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Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

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Bibliothekskongress Leipzig vom 18.-21. März 2019

15. April 2019 ·

Vom 18.-21. März 2019 fand in Leipzig der 7. Bibliothekskongress unter dem Titel „Bibliotheken verändern“ statt. Das Motto war bewusst zweideutig formuliert, ging es doch sowohl um Veränderungen in der Bibliothekswelt (Stichwort digitaler Wandel) als auch um gesellschaftliche oder politische Veränderungen, die Bibliotheken anstossen können. Gastland waren dieses Jahr die Niederlande.

Der 7. Bibliothekskongress war zugleich der 108. Deutsche Bibliothekartag und wurde von über 4000 Teilnehmenden besucht. Hier berichten nun Caroline Jabornegg und Vildane Bilali, Abteilung Medienbearbeitung der Kantonsbibliothek Thurgau.

Eindrücke von Caroline Jabornegg

Zum Thema Formalerschliessung, das mich beruflicherweise am meisten interessiert, war wie erwartet nicht allzu viel Neues zu erfahren. Die anfängliche RDA-Aufregung hat sich mittlerweile ziemlich gelegt, die Fragen verlagern sich immer mehr ins Detail.

Die grosse Unbekannte ist zurzeit das neue Toolkit, das ursprünglich schon auf vergangenes Jahr angekündigt war, nun aber Ende April endlich auf Englisch erscheint. Da es nicht mehr auf dem FRBR-FRAD-FRSAD-Modell, sondern auf einem neu erarbeiteten Library Reference Model (LRM) aufbaut, werden Aufbau und Struktur des neuen Toolkits völlig neu daherkommen. Erste Einblicke dazu gaben Renate Behrens von der DNB, Gordon Dunsire vom RDA Steering Committee und Christian Aliverti von der Schweizerischen Nationalbibliothek (Präsentation) sowie Heidrun Wiesenmüller von der Hochschule der Medien, Stuttgart. (Präsentation)

Man darf gespannt sein auf die deutsche Übersetzung, die bis Ende Jahr vorliegen soll, auf die darauf folgenden Schulungen und die Auswirkungen auf die praktische Arbeit.

Interessant waren ausserdem die „Schulterblicke im Fachbereich Erschliessung der DNB“. Am Dienstagnachmittag konnte man den KollegInnen in der DNB im wahrsten Sinn des Wortes über die Schulter sehen und dabei viel Wissenswertes über Eingangskontrolle, Formal- und Sacherschliessung sowie die Arbeitsaufteilung zwischen den beiden Standorten der DNB, Leipzig und Frankfurt am Main, erfahren.

Dritter Ort

Unter dem Label „Bibliothek als dritter Ort“ gab es zahlreiche interessante Veranstaltungen. So zum Beispiel eine Präsentation von Maaike Koonen von der Koninklijke Bibliotheek Den Haag zum Thema “Public libraries and basic skills”, in der sie von den Bemühungen und Erfahrungen im Zusammenhang mit dem nationalen Programm “Library and basic skills” berichtete. Dabei werden den Bibliotheken vom Staat Materialien zur Wissensvermittlung von basic skills (Lesen, Formulare ausfüllen, Umgang mit Computern) zur Verfügung gestellt, welche die Bibliotheken mit ihren eigenen MitarbeiterInnen und in ihren eigenen Räumlichkeiten an den Mann, bzw. an die Frau bringen können/sollen. Bei geschätzten 4 Millionen Einwohnern mit einem Defizit in den basic skills eine grosse Aufgabe!

