Am 23. März fand an der UB Wirtschaft der Universität Basel der IG-WBS-Workshop «Rhetorik des Präsentierens» mit Marcel Dräger statt. Dabei diskutierten die Teilnehmenden nicht nur über die Vor- und Nachteile des Mediums Power Point, sondern auch ganz grundsätzlich über zentrale Aspekte des Auftretens, verfügbare Hilfsmittel sowie deren effizienter Einsatz.
Referent Marcel Dräger (Sprachwissenschaftler, Berater für Wissenskommunikation und praktische Rhetorik) betonte gleich zu Beginn die Wichtigkeit, über die Inhalte und Themen Bescheid zu wissen, die präsentiert werden sollen. Auch ein sicheres Auftreten oder eine gute Power Point-Präsentation kann schliesslich fehlende inhaltliche Sicherheit nicht wettmachen oder über mangelnde Fachkenntnisse hinwegtäuschen.
Zentrales Element des Präsentierens ist die Kommunikation, die i.d.R. via ein Medium geschieht. Wissen bzw. Information wird also indirekt, medial vermittelt, beispielsweise via das klassische Medium Power Point (PP). Bei PP (wie auch bei vielen anderen Medien) hob Dräger folgende Elemente hervor, die eine Präsentation positiv wie aber auch negativ beeinflussen bzw. entsprechend eingesetzt und genutzt werden können:

- Technik: muss mitspielen, sonst läuft nichts
- Gleichzeitigkeit: Zuhören und Lesen/Anschauen geschieht parallel, d.h. die Aufmerksamkeit des Publikums kann durch die parallel laufenden Informationskanäle (Sprechen vs. Slides) beeinträchtigt sein
- Tempo: kann durch Einsatz von Slides erhöht oder aber auch gedrosselt werden
- Vielseitigkeit: Das visuelle Medium PP lässt zahlreiche Präsentationsmöglichkeiten zu (Text, Bild, Ton, Video, Verlinkungen auf weitere Texte, Bilder …)
- Struktur: PP bietet eine Struktur, Linearität (Slide 1, 2, 3…), die aber auch einschränkend wirken kann
- Gedächtnis: PP kann als Gedächtnisstütze dienen, vergisst (solange regelmässig gespeichert wird) nicht, sondern behält und bewahrt auf.
ABER: PP kann nicht alles gleichzeitig, sondern kann jeweils nur eine Aufgabe erfüllen! PP kann also beispielsweise als Präsentation genutzt werden, als zusammenfassenden Text zum Abgeben, als Gedächtnisstütze für die Präsentierenden, aber es ist normalerweise sinnvoll, sich auf eine Art der Nutzung zu beschränken. Elemente, die eine Präsentation attraktiv machen, wirken bspw. nicht mehr, wenn die Präsentation im Anschluss als Ausdruck abgegeben wird. - Ziel: Nur wenn ein klares Ziel der gesamten Präsentation formuliert wird, können die verfügbaren Medien effizient eingesetzt werden.
Kontext beachten
Das Medium wird immer auch eingeschränkt durch die Kommunikationsform und die Situation, in der das Medium gebraucht wird. Der Kontext hat einen Einfluss auf die Verwendungsmöglichkeiten des Mediums. Je nach dem müssen PP-Vorlagen der eigenen Institution verwendet oder es muss ein Logo an einer bestimmten Stelle auf den Folien angebracht werden.
Daneben spielen die eigenen Fähigkeiten eine Rolle. Je nach Wissensstand kann aus jedem Medium mehr oder weniger herausgeholt werden, das gilt für Power Point wie auch für jedes andere verfügbare Medium.

