Ein Besuch der Next Library Conference ist äusserst lohnenswert für Mitarbeitende aus öffentlichen Bibliotheken wie mich, die in der bibliothekarischen “Konferenz-Landschaft” oft ein wenig zu kurz kommen. Dies liegt nicht nur an den zahlreichen ReferentInnen, sondern vor allem an den praxisorientierten Workshops und Kurzvorträgen, die viele gut umsetzbare “Best Practices” und nützliche Tipps vermitteln.
Zudem kommt die Mehrheit der Teilnehmenden und Vortragenden aus skandinavischen Ländern, den Niederlanden oder den USA, die bei wichtigen Innovationen in unserem Bereich fast immer zu den Vorreitern zählen. Somit ist es eigentlich unmöglich, aus den vielen spannenden und inspirierenden Veranstaltungen ein einzelnes Highlight auszuwählen. Der Workshop “Creative Learning in the public library” des MIT Media Lab soll deshalb vielmehr den “Hands on”-Charakter dieser Konferenz unterstreichen und stellvertretend für die zahlreichen Ideen stehen, die ich aus Berlin mitgenommen habe.
Niederschwellig und unkompliziert
Ursprünglich gar nicht als Bibliotheksangebot gedacht, arbeitet das MIT Media Lab mittlerweile schwerpunktmässig mit öffentlichen Bibliotheken zusammen. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe: Der niederschwellige Charakter von Bibliotheken ermöglicht einen einfachen Zugang zu unterschiedlichen Schichten und Zielgruppen, zudem sind solche Lerninitiativen dort oft viel unkomplizierter umzusetzen als in Schulen, da Bibliotheken über weniger formale Vorgaben und mehr Freiheiten verfügen.
Nach einer kurzen Einführung zu den Tätigkeiten des Media Labs konnten sich die Teilnehmenden zwischen zwei praktischen Workshops entscheiden. Unsere Gruppe versuchte sich dabei an einer kleinen Scratch-Animation, die über die eine micro:bit-Platine aus der “realen Welt” gesteuert werden konnte. So vollführten unsere beiden Scratch-Figuren Saltos, wechselten die Farbe oder unterhielten sich über Sprechblasen miteinander, je nachdem, ob die mit der Platine beklebte Senfflasche gedreht, geschüttelt, gedrückt oder hochgeworfen wurde.
Programmieren ohne grosse Programmierkenntnisse
Ein lustiges Experiment, das zu raschen Erfolgserlebnissen mit Programmierlogiken führt und den Bildschirm auf anschauliche Weise mit der physischen Welt verbindet. Das intuitive Programmierinterface und die preisgünstigen Komponenten – die Platinen kosten bei uns rund 20 Franken und als “Steuerungselemente” kommt so ziemlich alles in Frage, worauf eine Platine geklebt werden kann – machen diesen Scratch-Workshop zu einem einfach umsetzbaren Angebot, das auch von kleineren Bibliotheken und Mitarbeitenden ohne grosse Programmierkenntnisse realisiert werden kann – und das bestimmt vielen Kindern (und ihren Eltern!) Spass machen wird.
Oktober 2018
Susanne Manz, Bibliothek Zug
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