Cécile Vilas, Präsidentin von Memoriav und langjährige Bibliotheksleiterin, berichtete vor Mitgliedern der IG WBS über ihre Erfahrungen und Projekte in der Öffentlichkeitsarbeit. Der Anlass fand an einem besonderen Ort statt: im Lichtspiel in Bern.
An einem fast schon herbstlichen Montagabend Anfang September begaben sich einige unerschrockene Mitglieder der IG WBS auf den abenteuerlichen Weg zum Lichtspiel in Bern. Google Maps kann auf dem Weg dorthin nämlich etwas in die Irre führen, da der Lift von der Monbijoubrücke runter zur Dampfzentrale nicht wirklich eingetragen ist. Schliesslich kamen aber alle interessierten IG-WBS-Mitglieder im Lichtspiel nahe der Dampfzentrale am Ufer der Aare an.

Das Lichtspiel und Memoriav
Das Lichtspiel ist ein magischer Ort, wie die Referentin des Abends, Cécile Vilas, richtig sagte. Es ist Museum, Kino, Bar und Werkstatt in einem. In der Sammlung sind Kameras, Projektoren und über 20’000 Filmrollen zu finden. Diese werden regelmässig in dem schönen Kinosaal unter dem Dach gezeigt.
Cécile Vilas hat eine persönliche Beziehung zum Lichtspiel. Sie ist seit dem Frühjahr 2018 Direktorin von Memoriav: Der Verein setzt sich für die Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz ein und rettet beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Lichtspiel Schweizer Filme vor dem Verfall.

Öffentlichkeitsarbeit als Marathonlauf
An diesem Septemberabend aber berichtete Cécile Vilas in erster Linie aus ihrer Zeit als Leiterin des Bereichs Kultur/Stadtbibliothek und -archiv der Stadt Zofingen und zuvor als Leiterin der Bibliothèque Publique von Yverdon-les-Bains – und zwar vor allem über die Öffentlichkeitsarbeit an diesen beiden Institutionen.
Zwei wichtige Botschaften standen im Zentrum. Erstens: Öffentlichkeitsarbeit ist ein Marathonlauf, man muss immer am Ball bleiben und sich engagieren. Persönliche Kontakte müssen über eine lange Zeit gepflegt werden. Durch sie öffnen sich die Türen zu unterschiedlichsten Gremien, was wiederum der Vernetzung der Bibliothek dient.
Dadurch können BotschafterInnen für die Bibliothek gewonnen werden, ein Netz von wohlgesinnten Personen, die sich für die Belange der Bibliothek einspannen lassen.
Sichtbarkeit
Die zweite Botschaft: Bibliotheken müssen sichtbar sein, präsent sein im öffentlichen Raum und deshalb raus gehen aus ihren Gebäuden. Die Bibliothek Zofingen stellte beispielsweise im Sommer rote Liegestühle auf den Vorplatz des Gebäudes, so dass sich die Zofingerinnen und Zofinger zum Verweilen und vielleicht sogar zum Lesen eingeladen fühlten. In der Adventszeit nahm die Bibliothek am Weihnachtsmarkt teil.
Ausserdem bot die Bibliothek dem Gewerbe eine Plattform unter dem Motto «Das älteste Geschäft der Stadt Zofingen: Wir handeln mit Informationen seit 1693». So informierte die Inhaberin eines Bioladens in der Bibliothek über vegane Ernährung und eine Drogistin referierte über Spagyrik, was auch Nicht-NutzerInnen in die Bibliothek lockte.
Historischer Buchbestand als USP
Da die Bibliothek Zofingen über einen historischen Buchbestand verfügt, versuchte Cécile Vilas, diesen als USP (unique selling point), also als Alleinstellungsmerkmal der Bibliothek zu präsentieren. Zu diesem Zweck wurde die Bibliotheksmaus erfunden, die nach 300 Jahren aus dem Tiefschlaf erwacht war und so den historischen Hintergrund der alten Bücher mit eigenen Erfahrungen verbinden konnte – sie präsentierte quasi Bücher aus ihrer Jugend. Den Kindern wuchs die Bibliotheksmaus derart ans Herz, dass sie ihr regelmässig Fanpost schickten.
Hier schlug Céclie Vilas den Bogen von den allgemein öffentlichen Bibliotheken zu den wissenschaftlichen Bibliotheken, die oft ebenfalls einen historischen Buchbestand haben. Sie ist überzeugt, dass Kinder auch in den wissenschaftlichen Bibliotheken einen Platz haben sollten – zum Beispiel mit der «Kinder-Uni». Schliesslich sind Kinder die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer von Bibliotheken. Es lohnt sich also, sie schon früh in die Bibliothek zu locken.

Ausprobieren!
Bei allem Engagement müssen die Bibliotheken in Sachen Öffentlichkeitsarbeit nicht alles neu erfinden. Sie sollten sich nicht scheuen, bei anderen erfolgreichen Institutionen abzuschauen und sich inspirieren zu lassen – seien es nun «erfolgreiche» Bibliotheken oder sogar ganz «artfremde» Unternehmen. Entscheidend ist der Mut und die Bereitschaft, etwas auszuprobieren, auch wenn es schief gehen könnte.
Was ist Öffentlichkeitsarbeit genau?
Interessierten an den Definitionen von Öffentlichkeitsarbeit und Marketing seien die Webauftritte von pr suisse, dem Public-Relations-Verband SPRV der Schweiz, und marketing.ch empfohlen.
Catrina Dummermuth, Vorstandsmitglied IG WBS
September 2018