Und schliesslich sind die Erwartungen des Publikums nicht ausser Acht zu lassen. So gehört es häufig zum guten Ton, für ein Referat eine Power-Point-Präsentation (PPP) zu verwenden. Verwendet nun jemand keine PPP, kann er/sie sich schnell einer gewissen Kritik ausgesetzt finden.
Marcel Dräger zog für seine Ausführungen das Organonmodell des Sprachpsychologen Karl Bühler herbei, bei dem die Präsentierenden («ich») dem Publikum sowie der Sache (dem Thema der Präsentation) gegenübergestellt werden. Das Modell kann hilfreich beim Hinterfragen der Gestaltung (und Ausformulierung) der eigenen Präsentation und der damit verknüpften Ziele.
Was ist mein Ziel?
Anknüpfend an die oben aufgeführten Punkte stellt sich die Frage: Wann bietet sich welches Medium an?
Es geht bei der Wahl des Mediums (und der Nutzung desselben) aber nicht nur darum, dass aus den verfügbaren Medien das passende ausgewählt wird, sondern besonders auch darum, dass dieses dann auch effizient und zielgerichtet eingesetzt wird. Schliesslich gilt: Die Gestaltung und Verwendung des Mediums hängt immer vom Ziel ab, das mit der Präsentation verfolgt wird. Ist dies nicht der Fall, nützt auch das beste Medium nichts!
Ziele können ganz verschiedener Natur sein (Information vermitteln, Publikum überzeugen, eigene Institution in einem gutem Licht präsentieren etc.). Sie sollten aber immer auch bis zu einem gewissen Grad persuasiv sein, auch wenn die Informationsvermittlung im Vordergrund steht. Denn das reine Informieren ist ein schwierig umsetzbares Ziel, weil es meistens am Publikum vorbeischiesst und zu sachbezogen ist, d.h. zu wenig auf das Publikum eingeht. Wenn aber das Ziel im Hinterkopf behalten wird, das Publikum überzeugen zu wollen, kann viel (im bibliothekarischen Sinne) nutzerorientierter gedacht werden und der Blick verändert sich von der Sache hin zum Zielpublikum.
Natürlich können die Ziele pro Folie unterschiedlich sein. Aber auch bei der Gestaltung einzelner Folien sollte das gesamthafte Ziel der Präsentation nicht ausser Acht gelassen werden und damit eine gewisse Kohärenz sollte gewährleistet sein.
Die Publikumsfrage
Das schon so oft erwähnte Publikum ist für die Gestaltung einer Präsentation ebenfalls entscheidend. Schliesslich ist ein gemeinsames Verständnis der Situation/des Themas nötig, um einen gewissen Sachverhalt oder eine Information vermitteln zu können. Dräger riet entsprechend, weg von der Sachebene (Fachwissen) zu argumentieren und mehr hin zum Publikum zu denken und auch Formulierungen und Ausdrücke entsprechend zu wählen.
Daneben muss man sich Gedanken darüber machen, was die Präsentation über mich selbst aussagt, über die eigene Institution, über die präsentierte Sache. Wie nimmt das Publikum das Präsentierte wahr bzw. wie soll es das Präsentierte wahrnehmen? Je nach dem bieten sich andere Formulierungen oder eine ganz andere Herangehensweise/Gestaltung der PPP an.
Praktische Hinweise

- Bilder sollten immer in den Kontext eingebunden werden, in dem sie auftreten. Man sollte sich daher immer die Frage stellen: Unterstützt das Bild die Botschaft oder Aussage, oder lenkt es davon ab (ist es zu gross, passt es nicht)? Falls letzteres der Fall ist, Bild besser weglassen.
- Nicht zu viel auf eine Folie packen: Es macht i.d.R. mehr Sinn, sich auf eine oder wenige Aussagen pro Folie zu beschränken, damit die Kernbotschaft übermittelt wird, anstatt zu verwirren oder zu viel zu wollen (das Publikum hat normalerweise eine sehr beschränkte Aufmerksamkeits- und Aufnahmekapazität)
- Kohärenz/Kohäsion: Nur wenn Folien und verwendetes Vokabular einheitlich gestaltet sind, kann ein gewisser Wiedererkennungswert generiert werden. Die Chancen steigen damit, dass etwas beim Publikum hängen bleibt.
- Gehirne können keine Listen denken!
Auflistungen sind daher eher schwierig zu verarbeiten bzw. kann sich das Publikum häufig nicht merken. Viel sinnvoller ist es, einen roten Faden (bzw. eine Wäscheleine) zu spannen. D.h.: Wie komme ich von A nach B? Wo bin ich jetzt? Wohin geht es?). Bilder können hier hilfreich sein.
Diese «Wäscheleine» kann auch vom Präsentierenden im Raum abgelaufen werden (sich von einem Ort zum anderen bewegen, nicht immer am selben Ort stehen). - Grafiken: können gewisse Dinge zeigen, die Sprache so nicht abbilden kann, können also eine gute Ergänzung zu den sprachlichen Ausführungen der Referierenden sein. Sie sind besonders nützlich, um Beziehungen und Zusammenhänge darzustellen.
Hilfreich: einzelne Bereiche nacheinander einblenden (aufbauen), aber die Struktur bereits vorgeben (so dass sich das Publikum darauf einstellen kann, was und wie viel davon noch kommt)
Aber: nicht viel Information auf einmal, genug Zeit geben - Beachten: Gleichzeitig Lesen und Zuhören überfordert! Es ist daher ratsam, nur einen Kanal aufs Mal zu verwenden.
- Storytelling: besonders bei trockener Materie sehr hilfreich, um diese publikumsnah zu vermitteln („Das ist Olaf, Olaf sucht Literatur zu folgendem Thema….“)
- ReferentIn vs. PPP: Wer hat den Lead? Wer spricht? Gut überlegen, was die eigene Funktion ist. Weise ich nur auf Hinweise auf den Folien hin oder rede ich und die Folien dienen der Untermalung?
Susanna Truniger
26. März 2018