Da in den Niederlanden viele Formalitäten nur noch online erledigt werden können, ist eine solche Kampagne dringend nötig, um nicht einen grossen Teil der Einwohner ungewollt vom sozialen oder wirtschaftlichen Leben auszuschliessen. Das Hauptproblem der Bibliotheken besteht vor allem darin, an die  Zielgruppen heranzukommen. Am ehesten geschieht dies über die Kinder, bzw. die Schulen, die die Eltern auf die Angebote der Bibliotheken aufmerksam machen. (Präsentation)

Open Library

Zu verlängerten Öffnungszeiten ohne anwesendes Personal (Open Library) sprachen Angela Rustemeier und Daniel Murday von den Bücherhallen Hamburg. In der Filiale im Stadtteil Niendorf wurden die Öffnungszeiten seit Mai 2017 schrittweise verdoppelt, worauf die Benutzerzahlen um knapp 15% zunahmen – Tendenz steigend. Zugänglich ist die Bibliothek an den Randzeiten für Kunden mit einem gültigen Benutzerausweis. Allerdings zeigen Vergleiche zwischen der Zahl der eingeloggten Kunden und derjenigen Zahl, die durch die Besucherzählanlage ermittelt wird, dass offenbar jeder eingeloggte Kunde im Schnitt 3-4 weitere Besucher in die Bibliothek einschleust. Da dies bisher zu keinen Problemen geführt hat, freut man sich über das offensichtliche Interesse an dem Angebot und hat vorläufig keine Massnahmen vorgesehen, strenger durchzugreifen.

Weitere interessante Vorträge gab es unter den Titeln „Barrierefreie Bibliothek: Räumlichkeiten für Alle” (Präsentation), “Mit Vergnügen Bibliothek! Zielgruppenorientierte Führungen, die Spass machen” (Präsentation) oder “Raus aus alten Mustern – oder 3rdPlace4All!?” (Präsentation), in denen es um behindertengerechten Zugang, Freude an experimentellen Führungen und die Möglichkeiten, auch unter nicht idealen Voraussetzungen ein attraktiver dritter Ort zu sein, ging.

Alles in Allem waren es sehr anregende Tage in Leipzig. Ein Wermutstropfen waren die teilweise völlig überfüllten Räume und die schlechte Organisation am letzten Tag (dem Beginn der Buchmesse), als die Kongressbesucher teilweise gezwungen waren, sich in die lange Schlange der Messebesucher einzureihen, um in das (separate) Kongressgebäude zu gelangen.

Eindrücke von Vildane Bilali

Der diesjährige Bibliothekskongress begann für mich mit dem Datenbezieher-Workshop in der Deutschen Nationalbibliothek. Dieser Workshop wird alle zwei Jahre im Rahmen des Bibliothekartags bzw. Bibliothekskongresses durchgeführt und richtet sich an die Bezieher der Daten, die die DNB zur freien Nachnutzung zur Verfügung stellt. In erster Linie ging es darum, über Neuerungen in den Datendiensten zu informieren, aber natürlich war es auch das Ziel, den Austausch zwischen den verschiedenen Datenlieferanten und -beziehern zu fördern und zu vertiefen.

Interessant fand ich vor allem den Vortrag über die aktuellen Entwicklungen in der DNB im Bereich der inhaltlichen Erschliessung, worin es hauptsächlich um die maschinelle Beschlagwortung ging. In diesem Zusammenhang wurde zum Ausdruck gebracht, dass die Zukunft der intellektuellen Erschliessung weiterhin ungewiss ist. Seitens der DNB wird aber angestrebt, dass die maschinelle Erschliessung die intellektuelle irgendwann ablöst. (Link zu den einzelnen Präsentationen)

Im Anschluss an den Workshop fand eine kurze, aber spannende Führung durch das Gebäude der DNB statt.

  • 2 Standorte: Leipzig und Frankfurt am Main
  • In Leipzig, da bereits 1912 gegründet, befindet sich die Literatur mit den Erscheinungsjahren 1913-1945, ab 1945 an beiden Standorten jeweils 1 Exemplar
  • Benutzung: Präsenzbibliothek, 42 Euro Jahresgebühr ohne Ermässigungen
  • Am Standort Leipzig befinden sich das Deutsche Buch- und Schriftmuseum, das Deutsche Musikarchiv und die Anne-Frank-Shoah-Bibliothek
  • Sehr schöner, altehrwürdiger Lesesaal (anlässlich der Buchmesse fand dort eine unterhaltsame Lesung mit Ingrid Noll statt)

