessen die zugrundeliegenden Annahmen eines Algorithmus und deren Folgen für die Gesellschaft erklärt wurden, war der Fall Amazon und sein über Jahre inhouse entwickeltes Rekrutierungstool. Die Software, die Lebensläufe automatisiert scannen und so den Idealkandidaten unter hunderten von Bewerbern rausfiltern sollte, hat tatsächlich nicht Vorurteile abgebaut, sondern erst eingeführt. Indem die Software mit CVs von Männern gefüttert wurde (da das Tech-Umfeld männlich dominiert ist), hat sie begonnen, männliche Kandidaten zu bevorzugen. Man konnte dies und einige andere Ungereimtheiten nicht beheben und musste das ganze Projekt einstampfen. Fazit: You don’t know which moral assumptions underlie the algorithm.

Mehr zum Thema (Empfehlungen des Medialabs):

O’Neil, Cathy. Weapons of Math Destruction: How Big Data Increases Inequality and Threatens Democracy. Allen Lane, 2016.

Eubanks, Virginia. Automating Inequality: How High-Tech Tools Profile, Police, and Punish the Poor. First ed., St. Martin’s Press, 2018.


Idealification: Understanding the broader meaning of gamification within digital services for libraries

«Gamification is the use of game design elements, game thinking and game mechanics to enhance engagement and motivation in non-game contexts». In dieser Session sollte man erleben, wie es ist, selber Designer einer neuen Art von User Experience zu werden. Konkret haben wir dies genutzt, um eine Lesung neu / spannender / einladender zu gestalten. Tatsächlich wurden Ideen generiert, die einen Überraschungseffekt hervorriefen. Viele Teilnehmende berichteten, Ähnliches erfolgreich ausprobiert zu haben. Beispiel: Veranstaltungsreihe, von denen der Inhalt des dritten Abends geheim gehalten wurde – hier wurden die meisten Tickets verkauft.


Ignite Talk: Designing new technologies for libraries / Roboter für Buchbestellungen

Die in Aarhus ansässige Software Firma Redia hat ebenfalls ein breites Anwendungsspektrum für Bibliotheken und beschreiben sich selbst als «design company, rethinking digital dialogue». Derzeit arbeitet sie an einem Roboter, der Regale scannt, verlorene Medien findet und auch selbständig aus dem Regal holt.


Ignite Talk: Data driven method to understand people behavior in temporary indoor spaces

Ein Forschungsprojekt der Aarhus School of Architecture versucht herauszufinden, wie sich räumliche Veränderungen auf die Interaktion von Benutzenden auswirken. Wo frühere Untersuchungen sogenannte «Wearables» verwendeten, wurden dazu im Dokk1 nicht-invasive Sensoren installiert, die das Verhalten der Nutzenden mit Kameras und Geräuschaufnahmen messen. Langfristig sollen Bibliotheken und andere Einrichten die Forschungsergebnisse dazu nutzen können, ihre Räume so zu gestalten, dass das Nutzungserlebnis und das Wohlbefinden der Benutzenden gesteigert werden.



Rahmenprogramm

Am Sonntag nahm ich, Alexandra, an einer Inspiration Tour mit dem vielversprechenden Titel «Exploring Danish Wellbeing» teil (Bericht). Mit ca. 25 Kolleginnen und Kollegen machte ich mich auf, dem Geheimnis der Dänen auf die Spur zu kommen, weshalb es sich in Dänemark so gut leben lässt. Wir besuchten ein kleines Designstudio[2], das auf digitale Innovation spezialisiert ist, eine Terrasse auf einem Warenhaus von welcher aus man ganz Aarhus überblicken kann, den Botanischen Garten, einen Friedhof der auch als Park genutzt wird und das Wohngebiet am Hafen, wo es ein öffentliches Bad gibt.

Durch viele kleine Aufgaben kam ich mit neuen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch und lernte dänische Konzepte wie hygge («eine gemütliche, herzliche Atmosphäre, in der man das Gute des Lebens mit netten Leuten zusammen geniesst»), trivsel («Gedeihen, Wohlbefinden, Gemütlichkeit» – in der Grundschule gibt es eine Bestimmung darüber, wie es um das eigene Gedeihen steht!) und faelleskab («Gemeinschaft, Zusammengehörigkeitsgefühl») kennen. Gleichzeitig erfuhr ich viel Neues über Bibliotheken in den USA, Finnland, Deutschland und weiteren Ländern. Ein geglückter und in der Tat sehr inspirierender Start in die Konferenz!

  • Immer griffbereit
  • Havnebadet
  • Regenschirm Sharing
  • Blick über Aarhus

Auf verschiedenen Rundgängen erkundeten wir am Montagabend die sympathische Stadt und trafen uns zum Schluss mit weiteren Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer im Aarhus Central Food Market. Am Dienstagabend ging die Konferenz offiziell mit einer Dinner Party in der Halle des Aarhuser International Sailing Centers zu Ende.

  • Walking Tour
  • Dinner Party



Alle Videos, Slides und Fotos findet man unter http://www.nextlibrary.net/all-about-next-library-2019.

Die 2020-Ausgabe der Next Library findet in Brisbane statt. In 2021 findet die Konferenz traditionsgemäss wieder im Dokk1 statt.


[1] «The Glass Room is a pop-up exhibition that’s generating a global conversation about data and privacy. The current version of the Glass Room Community Edition focuses on the Internet of Things (IoT), with an aim to creatively illustrate the larger issues around data, privacy and smart devices. It explores some of these new technologies in a playful way, and encourages visitors to question whether IoT technologies will really make our lives more efficient, healthier and safer.»↩

[2] Gejst/Studio pflegt ein sehr modernes Verständnis von Zusammenarbeit und Arbeitsplatz und erinnert teilweise an Google in Miniaturformat. Einige Beispiele: Die Firma darf nicht mehr Mitarbeitende haben als um den grossen Küchentisch passen – die wöchentliche Arbeitszeit wurde von den in Dänemark üblichen 37,5 auf 32 Stunden reduziert – Fähigkeiten und Herzblut zählen mehr als Ausbildungsabschlüsse – flexible Einrichtung erlaubt es, die Räumlichkeiten jederzeit den Bedürfnissen anzupassen – feste Arbeitsplätze haben nur die Programmierer – es gibt überall Flipcharts, Korkwände, Marker und Post-Its – es werden nur Projekte angenommen, die in irgendeiner Weise die Welt verbessern – Scheitern und Fehler machen gehört dazu – guter Kaffee ist extrem wichtig und zeigt die Wertschätzung für die Mitarbeitenden und die Kunden, etc.↩


Diverses Next Library Conference

IG WBS

Copyright © 2026 · Interessengruppe Wissenschaftliche BibliothekarInnen Schweiz
eine Vereinssektion von Bibliosuisse

  • Impressum
  • Datenschutz
Diese Website benutzt Cookies. Wenn du die Website weiter nutzt, gehen wir von deinem Einverständnis aus.