Am Bibliothekskongress erwartete die über 4000 Teilnehmenden ein überaus umfangreiches und vielfältiges Programm, wobei ich mich aus beruflicher Sicht vor allem auf die Themen „Öffentliche Bibliotheken“ und „Erschliessung“ fokussiert habe. Im Folgenden deshalb ein paar Highlights aus den Vorträgen dieser Themenbereiche:

Öffentliche Bibliotheken

  • Vorstellung vieler interessanter und erfolgreicher Veranstaltungen und Workshops für Jugendliche wie z.B. das Programm „Hiphop in your library“ der Öffentlichen Bibliotheken in den Niederlanden und in Belgien (Präsentation) oder die Medienkompetenz-Workshops der GGG Stadtbibliothek Basel (Präsentation):
    • Künstler/Influencer, die in der Bibliothek aus ihrem Leben erzählen
    • „Kreatives Schreiben“- und „Spoken Word“-Workshops
    • Pizzasessions (Gesprächsrunden)
    • Buchtrailer (Buchvortrag 3.0)
    • #Bookstagram
    • Literal-Video
    • Fake-News-Workshops
    • u.v.m.
  • Präsentation von Studienergebnissen, die die Wirksamkeit frühkindlicher Leseförderung belegen; in diesem Zusammenhang hat man in Deutschland angefangen, die Abgabe von Buchstartsets in Kooperation mit Kinderärzten durchzuführen, um dort die Eltern abzuholen, die sonst nicht in die Bibliothek kommen.
  • Public Campaigning: Gerade in Deutschland, wo es kein Bibliotheksgesetz gibt und Bibliotheken als freiwillige Leistungen gelten, ist es umso wichtiger Kommunalpolitiker für Bibliotheksthemen zu begeistern und sie als (finanzielle) Unterstützer zu gewinnen.

Erschliessung

  • GND öffnet sich für weitere Kultureinrichtungen; Aufbau eines Kooperationsnetzwerks mit Wikidata, BnF/ABES, FactGrid, etc.
  • Überprüfung und Weiterentwicklung maschineller Verfahren nach wie vor ein grosses Anliegen: Deutsche Nationalbibliothek testet nun maschinelle Verfahren zur Beurteilung automatisch erzeugter Inhalte („Maschine überwacht Maschine“), dabei werden intellektuell erfasste Metadaten mit maschinell erfassten Metadaten verglichen.

Rahmenprogramm

  • Führung durch die Stadtbibliothek Leipzig: sehr grosse und moderne Bibliothek mit einem Bestand von ca. 430‘000 Medien mit einem ausgesprochen grossen Angebot an DVDs und Musik-CDs (mit steigenden Ausleihzahlen in diesem Bereich!)
  • Führung durch die Druckerei der Leipziger Volkszeitung: interessanter Einblick in die Herstellung einer grossen Tageszeitung!

Für mich war es der erste Bibliothekskongress in Deutschland und deshalb war ich zunächst ein bisschen beeindruckt von der Grösse einer solchen Veranstaltung, was einerseits positiv war, da man so eine grosse Auswahl an Themen hatte, insofern aber negativ, als dass für gewisse Vorträge zu kleine Räume eingeplant und diese somit schnell überfüllt waren. Nichtsdestotrotz war es für mich im Grossen und Ganzen ein gelungener Kongress mit vielen anregenden Beiträgen, die für die Ausübung unserer täglichen Arbeit sehr wertvoll sein können.

Die verfügbaren Abstracts und Präsentationen sämtlicher  Kongressbeiträge finden sich unter folgendem Link: OPUS-Server.

Caroline Jabornegg und Vildane Bilali, Abteilung Medienbearbeitung der Kantonsbibliothek Thurgau
April 2019

Diverses Deutscher Bibliothekartag, Digitaler Wandel, Erschliessung, Öffentliche Bibliothek, Openness

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